Zweites Storchenpaar in Bruck bleibt hartnäckig: Nestbau an neuem Standort läuft

Die Zahl der Weißstörche im Freistaat steigt und steigt: Über 1200 Brutpaare hat der Landesbund für Vogelschutz 2023 Jahr gezählt – und damit 200 mehr als im Vorjahr. Freie Nester sind bei den Vögeln deshalb heiß begehrt – auch in Bruck: Dort gab es in den vergangenen Tagen heftige Revierkämpfe um den einzigen vorhandenen Brutplatz. Doch jetzt haben die Vögel eine Lösung gefunden.
Lange Zeit war Bruck für Störche nicht besonders attraktiv: Das letzte Paar hatte hier im Jahr 2000 gebrütet. Umso größer war die Freude in der Marktgemeinde, als sich am Karfreitag 2022 völlig überraschend zwei Störche auf dem alten Nest am Kamin der ehemaligen Eisengießerei Lercher niederließen und begannen, das Nest zu erneuern.
Auch heuer ist das Storchenpaar aus der Winterpause wieder nach Bruck zurückgekehrt – und musste sich plötzlich mit unerwarteter Konkurrenz auseinandersetzen: Ein fremdes Storchenpaar tauchte auf und versuchte, das Nest für sich zu erobern. Bislang erfolglos, wie Storchenliebhaberin Agnes Feuerer berichtet. Den seit zwei Jahren in Bruck heimischen Storchenmann habe sie bereits im Tiefflug durch die Fischbacher Straße fliegen sehen und dabei beobachtet, wie er immer wieder nach oben stieß, um die fremden Störche zu vertreiben.
Wenig Scheu vor Menschen
Überhaupt scheint sich vor allem der männliche Storch in Bruck besonders heimisch zu fühlen: Er sei weniger menschenscheu als andere Vertreter seiner Art, gehe auch gern einmal auf der Straße spazieren. „Der würde wahrscheinlich sogar ins Ärztehaus hineingehen, wenn die Tür offen wäre. Das ist ein ganz narrischer Vogel“, sagt Feuerer schmunzelnd. Zu erkennen sei er relativ leicht, weil er einen roten Fleck am Hals habe. Die Gemeinde hat an der Bodenwöhrer Straße deshalb auch schon ein Storchenwarnschild aufgestellt. Schließlich soll der außergewöhnliche Vogel, der auch auf Brucker Balkonen gerne Rast macht, nicht von einem Auto überfahren werden.
Neuen Nistplatz in Sulzmühl ausgewählt
So heimisch fühlt sich das neu aufgetauchte Storchenpaar in Bruck noch nicht, doch die beiden Vögel haben in den vergangenen Tagen große Hartnäckigkeit bewiesen und versucht, sich selbst einen Brutplatz zu bauen. Wie Gunther Stangl, der Storchenexperte aus der Nachbarstadt Nittenau, berichtet, habe das Storchenpaar in Sulzmühl, wo die Grenze zwischen Bruck und Nittenau verläuft, mit dem Nestbau begonnen. Dort habe es zunächst ein Wohnhaus ins Visier genommen. Mittlerweile sei es aber auf den Kamin eines Anwesens in Sulzmühl ausgewichen, wo es auch bleiben dürfe, weil der Eigentümer einverstanden sei, sagt Stangl.
Ob der Nestbau mit Material wie Ästen und Moos in Sulzmühl tatsächlich gelingt, bleibt aber abzuwarten. „Es ist unklar, ob es dann auch tatsächlich belegt wird“, sagt der Experte. Denn schließlich müsse das fertige Nest am Ende beiden Partnern gefallen – und bei Störchen seien die Weibchen hier pingeliger als die Männchen. Dabei seien die Tiere mittlerweile aber wohl in Eile. Rund drei Wochen Zeit hätten sie noch, um im Fall des Falles eine endgültige neue Bleibe zu finden – danach sei es für einen Bruterfolg für 2024 zu spät.
Trockenheit ist gefährlich
In Nittenau sind die Storchenpaare am Dach des Haus des Gastes und in Stefling bereits fleißig am Brüten, wie Stangl berichtet. Wie erfolgreich die Aufzucht der Jungvögel heuer verlaufen wird, lässt sich derzeit natürlich noch nicht abschätzen. Doch Stangl rechnet damit, dass er die Tiere auch heuer unterstützen muss. Die trockenen Sommer machen seinen Worten zufolge auch den Störchen zu schaffen, da sie bei längeren heißen Perioden Probleme hätten, genug Futter zu finden. Stangl hat deshalb auch schon häufig bei Trockenheit Eintagsküken an die Nittenauer Störche verfüttert. Vor allem die Jungvögel hätten sonst stark unter Hunger zu leiden. Er wolle auf diesem Weg verhindern, dass die Jungtiere jämmerlich zu Grunde gingen.
In Bodenwöhr gibt es kein Storchennest
Während in Nittenau und Bruck die Störche schon lange heimisch sind, ist das in Bodenwöhr derzeit noch nicht der Fall. Früher habe es in der Gemeinde sicherlich Storchennester gegeben, zum Beispiel auf ehemaligen Hüttenwerkskaminen, sagt Bürgermeister Georg Hoffmann (CSU). Auch gebe es in der Gemeinde durchaus den einen oder anderen Standort, an dem man über das Bereitstellen eines Nistortes nachdenken könne. In Taxöldern beispielsweise gebe es ein altes Trafohäuschen, das dafür eventuell in Frage komme, sagt der Rathauschef.
Grundsätzlich müsse man sich so etwas aber im Vorfeld wirklich gut überlegen, schließlich sei die Ansiedlung eines Storchenpaars in der Regel auch mit einiger Verschmutzung verbunden. Aktuell gebe es in der Gemeinde Bodenwöhr keine Bestrebungen. „Aber es wäre eine gute Idee“, sagt Hoffmann.
