Aus zwei Urlaubern aus Berlin wurden Geschäftsleute in Kelheim

Von Beate Weigert · 9. April 2024 um 19:00

Lange bevor sie vor einem Jahr in Kelheim den Traum vom eigenen Geschäft verwirklichten, waren zwei Berliner in der Region wegen einer anderen Leidenschaft bekannt. Mit ihrem Laden ziehen sie demnächst um – und beleben einen prominenten Leerstand in der Altstadt.

Die Rede ist von Marc Max Munsky und Youssef El Allagui. Munsky ist gebürtiger Berliner, sein Geschäftspartner El Allagui hatte dort viele Jahre seine „Homebase“. Munsky ist Modedesigner. Er arbeitete als Stylist für Werbespots und stattete die Künstler der Bühnenshows einer deutschen Kreuzfahrtgesellschaft mit Kostümen aus. Youssef El Allagui reiste als IT-Manager durch Europa. Unter anderem sorgte er bei einem französischen Energiekonzern sorgte er dafür, dass „die Systeme laufen“ und Europa Gas hat. Der 47-Jährige spricht zehn Sprachen. Viele, so wie Deutsch, fließend.

Erst in Donau und Altmühltal verliebt

In ihrer Freizeit sind die beiden Männer leidenschaftliche Radfahrer. „Wir haben alles, vom E-Bike bis zum Rennrad“, sagt Youssef El Allagui und grinst. Vor allem die Natur um Donau und Altmühltal hat es ihnen schon seit Jahren angetan. Auf ihren täglichen 80-Kilometer-Touren entdeckten sie viele kleine Dörfer wie Meihern oder Untereggersberg oder auch Kloster Plankstetten.

Corona bremste sie, wie Millionen andere im Land, aus. Sie saßen da und kamen ins Grübeln und Reden. Sie hatten in ihren Jobs gutes Geld verdient, lebten aber oftmals aus dem Koffer. Freizeit und vor allem eigene Freiheit(en) standen hinten an.

So kamen sie auf die Idee, ihr „Know-how zusammenzubringen, etwas für uns zu machen und auch dem Landkreis, der uns so gut gefällt, etwas zurückzugeben“, sagen El Allagui und Munsky.

Im April 2023 eröffneten sie ihr Geschäft, den „Da Home“-Store in der Drosselstraße in der Bauersiedlung. Der ist spezialisiert auf Koch- und Tischkultur. Weit hergeholt sei die Geschäftsidee nicht, sagen sie. Bereits ihre Eltern lebten ihnen vor, was Gastfreundschaft bedeutet. El Allagui stammt aus Marrakesch. Dort gehe es gerne opulent zu. Seine Familie sei groß, sagt er. Gästen stehe die Tür immer offen.

Marc Max Munsky und Youssef El Allagui leben Gastfreundschaft

Beide Inhaber kochen gerne, und laden Gästen ein. Freunde in Berlin fragten schon mal, ob sie nicht ein Restaurant aufmachen wollten. Nein, aber eben ein Geschäft, das sich guten Messern, besonders gut gebrannten Auflaufformen, zeitlosem Design, Qualität und Feinkost widmet. „Jeden Hersteller kennen wir persönlich“, sagt Munsky. Der 43-Jährige hat auch von seinen früheren Arbeiten viele Kontakte. Youssef El Allagui kümmert sich auch im eigenen Business um alles in Sachen IT. Aber nicht nicht nur.

Sie entscheiden alles gemeinsam. Auch, dass man bei ihnen jeden Teller und jede Tasse einzeln bekommt, um das Zuhause neu in Szene zu setzen. Mit alten Lieblings- oder Erbstücken etwa. Bei Munsky sind das ausziehbare Tischuntersetzer von der Uroma aus Metall. Bei El Allagui ein marrokanischer Tajine-Topf der Großeltern.

Im „Da Home“-Store bieten sie vieles. Nur „Tassen mit lustigen Sprüchen gibt es nicht“, sagt Marc Max Munsky. Privat dockten sie in der Altstadt an. Mit Blick zur Befreiungshalle.

Sie lieben Natur und Tradition in Niederbayern und der Oberpfalz

Einen „Kulturschock“ erlebten sie vom Umstieg von der Lieblingsurlaubs-Region auf den Alltag nicht, sagen sie. Auch von der Infrastruktur her sei Kelheim „groß genug“. Sie hatten den Landkreis ja schon vielfach zuvor gesehen, lieben und schätzen gelernt. Die Natur oder auch dass hier noch viele Traditionen eine Bedeutung haben und gelebt werden, gefällt den Wahl-Kelheimern sehr gut. Die Speisenweihe an Ostern oder Fronleichnams-Prozessionen seien Beispiele dafür.

Umzug in die Donaustraße in Kelheim steht an

Ans Bairische hat sich ihr Ohr längst gewöhnt. „Wir können nur nicht adäquat antworten“, sagt Munsky und grinst. Sie bleiben beim Hochdeutsch.

In der ersten Zeit in Kelheim haben sie viele Kunden über Social Media erreicht. Mittlerweile komme so mancher gezielt aus Regensburg, Ingolstadt oder Landshut. Aber auch Mainburger oder Langquaider hätten sie inzwischen entdeckt.

Den Laden, den sie bald in der Donaustraße eröffnen, hatten sie von Anfang an im Sinn. Nun sei man mit der Eigentümerin überein gekommen, dass sie dem früheren „Optik Matt“-Geschäft neues Leben einhauchen. Es ist etwa dreimal so groß, wie der Laden in der Drosselstraße. Dennoch wollen sie die Atmosphäre mit herüber nehmen, sagen sie.

Am Feierabend freuen sie sich in Bälde auf das noch nähere „Workout“ zu Fuß hoch zur Befreiungshalle und die ein oder andere Radtour. Seit sie hier leben, zählen sie die Kilometer.

Knapp 4000 sind es bislang. Auch im Winter wurde „durchgeradelt“. Mitunter bei minus 13 Grad und gut zehn Zentimeter Schnee. Das fiel auf. So mancher weiß jetzt: „Ah, ihr seid die Berliner.“