Den Regensburger Schiffsgeheimnissen auf der Spur

Von Mittelbayerische Zeitung · 9. April 2024 um 15:00

100 Jahre alte Technik und eine eigene Fluss-Sprache: Ein Rundgang auf dem Regensburger Dampfer Ruthof

„Dass Holz schwimmt, weiß ja jeder, aber was ist mit Eisen?“ Mit dieser Frage beginnt Rainer Ehm die Führung auf der schwimmenden Maschine. Er führt uns durch den Raddampfer Ruthof, der an der Thundorferstraße vor Anker liegt. Vergangenes Jahr hat sich sein Tauftag zum 100. Mal gejährt.

Die Ruthof ist Teil des Schifffahrtsmuseums Regensburg, das jetzt nach der Winterpause wieder seine Türen geöffnet hat. Die Führung durch den Dampfer zeigt nicht nur die raffinierte Schifffahrtstechnik des 20.Jahrhunderts, sondern beschäftigt sich auch viel mit der Bedeutung der Donau als wichtigem Handelsweg.

Vom Fluss-Grund geborgen

„Dieses Schiff wird jetzt schon länger als Museumsstück genutzt, als es gefahren wurde“, erzählt Ehm. Es wurde 1922/1923 auf der Regensburger Ruthof-Werft gebaut. Nachdem der Dampfer 1944 untergegangen war, ist ein Wiederaufbauprogramm gestartet.

Das Wrack war etwa zwölf Jahre in Ungarn unter Wasser gelegen, bevor es 1956 unter dem Namen Érsekcsanád wieder in den Dienst gestellt wurde. Nach seinem letzten Einsatz sollte das Schiff verschrottet werden, wurde jedoch 1979 vom Arbeitskreis Schifffahrtmuseum Regensburg erworben und zu einem Museumsschiff umgebaut.

„An Bord des Schiffes wirkt alles auf den ersten Blick recht kompakt, doch der Schein trügt – unter Deck wird man durchaus überrascht sein“, sagt Rainer Ehm, Vorstandsmitglied beim Museum. Der mit 25Mann besetzte Dampfer habe aus 23 Männer und zwei Köchinnen als Crew gehabt. Das Ansehen der Frauen an Bord war hoch – die Mannschaft wusste gute Verpflegung zu schätzen.

Im unteren Teil des Schiffes befinden sich der vordere Kesselraum, ein umgebauter Wohnbereich und der Maschinenraum. „In der Herzkammer des Schiffes hatte es immer um die 90 Grad, das ist heute nur schwer vorstellbar“, erklärt Ehm. Die Funktionsweise der Technik aber sei durch den guten Zustand des Schiffes gut nachvollziehbar.

Die Führung bringt uns zudem näher, wie die Trinkwasserversorgung an Bord funktionierte, welche Notfallausrüstung es gab und was die Mannschaft zu essen bekam. Die Kommunikation an Bord unterscheidet sich noch heute deutlich von unserer Alltagssprache. „Die Donau ist eigener Kulturraum und so auch die Sprache“, erklärt Rainer Ehm. Mit zehn anliegenden Staaten, in denen mindestens sieben verschiedene Sprachen gesprochen würden, ergebe sich eine eigene Metasprache auf den Schiffen.

„Bei unserer Führung geht es nicht nur um die Schiffe, sondern schwerpunktmäßig um die Donau“, erklärt Ehm. Dahingehend unterscheide sich das Schifffahrtsmuseum Regensburg besonders von anderen Schiffsausstellungen.

Die Donau als Kulturraum

Neben der Ruthof gibt es noch andere Ausstellungsstationen entlang der Thundorferstraße. Das Motorzugschiff Freudenau ist auch heute noch voll fahrtüchtig und wird gelegentlich zu ausgewählten Fahrten in Betrieb genommen. Am Donau-Südufer stehen der „Handbetriebene Hafenkran“ aus dem Jahr 1905,ein kleiner Überrest des Betontankschiffes B.T.1. und der Dampfkessel des Elbe-Dampfers Sachsenwald. Auch stößt man auf die „Hohe Kranbahn“ und die Schiffsschraube des BL Motorgüterschiffes Bayern.

Die vorwiegend ehrenamtlichen Mitarbeiter des Schifffahrtsmuseums seien bemüht, das Museum weiterhin zu erhalten und den Besuchern das Leben auf der Donau möglichst nahe zu bringen, sagt Ehm.

Das Museum

Öffnungszeiten: Das Donau-Schiffahrtsmuseum an der Thundorferstraße hat bis Oktober Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 17Uhr geöffnet.

Infos: Alle weiteren Informationen gibt es auf der Hompage unter www.donau-schiffahrtsmuseum-regensburg.de.

Eine Taucherausrüstung an Bord durfte nicht fehlen.