Abensbergerin Simone Beckenbauer räumt bei German Chocolate Award zwei Goldprämierungen ab

Von Lorenz Erl · 9. April 2024 um 11:00

Schokolade und vor allem Pralinen sind die große Leidenschaft von Simone Beckenbauer aus Sandharlanden (Landkreis Kelheim). Würde sie die Köstlichkeiten nur gerne naschen, wäre sie mit dieser süßen Versuchung bei weitem nicht alleine. Simone ist der Entwicklung von eigenen Pralinenkreationen verfallen und dass sie in diesem Metier zu den Besten in Deutschland gehört, hat sie inzwischen sogar schriftlich.

Heuer nahm sie erstmals mit zwei ihrer Pralinen-Eigenkreationen am German Chocolate Award teil und wurde auf Anhieb zwei Mal dafür im Baden-Württembergischen Weinheim unter 160 Einsendungen auch aus dem Ausland mit Gold ausgezeichnet. „Schokolade ist eine Diva und muss entsprechend behandelt werden“, meint sie in der Schokoladenküche im Keller ihres Familienhauses und präsentiert sichtlich stolz die beiden Urkunden. Fast vier Monate hat sie probiert, berechnet und experimentiert, bis sie ihre Yuzu HopSoy-Praline geschmacklich ausgereift der Jury vorlegen konnte. Im Innern der Schokohülle hat sie eine hopfengestopfte Sojasoßenreduktion samt Yuzu-Frucht mit Zitrone-Limette-Geschmack versteckt.

„Sie ist verrückt, sie ist anders. Diese Praline erzählt eine schöne Geschichte im Mund“, beschreibt Simone selber ihre Eigenkreation. Gedacht ist diese Praline nicht nur für den „normalen“ Genuss, sondern auch als Zwischengang von Fisch zu Fleisch in der gehobenen Gastronomie.

„Geschmack denken“

Die zweite Gold-Praline überzeugte eher konventionell mit crunchigem Pekannuss-Nougat und Meersalz unter der Schokolade. „Ich habe wohl ein ungewöhnliches Talent, ich kann Geschmack denken und es gibt für mich nur wenige Grenzen für den Geschmack von Pralinen“, beschreibt sie ihre Begabung dafür.

Dabei ist die zweifache Mutter und gelernte Bankkauffrau nur durch eine Schnapslaune ins süße Metier gekommen. „Ich hatte an einem vom Frauenbund organisierten Pralinenkurs mit Eierlikör als Füllung teilgenommen und dabei sozusagen Schokolade geschleckt“, erzählt die aus Gundlfing bei Riedenburg stammende Frau. In zahlreichen Kursen bei deutschen und internationalen Chocolatiers erweiterte sie ihr Fachwissen, begann mit einer eigenen Pralinenherstellung und gab auch selber Pralinenkurse.

Nach einer Durststrecke während Corona nahm sie noch einen Anlauf, legte vor der Handwerkskammer eine theoretische und praktische meisterähnliche Prüfung als Chocolatier ab und erhielt mit dem erfolgreichen Abschluss eine Ausnahmebewilligung der Handwerkskammer für diesen Beruf. Mit diesem Erfolg im Rücken beliefert sie mit ihren ausgefallenen Köstlichkeiten entsprechend dem Slogan „eat in colours“ Wiederverkäufer auch in München, nimmt Firmenaufträge für genussvolle Geschenke oder Teambildungsmaßnahmen an, führt selber einen Onlineshop und gibt auch wieder Gruppenkurse für Pralinenfreunde.

Etwa vier Tage dauert es mit den verschiedenen Arbeitsschritten und Ruhephasen, bis eine ihrer Pralinenchargen fertig ist. Während der Entwicklungsphase einer neuen Sorte dürfen Familie, Nachbarn und Freunde als Tester fungieren und das Naschwerk verzehren.

Das wichtigste Geheimnis

„Schokolade ist voller Geheimnisse und Faszination. Das wichtigste Geheimnis dieser komplexen Geschichte ist das Temperieren – wegen der vielen Fettkristallstrukturen, die in Schokolade enthalten sind“, gibt sie einen kleinen Einblick in die Kunst. Neben der zweifachen Goldprämierung für ihre Gaumenfantasien wartet für Simone Beckenbauer beim Award im nächsten Jahr eine weitere Auszeichnung auf sie: Dann wird sie selber als Fachjurymitglied bei der Bewertung der anonym vorgelegten Pralinen mit dabei sein und neben Promis wie heuer Bettina Schliephake-Burchardt, bekannt aus dem Fernsehformat „Das große Backen“, ihr Urteil abgeben.

Simone Beckenbauer mit den Goldprämierungen
Das Auge isst mit: So hübsch können Pralinen aussehen.