Ein Spiel zum Einrahmen: Der SSV Jahn Regensburg imponiert in Münster mit einer reifen Leistung

Von Heinz Gläser · 6. April 2024 um 19:39

Von einem Meisterstück zu sprechen, wäre angesichts von sechs verbleibenden Saisonspielen absolut verfrüht. Aber was der SSV Jahn am Samstagnachmittag über weite Strecken im Preußenstadion auf den Rasen zauberte, verdiente das Prädikat meisterlich. Es war eine Leistung zum Einrahmen.

Denn damit sind nicht nur die ersten 26 Minuten gemeint, in denen der Regensburger Fußball-Drittligist mit drei blitzschnellen Toren die zunächst sichtlich motivierten Münsteraner und deren stimmungsvolle Kulisse schockten.

„Ich hatte nie das Gefühl, dass das Spiel auf die andere Seite kippen könnte. Wir haben als Mannschaft eine richtig reife Leistung gezeigt und sehr, sehr verdient gewonnen. Wir hatten uns einen guten Plan zurechtgelegt“, sagte Flügelspieler Konrad Faber nach dem 3:1 (3:0)-Sieg im Topspiel bei den Westfalen, die als Mannschaft der Stunde zuvor sieben Erfolge in Serie gefeiert und sich auf den dritten Platz hochgearbeitet hatten. Selbst Sascha Hildmann, der Trainer von Münster, gratulierte dem SSV Jahn zu einem „absolut verdienten Sieg“, war gar „begeistert“ vom Gegner und fügte hinzu: „Regensburg hat uns heute gezeigt, wie effektiv man in dieser Liga sein muss. Es war für uns ein sehr, sehr gebrauchter Tag. Wir haben uns geschüttelt, aber nicht mehr erholt.“

Nur ein Schönheitsfehler

Nicht mehr erholt von den drei Gegentreffern von Noah Ganaus (3. Minute), Christian Viet (15.) und Dominik Kother (26.), meinte er damit. Das lag aber nicht nur an der Psyche der Gastgeber, sondern an der Effektivität, mit der die Oberpfälzer ihr Spiel weiterhin durchdrückten und auch nach der Halbzeit komplett dominierten – mit Ausnahme einer wilden Schlussphase, in der Münster noch mal ganz kurz Lunte gerochen hatte.

Das späte Gegentor von Shaibou Oubeyapwa (81.) ordnete Faber als „kleinen Schönheitsfehler“ ein. Er änderte nichts mehr daran, dass die Regensburger mit nunmehr 60 Punkten am kommenden Sonntag (13.30 Uhr) ins Derby daheim gegen den TSV 1860 München als Tabellenführer gehen werden. Münster haben sie ohnehin auf fünf Punkte distanziert.

„Kaltschnäuzig“: Mit diesem Wort charakterisierte Faber hinterher, wie die Gäste in der Anfangsphase ihre Chancen genutzt hatten. Die Regensburger hatten Gelegenheiten für zwei oder drei weitere Tore, aber das blieb das einzige Manko an diesem Tag. „Ich glaube, Münster hatte sich viel vorgenommen in der Halbzeit. Aber wir haben da weitergemacht, wo wir vor der Pause aufgehört hatten. Wir haben uns zwischen den Linien gut bewegt und damit immer wieder Überzahl geschaffen“, gab Faber eines der Erfolgsrezepte preis.

Ein anderes war sicherlich, dass Torhüter Felix Gebhardt beim Stand von 1:0 für den SSV Jahn einen Schuss von Sebastian Mrowca mit einem sensationellen Reflex noch gegen die Latte gelenkt hatte. „Eine tolle Aktion“, merkte auch Jahn-Coach Joe Enochs anerkennend an. Sie war ein weiterer Ausweis der Klasse des U21-Nationalkeepers.

Faber erinnerte derweil daran, dass Münster drauf und dran gewesen wäre, im Saisonendspurt jene Rolle zu spielen, die der Jahn mit zehn Siegen in Folge in der Hinrunde innehatte. „Wir haben furios begonnen, hatten dann eine kleine Schwächephase und melden uns nun furios zurück“, blickte er auf das lange Auf und folgende Ab zurück, das erst mit den Siegen zuletzt gegen den Halleschen FC (2:0) und nun gegen Münster endete.

Es ist nach der Negativserie von sechs sieglosen Spielen am Stück, die in der ernüchternden Pleite in Lübeck gipfelte, in der Länderspielpause ganz offensichtlich ein Ruck durch das Regensburger Team gegangen, der für das Aufstiegsrennen und für das kommende Duell mit den Löwen optimistisch stimmt. „Wir spielen als Mannschaft wieder richtig aggressiv gegen den Ball. Keiner nimmt sich raus. Wir sind wieder mutiger und klarer“, beschrieb Torschütze Viet den Unterschied: „Man merkt auf jeden Fall, dass die Stimmung wieder eine andere ist.“ Der TSV 1860 kann kommen: „Jeder freut sich auf dieses Spiel“, so Viet.

Enochs versicherte unterdessen, was er stets nach Siegen tut: „Wir bleiben auf dem Teppich.“ Der Erfolg beim SC Preußen sei ein „wichtiger Schritt“, mehr nicht. Und der nächste soll gegen die Sechziger sogleich folgen.

Alles hängt am Pressing

Der US-Amerikaner hat seinen Schützlingen eingebläut: „Wenn wir eine gute Leistung gegen den Ball haben, sind wir wirklich gut. Das haben wir in der Länderspielpause besprochen – nicht nur ich mit der Mannschaft, sondern auch die Mannschaft unter sich. Erst mal ist unsere Basis das Spiel gegen den Ball. Wenn wir pressen und Ballgewinne haben, sieht man, was daraus entstehen kann.“

Der SC Preußen Münster zumindest musste das am Samstag schmerzhaft erfahren.

Statistik

Münster – SSV Jahn 1:3 (0:3) SC Preußen Münster: Schulze Niehues – Schad, Koulis, Scherder, Böckle (46. ter Horst) – Mrowca (56. Wegkamp), Bazzoli, Bouchama (46. Kyerewaa), Lorenz (56. Steczyk) – Grodowski (80. Oubeyapwa), Batmaz

SSV Jahn Regensburg: Gebhardt – Saller (65. Bittroff), Ziegele, Breunig, Schönfelder (78. Hein) – Bulic, Geipl (84. Eisenhuth) – Faber, Viet, Kother (84. Huth) – Ganaus

Schiedsrichter: Sven Jablonski (Bremen)

Zuschauer: 12569

Tore: 0:1 Ganaus (3.), 0:2 Viet (15.), 0:3 Kother (26.), 1:3 Oubeyapwa (81.)

Gelbe Karten: Scherder, Steczyk – Hein