Extrem, extremer – Huberbuam: Klettern ist die Leidenschaft von Thomas und Alexander

Von Sarah Woipich · 6. April 2024 um 05:00

Seit sie Buben waren, sind Thomas Huber und sein jüngerer Bruder Alexander von der Welt der Berge fasziniert. Als „Huberbuam“ bekannt geworden sind die Extremkletterer aus Berchtesgaden mit spektakulären Bergsteiger-Aktionen, Erstbegehungen und Rekordversuchen.

Kalifornien, Patagonien, Pakistan und Nepal – die Liste der Länder, in die sie ihre Expeditionen schon führten, ist lang. Thomas (57) und Alexander Huber (55) ist kein Weg zu weit, kein Berg zu hoch und keine Felswand zu steil. Als „Huberbuam“ haben sich die beiden Männer bereits Anfang der 80er Jahre international als Extremkletterer und Profibergsteiger einen Namen gemacht. Aufgewachsen sind die beiden in den oberbayerischen Alpen in Berchtesgaden. Schon als Buben sind sie mit dem Vater in der Berge gegangen – eine Faszination ist entstanden, die sie bis heute nicht losgelassen hat.

Ein Gefühl der Freiheit im Einklang mit der Natur

„Es ist ein Ort des Entdeckens, fernab der Zivilisation und von der normalen Welt entrückt“, sagt Thomas Huber über die Bergwelt, von der er und sein Bruder Alexander seit jeher so begeistert sind. Das Gefühl von Freiheit im Einklang mit der Natur – für ihn auch der Grund, warum es in einer schnelllebigen Welt immer mehr Menschen genau dorthin ziehe.

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„Ich hätte lieber umkehren sollen“

1000 Meter ist sie hoch, die „Nose“ am El Capitan im Yosemite-Tal in Kalifornien. An der legendären Felswand haben sich schon so manche Ausnahmekletterer im Speed-Klettern versucht, immer im Kampf um den nächsten Geschwindigkeitsrekord. In gerade einmal zwei Stunden, 45 Minuten und 45 Sekunden schafften die „Huberbuam“ 2007 die Strecke nach ganz oben und brachen den zuvor aufgestellten Rekord – einer der vielen Höhepunkte in der Bergsteiger-Karriere der Männer.

Das Risiko, dass jede falsche Entscheidung oder Aktion sie das Leben kosten könnte, ist Thomas Huber bewusst. Er musste es an der berüchtigten Felswand selbst erfahren: „Ich bin dort abgestürzt. Es war mein Fehler, mir ging es an dem Tag nicht gut und ich hätte lieber umkehren sollen. Ich habe daraus gelernt und bin dankbar und demütig, dass bis auf ein paar Prellungen nichts passiert ist“, erzählt der Bergsteiger, der auch im vergangenen Jahr bei einem Absturz in den Berchtesgadener Alpen Glück im Unglück hatte.

Wie wichtig ist jemandem sein Leben, der immer wieder solche Risiken eingeht und es für Außenstehende damit möglicherweise auch leichtsinnig aufs Spiel setzt? Denn die Brüder klettern immer wieder auch „free solo“, das bedeutet ohne jegliche Absicherung am Berg. „Durch unser Können und unser Tun erkennen wir die Risiken. In uns Menschen steckt der Überlebensinstinkt, wir werden also immer alles tun, um zu bestehen. Das ist ein klares Ja zum Leben“, betont Thomas Huber.

„Du überlebst, wenn du die Sprache der Berge sprichst“

Anders als in der Welt der Zivilisation, die für ihn zunehmend unübersichtlich werde, fühlt er sich gerade in der Natur der Berge so wohl, denn dort kennt er im Vergleich zur analogen Welt, wie er sagt, die Gesetze und die Sprache ganz genau. „Und nur wenn du die Sprache der Berge sprichst, kannst du überleben“, betont Thomas Huber. Scheitern könne man letztlich nur am eigenen Ego.

Ob es nun dieser Adrenalinkick ist, wenn man oben steht, der ihn immer wieder antreibt, neue Projekte umzusetzen? „Meine Triebfeder ist mein Entdeckergen, das Abenteuer, das mich reizt. Wenn man an seine Grenzen kommt, dann kocht es in einem und ist schon berauschend“, schwärmt der Bergsteiger.

Hobby-Kletterer betreiben ihren Sport auch in der Halle

Auch wenn es eigentlich nichts mit dem zu tun hat, was er und sein Bruder machen, findet Thomas Huber das Klettern in der Halle eine gute Möglichkeit für Menschen, die den Sport als Hobby betreiben. „Aus dem Bergsteigen haben sich sehr viele Kletterarten entwickelt, die heute zum Teil olympisch sind oder zum modernen Fitness-Sport zählen. Da gibt es zum Beispiel das Bouldern, das Speed-Klettern, Freiklettern oder Eisklettern“, zählt der 57-Jährige auf. Doch egal, ob nun in der Halle oder am Berg – wichtig sei es „Spaß zu haben, mutig zu sein und seinem Herzen zu folgen.“