Ein Chamer in Kiew: Gerhard Hopp und seine Heimfahrt mit schweren Eindrücken

„Wie die das schaffen..?“ Der Chamer Landtagsabgeordnete Dr. Gerhard Hopp ist gerade nach einem Besuch beim Kiewer Bürgermeister Witalji Klitschko auf die Straße getreten und schwer beeindruckt. Acht Alarme wird es an diesem Tag geben. Die App „Kiew Alert“ hat er sich schon vor der 20-stündigen Reise in die Ukraine auf das Handy geladen. So sieht man das Unheil kommen.
An diesem Tag gilt keiner der acht Angriffe mit Drohnen und Raketen der Hauptstadt. Aber was macht Hopp eigentlich dort? Seit zweieinhalb Jahren ist er europapolitischer Sprecher der CSU im Landtag. Gemeinsam mit seinem Fraktionsvorsitzenden Klaus Holetschek ist er angereist und hat 140.000 Euro medizinische Hilfen von Siemens für Kinder und Kleinkinder mitgebracht. Die Hilfslieferungen werden noch auf eine Million Euro aufgestockt.
„Wir müssen begreifen“
Hopp wirkt beeindruckt. „Es ist unvorstellbar, wie die Menschen hier ihren Optimismus bewahren. Wie sie ihr Leben organisieren zwischen den Angriffen.“ Der Blick auf die App „Kiew Alert“ ermöglicht zwischen den Luftalarmen wenigstens einen Ansatz von Normalität. Das Militär setzt für jeden Angriff Links, über die man dessen Richtung verfolgen kann.
„Wir müssen möglichst schnell begreifen, dass die Ukrainer auch für uns kämpfen. Es ist geradezu fahrlässig, wie sich die Lieferungen an Waffen und Munition verzögern. Wenn die Ukraine die drohende russische Frühjahrsoffensive überstehen will, dann muss etwas passieren – und zwar jetzt“, sagt Hopp. Er ist extrem beeindruckt von der Kraft und dem Durchhaltevermögen, das er gerade erlebt. Gemeinsam haben sie einen Kranz niedergelegt zum Gedenken an die Ukrainer, die seit der Annexion der Krim 2014 im Krieg gestorben sind.
Vor allem von Klitschko ist er begeistert. „Das ist genau der Mann, den du dir wünschst, wenn deine Stadt angegriffen wird. Offen, herzlich, zupackend — so wie man ihn von früher kannte!“ Hopp hat Klitschko erst vor einigen Wochen bei der Münchner Sicherheitskonferenz getroffen. „Da war er auch schon so beeindruckend!“ Das liegt natürlich auch an der Erscheinung: Der Mann ist 2,01 Meter groß und 112 Kilo schwer. Er hat dem Chamer Abgeordneten seinen Wahlspruch mit auf dem Heimweg gegeben: „Gib nie auf. Du hast erst verloren, wenn du aufgibst.“
Vor Hopp und Holetschek liegen nicht nur 20 Stunden Rückfahrt mit dem Mini-Van. Am diesem Donnerstag wird er mit Holetschek Butscha besuchen, den Ort an dem die Russen nach ihrem Rückzug 460 tote ukrainische Zivilisten zurückließen. Teils gefesselt mitten auf den Straßen, teils verscharrt in Massengräbern. Hopp weiß, was auf ihn zukommt. „Butscha wird ein hartes Pflaster.“
Auf dem Rückweg werde die zwei Bayern noch die Republik Moldau besuchen. Das ist der Ort, von dem alle vermuten, dass sich nach dem obligatorischen Hilferuf aus dem abtrünnigen Transnistrien, der nächste Krieg mit Russland abzeichnet. „Was dort gerade abläuft, dafür könnte der Einmarsch in Donezk und Luhansk die Blaupause gewesen sein“, sagt Hopp.
Der Landtagsabgeordnete befürchtet jetzt schon ein leichtes Gewöhnungsproblem, wenn er wieder nach Hause kommt: „Wenn man das hier erlebt und dann sieht, worüber bei uns gestritten wird...“ – Was wünscht man sich dann? – „Mehr Zusammenhalt und die Erkenntnis, dass uns dieser Krieg unmittelbar betrifft. Und dass keine Zeit mehr ist, herumzudiskutieren, statt zu helfen.“
Die Realität übertrifft alles
Für Hopp selbst war es wichtig, selbst nach Kiew zu fahren. „Man muss es erlebt haben, um es zu verstehen. Was hier geschieht, übertrifft in der Realität alles, was man auf dem Papier gelesen oder in den Nachrichten gesehen hat.“

