Vorstand Zipse kritisiert EU-Zielvorgabe: BMW für Elektro-Kurs – aber ohne Zwang

Von Regina Ehm-Klier · 21. März 2024 um 16:27

Mit seiner „Neuen Klasse“, die 2026 auf den Markt kommt, will BMW nicht nur ein neues Kapitel seiner Automobilgeschichte schreiben, „wir schreiben ein ganz neues Buch“, kündigte Vorstandsvorsitzender Oliver Zipse am Donnerstag geradezu euphorisch an. Erstmals präsentierte er zwei Visionsmodelle.

Nach der Limousine nun auch einen SUV. 25 Jahre nach dem Einstieg in diese Klasse mit dem X5 will der bayerische Autobauer die Elektromobilität weiter vorantreiben. Die Neue Klasse – Produktionsstart ist im neuen ungarischen Werk in Debrecen – ist nicht nur vollelektrisch, sondern „definiert die Marke BMW neu“, versprach der Vorstands-Chef neue Dimensionen der Digitalisierung und Nachhaltigkeit, wodurch der CO2-Fußabdruck weiter deutlich gesenkt werde. Der Anlauf ist mit sechs Modellen geplant, doch die Technologie der Neuen Klasse soll ins gesamte Portfolio Einzug halten.

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Dabei hat es der bayerische Autobauer bislang schon ganz gut geschafft, seine E-Autos auf den Markt zu bringen: 3,3 Prozent beträgt der Marktanteil der Marke weltweit, bei elektrifizierten Fahrzeugen seien es hingegen 4,1 Prozent, so Zipse. Trotzdem kritisiert der BMW-Chef die CO2-Flotten- gesetzgebung innerhalb der EU mit ihren festen Vorgaben bis hin zum Verbrennerverbot 2035. Zipse will einen „umfassenden Review“.

Die USA als Vorgaben-Vorbild

Denn: „Eine Regulatorik, die Kundenbedürfnisse und Marktrealitäten ignoriert, aber gleichzeitig nicht in der Lage ist, die erforderlichen Rahmenbedingungen für alternative Technologien zu schaffen, kann nicht erfolgreich sein“, warnte er und fügte auf Nachfrage hinzu, dass es nicht um die „Verteidigung einer Haltung oder Technologie“ gehe, sondern schlicht darum, dass Technologie, Ladeinfrastruktur und Kundenwille zusammenpassen sollten – in ganz Europa. Vorbild seien die USA, deren Epa-Vorgaben mehr Flexibilität erlauben, sie seien „pragmatisch und weniger ideologisch“ in ihren Zeit-Zielen.

Zipse erteilte auf Nachfrage übrigens auch den von der EU angepeilten Strafzöllen für chinesische E-Autos eine Abfuhr: „Der freie Handel muss das Leitprinzip sein“, sagte er und riet, den Wettbewerb durchaus „zu umarmen“.

2,55 Millionen Fahrzeuge verkauft

Dabei weht auch BMW der Wind rauer ins Gesicht, wie den Zahlen von Finanz-Vorstand Walter Mertl zu entnehmen war. Dank eines „disziplinierten Geschäftsmanagements“ seien 2023 alle Ziele erreicht worden. Kostenintensiv sind indes Forschung und Entwicklung, neue Werke und steigende Materialkosten.

2,55 Millionen Fahrzeuge aller Marken wurden im Vorjahr verkauft (plus 6,4 Prozent), davon allein 2,25 Millionen von BMW (plus 7,2 Prozent). Hier waren vor allem die Modelle im oberen Preissegment erfolgreich. 375000 Fahrzeuge waren elektrifiziert, was einem Anteil von 15 Prozent am Gesamtabsatz entspricht, zusammen mit den Plug-in-Hybriden sogar 22 Prozent. „Wir bleiben zuversichtlich für 2024 und darüber hinaus“, sagte Mertl und prognostizierte auch langfristig eine Marge von 8 bis 10 Prozent, „darin fühlen wir uns sehr wohl“.

Gestiegene Zinsen und Leasing-Rückläufer

Tatsächlich negativ ausgewirkt haben sich im Finanzdienstleistungs-Sektor die gestiegenen Zinsen und Leasing-Rückläufer, die nicht mehr so gut weiterverkauft werden können, wie das noch ein Jahr zuvor bei einem nahezu leergefegten Gebrauchtwagenmarkt der Fall war. Jetzt habe sich die Lage „stabilisiert“, sagte Mertl. Seine weiteren Aussichten: „Wir bleiben zuversichtlich für 2024 und darüber hinaus.“

Den Wasserstoff-Brennstoffzellen-Antrieb schließt Zipse nach ersten Alltagstests des iX5 Hydrogen nicht aus. Es sei „ein fünftes Puzzleteil“ langfristig denkbar. Konkret ist er aber mit dem Ziel: Bis 2030 soll indes die Hälfte aller verkauften Autos von BMW weltweit elektrisch sein.