Wenzenbacher Mittelschul-Rechenspiele: Sanierung kaum günstiger als Neubau

Mit aktuellem Planungs- und Kostenstand des angedachten Schulzentrums und fiktiver Kostenberechnung einer Mittelschul-Sanierung schickt der Wenzenbacher Gemeinderat Bürgermeister Sebastian Koch nach Bernhardswald. Dort kommt es am Mittwoch zum Showdown um die Kostenfrage für eine moderne Mittelschule.
Eine Charmeoffensive in Richtung Nachbargemeinde startete Bürgermeister Sebastian Koch (SPD) zu Beginn der Gemeinderatssitzung am Dienstag. Neben dem Wenzenbacher Gremium wurde auch zwei Bernhardswalder Gemeinderäten im Publikum der aktuelle Planungs- und Kostenstand zum Neubau eines Schulzentrums vorgestellt mitsamt der fiktiven Kostenrechnung einer Mittelschul-Sanierung – um die geringe Einsparung zu veranschaulichen. Als aber das Wenzenbacher Ratsmitglied Rainer Mißlbeck (CSU) plötzlich das Projekt grundsätzlich in Frage stellte, wechselte Koch vom Charme- in den Kampfmodus für das Schulzentrum.
Als Bernhardswalder Anregungen verkaufte Koch die Zusammenführung von Mittel- und Grundschule am Roither Weg sowie das Lernhauskonzept. Eine ganze Entourage an Fachplanern hatte im Schulbauausschuss jüngst den Planungsstand vorgestellt und die Kostenschätzung auf 59 Millionen Euro beziffert (die MZ berichtete).
Gemeinderat: Einsparungen sind „belanglos“
Berücksichtigt in dieser Zahl sind drei Einsparpotenziale: ein leicht geneigtes Dach auf dem Verwaltungstrakt statt eines Flachdachs, die Streichung der Bühnentechnik und Sicherheitslicht mit Einzelbatterien statt Zentralbatterie. Als „marginal, belanglos“ bezeichnete Rudi Ebneth (CSU) die Einsparungen im sechsstelligen Bereich. Der Gemeinderat stimmte den Sparmaßnahmen geschlossen zu. Die Kostensteigerung um rund 2,5 Millionen Euro im Vergleich zur zurückliegenden Schätzung begründete Architekt Joachim Gutthann: „Das Bodengutachten, das uns jetzt vorliegt, ist relativ ernüchternd.“ Ein Zweitgutachten wurde eingeholt und wird aktuell ausgewertet.
Die Debatte um Planungsdetails erstickte Mißlbeck mit einem Paukenschlag: „Ich will keine Horrorszenarien malen“, leitete er ein, brachte dann aber seine Sorge vor einer „Bauruine“ zum Ausdruck, sollten die Kosten während der Entstehung weiter zunehmen. Mit steigender Kreisumlage und aus seiner Sicht unsicherer Entwicklung der kommunalen Einnahmen aus Gewerbe- und Einkommensteuer fürchtet er, dass sich die Gemeinde finanziell überhebt: „Als privater Bauherr würde ich jetzt den Stecker ziehen. Und als Gemeinderat schlafe ich nicht mehr ruhig.“ Ihm sei es lieber, die acht Millionen Euro an Planungskosten in den Sand zu setzen, als das 59-Millionen-Euro-Projekt weiterzutreiben.
Flammendes Plädoyer für Schulzentrum
Koch zeigte Verständnis für die Bauchschmerzen bei den im Raum stehenden Beträgen. Darauf ließ er aber ein flammendes Plädoyer für das großteils neu zu bauende Schulzentrum folgen: „Mit einer bestandsnahen Lösung sparst du dir vielleicht ein paar Milliönchen. Aber du bekommst auch ein deutlich schlechteres Ergebnis.“ Potenzielle Entwicklungsflächen – notfalls auch als Tafelsilber zum Verkauf – würden zurückgehalten. Von Kämmerin Elena Hofstetter sei die Finanzierung des Schulzentrums zudem konservativ und für verschiedene Szenarien durchgerechnet. Der moderne Neubau sei „fast alternativlos“ für Zukunftsträchtigkeit und Attraktivität des Schulstandorts.
Grund- und Mittelschulrektorin Silke Glöckner betonte: „Die Perspektive des Schulhauses ist gesichert.“ In der Grundschule erfordern die Schülerzahlen erstmals drei erste Klassen, in der Mittelschule komme man langsam in die Zweizügigkeit. Künftig seien zwölf Grundschul- und zehn Mittelschulklassen denkbar. Nur drei Wenzenbacher Fünftklässler besuchten eine private Mittelschule.
Mittelschul-Sanierung dürfte über 20 Millionen Euro kosten
Eine grobe Berechnung einer Mittelschul-Sanierung präsentierte Projektleiterin Katrin Brey trotz Kochs Plädoyers pro Schulzentrum. „Um es noch einmal deutlich zu machen, das ist eine rein fiktive Rechnung“, betonte Koch. Niemand wolle so eine bestandsnahe Lösung.
20,8 Millionen Euro kostet eine Sanierung der Mittelschule und einer Ein-Feld-Turnhalle gemäß der Wenzenbacher Rechnung. Mindestens. In die Kalkulation sind entsprechend dem Raumprogramm für Unterricht und Ganztagesangebot 68 Prozent der Bestandsfläche eingeflossen. Gänge und Aufenthaltsflächen sind nicht berücksichtigt. Die Kosten würden bei einem Konzept zur Sanierung noch steigen. Nach jetziger Kalkulation beziffert Brey den Bernhardswalder Anteil auf 5,5 Millionen Euro.
Schlichtung am Landratsamt?
Da Schüler aus der Nachbargemeinde die Wenzenbacher Mittelschule besuchen, muss sich Bernhardswald nur an den Kosten für die Mittelschule (fiktive Kosten: rund 28 Millionen Euro) beteiligen. Die Aufteilung sei eine „großzügige Rechnung“ zugunsten Bernhardswald, sagte Brey. Bis auf das eigentliche Mittelschul-Gebäude seien Flächen sehr zurückhaltend miteingerechnet worden. Hierbei würde der Bernhardswalder Anteil 8,3 Millionen Euro betragen, zu zahlen über 33 Jahre. Zu dem Kostendelta von 2,8 Millionen Euro sagt Gemeinderat Bernhard Pielmeier (CSU): „Da sehe ich die Ernsthaftigkeit der Debatte nicht.“
Einstimmig erteilte der Gemeinderat dem Bürgermeister die Legitimation, auf Grundlage der fiktiven Sanierungskosten mit Bernhardswald zu verhandeln. Am Mittwochabend präsentiert Koch die Rechnung in einer Sondersitzung des Bernhardswalder Gemeinderats. Er erwartet keine Einigung und mahnt eine schnelle Lösung an: „Wenn sich das Landratsamt zu keinem Schlichterspruch durchringen kann, der Bayerische Kommunale Prüfungsverband eingeschaltet wird und die Regierung über einen eventuellen Umsprengelungsantrag befinden muss, verlieren wir mehrere Jahre.“