Gebrauchtwagenpreise sinken, E-Autos dennoch uninteressant – Kelheimer Händler berichten

Jahrelang kannten Gebrauchtwagenpreise nur eine Richtung: nach oben. Das hat sich mittlerweile gedreht, wie Händler aus dem Raum Kelheim berichten.
• Preise: Die Gebrauchtwagenpreise fallen dieser Tage – darin sind sich die Autohändler einig. Christoph Bastianelli, der beim Autohaus Reitinger in Teugn für den Verkauf zuständig ist, spricht von einem starken Rückgang. Laut Ralph Kiche vom Kelheimer Autopark Kirche haben sich die Preise auf ein „normales Niveau eingependelt – sie sind etwas höher als vor drei Jahren“.
Die Rekordpreise der Jahre 2021 bis 2023 waren auf den Mangel an Neuwagen zurückzuführen, der durch Materialknappheit, Lieferschwierigkeiten und die Chipkrise bedingt war. Das berichten Autohändler und Branchenportale. Das habe die Nachfrage nach neuwertigen Gebrauchten explodieren lassen, weiß Kirche.
Der Umschwung hatte sich laut Medienberichten bereits im vergangenen Herbst angedeutet. Wer jetzt auf Schnäppchen hofft, dürfte dennoch enttäuscht werden. Die gebe es so nicht, sagt Kristin Baumer vom gleichnamigen Autohaus in Kelheim. Der Preisrückgang bewege sich je nach Modell im Bereich von einigen Tausend Euro. Baumer gibt ein Beispiel: Ein Golf 8 Benziner habe als Jahreswagen zu Spitzenzeiten rund 30000 Euro gekostet, nun könne man mit zwei- bis dreitausend Euro weniger rechnen. Zum Vergleich: Laut ADAC hatte sich der Durchschnittspreis für Gebrauchtwagen zwischen 2013 und 2023 von 9420 auf 18620 Euro nahezu verdoppelt.
Bei Kleinwagen und Minicars weist die Restwertekurve des Marktbeobachters DAT übrigens weiter nach oben, auch weil das Angebot eher klein ist. Das beobachtet auch Bastianelli: Die Vorstellung, einen gebrauchten Kleinwagen für um die 10 000 Euro ergattern zu können, sei „lange hinfällig“ – dieser Tage müsse man rund 5000 Euro drauflegen.
• E-Autos: Die Preise für Elektroautos fallen dieser Tage stark, während die Leasingraten ansteigen, sagt Kristin Baumer. Auch die Dpa berichtete Ende Februar unter Berufung auf Studien von einem Preisverfall bei gleichzeitig steigenden Leasingraten. Klinkt paradox, hängt laut Studien aber zusammen: Offenbar rechneten die Leasinganbieter mit einem hohen Wertverlust der Gebrauchswagen und setzten vor allem bei langen Laufzeiten entsprechend höhere Raten an. Baumer rechnet vor: Für einen Skoda Enyaq etwa sei die monatliche Leasingrate von 199 auf rund 450 Euro gestiegen.
Für Autohändler im Raum Kelheim sind gebrauchte E-Autos dieser Tage Ladenhüter, wenn sie nicht wie Kirche gar keine mehr bestellen. Hauptgrund dürfte der Wegfall der staatlichen Kaufprämie gewesen sein, berichten sie. Zudem vertrauen viele Kunden dem Antriebssystem nicht, sagt Baumer – Stichworte Reichweite, Garantie, Wirrwarr bei der Ladeinfrastruktur.
Zwar gebe es durchaus Interesse an E-Autos, im Zweifel werde dann aber ein Verbrenner gekauft. Dabei sind gerade hier die Preise deutlich zurückgegangen, sagt Baumer. Einen drei Jahre alten VW ID 3 könne man für unter 20000 Euro haben. Laut der Unternehmensberatung Berylls koste ein durchschnittliches Batterieauto zum Neupreis von 43600 Euro nach drei Jahren mit 60000 Kilometer Laufleistung aktuell 18800 Euro und habe somit 57 Prozent an Wert verloren. Wenn die Voraussetzungen gegeben sind – man hat eine Wallbox daheim und fährt hauptsächlich kürzere Strecken – würde Baumer durchaus zum Kauf eines gebrauchen E-Autos raten: „Da ist es das perfekte Auto“.
• Verbrenner: Der Diesel erfreut sich nach wie vor ungebrochener Beliebtheit. Bei Ralph Kirche sind beispielsweise VW Golf oder Passat Renner. Die Kunden schätzten Leistung, Reichweite und den tendenziell niedrigen Verbrauch. Kirche: „Ich tanke für 70 Euro und fahre 1000 Kilometer weit.“ Der Dieselskandal sei in der Wahrnehmung in den Hintergrund getreten. Auch Bastianelli und Baumer berichten von hoher Nachfrage. Hinzu kommt, so die Autohändler, dass die Hersteller weniger neue Diesel produzierten, was die Nachfrage zusätzlich ankurble.
• Modelle: „Deutschland ist SUV-Land“ – so fasst Baumer die Nachfrage zusammen. Durch die Bank würden diese nachgefragt, man schätze beispielsweise das hohe Sitzen. Außerdem seien Kleinwagen beliebt. Der gute alte Kombi oder auch Limousinen würden deutlich weniger nachgefragt. Statt letzterer kaufe man sich derzeit lieber einen „Mini-SUV“, etwa einen VW T-Roc oder T-Cross. So sieht es auch Bastianelli: Kleinwägen und SUVs gehen, Mittelklasseautos eher nicht.
Fahranfängern würde Bastianelli unbedingt zu einem Auto mit Gangschaltung raten. Beispielsweise einem Mazda 2. Ein vier oder fünf Jahre altes Modell könne man für rund 15000 Euro haben. Baumer empfiehlt beispielsweise einen VW Polo, einen Seat Ibiza oder einen Cupra. Preislich ginge es da ab 16000 Euro los. Einen Golf oder Seat Leon bekomme man ab 25000 Euro.

