Profanierung der Veitskirche Bad Kötzting: Auch die Gläubigen sagen Ja

Profanierung, die finanzielle Situation der Pfarreiengemeinschaft oder die kaputte Heizung: „Die Themen gehen uns bei weitem nicht aus“, sagt Pfarrer Thomas Winderl. Bei der gut besuchten Pfarrversammlung gab er einen Einblick in Projekte und Probleme der Pfarrei. Zwar sei die Pfarrversammlung kein beschlussfassendes Gremium. Die Ideen der Anwesenden aber würden vom Pfarrgemeinderat aufgenommen.
Welche Meinung haben die Gläubigen zur möglichen Profanierung der St. Veitskirche? Auch dazu diente die Versammlung – als Stimmungsbild der Pfarreiangehörigen zu diesem Thema. Wie berichtet, hatte die Kirchenverwaltung Mariä Himmelfahrt im November dem Bistum Regensburg in einer Absichtserklärung mitgeteilt, dass sie die Profanierung der Kirche wünscht. Hintergrund ist die enorme historische Baulast der Pfarrei Bad Kötzting, die einen Investitionsbedarf von geschätzt 20 Millionen Euro mit sich bringt (für die Sanierung der Kirchenburg, des Pfarrheims, der Wallfahrtskirche Weißenregen...). Dem steht nicht einmal eine Million Euro jährlich gegenüber, mit der auch laufende Kosten (Personal, Heizung...) beglichen werden müssen.
Bürgermeister als Mitstreiter
Eine Sanierung der denkmalgeschützten Veitskirche könnte die Pfarrei finanziell also nicht stemmen. Die Lösung wäre die Profanierung, also Verweltlichung, des Gotteshauses, in das dann das Pfingstrittmuseum ziehen könnte. In Bürgermeister Markus Hofmann hat Thomas Winderl einen Mitstreiter für diese Idee. Aber, sagte Hofmann bei der Pfarrversammlung: „Diese Idee ist kein Selbstläufer, der Stadtrat muss darüber noch abstimmen. Es gibt auch kritische Stimmen, die hinterfragen, wieso die Stadt die Veitskirche übernehmen soll, wo doch die Kirche so viel Geld habe.“ – „Ich weiß nicht, was für die Leute ‘die Kirche‘ ist; wir vor Ort in der Pfarrei jedenfalls haben kein Geld“, erklärte Pfarrer Winderl.
Und auch die Stadt könnte ohne Mittel der Städtebauförderung St. Veit nicht sanieren. Lege die Stadt ein Nutzungskonzept für das Gotteshaus vor, gebe es etwa 60 Prozent Zuschuss, rechnete Bürgermeister Hofmann vor. Für die Kirche selbst würde die Stadt den symbolischen Preis von einem Euro bezahlen. Winderl: „Für eine denkmalgeschützte, sanierungsbedürftige Kirche können wird nicht den Verkehrswert eines Grundstücks im Herzen von Bad Kötzting verlangen.“
Eine Wortmeldung von Ludwig Baumann sorgte für einen Lacher. Baumann verwies darauf, dass 1804 die Veitskirche hätte abgerissen werden sollen, was die Bürger verhindert hätten. Damals habe die Regierung die Marktverwaltung von Kötzting dazu verpflichtet, sich um den Unterhalt der Kirche zu kümmern. „Mir ist nicht bekannt, dass diese Vorschrift jemals geändert wurde“, machte Baumann eine Pflicht der Stadt aus, auch heute für den Erhalt der Veitskirche zu sorgen.
Auf die Frage aus der Versammlung, was im Falle einer Profanierung mit den Kunstschätzen und dem Altar – einem „echten Kötztinger Kulturgut“ (Baumann) – geschehe, gab der Pfarrer dem Fragenden recht: Der Altar solle in ein Pfingstrittmuseum integriert werden.
Konzept für die Nachnutzung
Um den Prozess der Profanierung einzuleiten, muss Pfarrer Winderl dem Diözesanreferat ein Konzept für eine angemessene Nachnutzung vorlegen. „Das wäre mit der Stadt als Käufer wesentlich einfacher als mit einem privaten Nutzer. Der will vielleicht ein Café draus machen – und wer weiß, vielleicht ist dann irgendwann ein Nachtclub drin.“
Was aber passiert, wenn die Stadt die Veitskirche zwar kauft, sie aber dann weiterverkauft? Wäre es möglich, zur Sicherheit den Verwendungszweck im Kaufvertrag festzulegen, so eine Frage aus der Versammlung? Winderl meinte: „Welcher Käufer akzeptiert eine solche Bedingung?“ Bürgermeister Markus Hofmann ergänzte: „Solche Vorgaben in einem Kaufvertrag bauen nur Druck auf die ohnehin kritischen Stimmen im Stadtrat auf.“
Eine Profanierung macht keinen Sinn, wenn die ganze Pfarrgemeinde dagegen ist, sagte Thomas Winderl. Im Zuge des Verwaltungsablaufs muss er dem Diözesanreferat das Einverständnis der Gläubigen schriftlich versichern. Nachdem niemand aus der Pfarrversammlung sich negativ äußerte und Winderl diese als „Referenzgröße“ für die gesamte Pfarrgemeinde sah, unternimmt er nun diesen, den nächsten, Schritt Richtung Profanierung. Insgesamt rechnet Winderl mit einem Profanierungs-Prozess von ein, zwei Jahren.
Erfreuliches gibt es zum Thema Kirchenheizung, die bekanntlich in den vergangenen Monaten nicht richtig funktionierte. Laut Winderl hat sich „jemand vom Pfarrgemeinderat reingekniet und den Fehler gefunden. Es sieht so aus, dass wir es mit dieser Heizung noch eine Weile schaffen.“ Während der Gottesdienstzeit werde die Stadtpfarrkirche auf zehn Grad geheizt, ansonsten „nicht unter acht Grad“.
Ärger um Sternsingeraktion
Pfarrer Thomas Winderl schilderte seine Sicht der Dinge rund um den immer wieder aufkommenden Ärger bezüglich der Sternsingeraktion. Dabei ging es um die reihenweise vorhandene „zweite Kasse“ für Geld, das für die Sternsinger selbst bestimmt sei. Die größte Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder würde ad absurdum geführt, wenn nicht ausschließlich für deren Zweck gesammelt würde. „Unseren Kindern geht es Gott sei dank verglichen mit denen, für die gesammelt wird, gut. Das Geld aus der Sternsingeraktion ist für Kinder, denen es nicht so gut geht, für deren Schulbildung und ähnliches.“ Aussagen an der Haustür wie „für die Mission/für die Kirche gebe ich nichts, für die Sternsinger schon“ finde er bedenklich. Auch sei es traurig, dass die Sternsinger an so mancher Haustüre unfreundlich empfangen worden seien. Das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ hat den Status der Gemeinnützigkeit. Alle in den Pfarreien gesammelten Spenden müssen ans Kindermissionswerk überwiesen werden. Das hat die Deutsche Bischofskonferenz in der „Ordnung für die Aktion Dreikönigssingen“ festgelegt. Nur, wenn diese Satzung eingehalten wird, greifen auch Dinge wie die Versicherung der Sternsinger und ihrer Begleitpersonen während der Aktion. Da das Sternsingen gesetzlich geschützt ist, gilt diese Regelung auch aus spenden- und finanzrechtlicher Sicht.
Winderl hält eine finanzielle Anerkennung für den Dienst der Sternsinger von Seiten der Kirchenverwaltungen für angebracht. Den Betrag legten die Kirchenstiftungen fest, wobei es dem Pfarrer wichtig ist, dass die Regelung für alle gleich ist. „Natürlich dürfen die Ministranten bei anderen Gelegenheiten für ihre Kasse sammeln.“ Vor der nächsten Sternsingeraktion werden sich alle Verantwortlichen zusammensetzen, denn: „Wenn das noch einmal so läuft wie in diesem Jahr, soll lieber in jedem Ortsteil auf private Initiative mit Übernahme der damit verbundenen rechtlichen Verantwortung gesammelt und für die Aktion Sternsinger gespendet werden – aber nicht mehr im Namen der Pfarrei.“ Von Seiten der Anwesenden gab es dazu keine Gegenargumente.
Ein weiteres Thema war die Pastorale Planung 2034. Bekanntlich soll im Zuge der Pastoralreform die Pfarrgemeinschaft Bad Kötzting-Wettzell-Steinbühl-Weißenregen mit Grafenwiesen und Rimbach zu einer größeren Einheit zusammengefasst werden. An diesem Planungsstand, der seit mehr als einem Jahr bekannt ist, hat sich nichts geändert, informierte Pfarrer Thomas Winderl. „Es gibt bis heute keinen Laufplan. Das ist unbefriedigend, weil es eine Planung schwierig macht.“ Beim jüngsten Treffen des Priesterrats, dem auch Winderl angehört, habe der Generalvikar die nächsten beiden Schritte vorgegeben: Zum einen solle man sich Gedanken über den Namen der künftigen Pfarreiengemeinschaft machen. Winderl: „Die Vorgabe lautet, kein zu langer Name und keiner, der nach Autobahnausfahrt klingt – etwa Ostbayern Süd.“ Es sei auch keine Option, „Grafenwiesen“ und „Rimbach“ einfach an den bestehenden Namen dranzuhängen, da dieser ja sowieso schon so lange sei. Winderl bat die Pfarrversammlung um Namensvorschläge, die natürlich jederzeit möglich sind. Ein Vorschlag lautete „Pfarreiengemeinschaft Kaitersberg-Hohenbogen“. Kurdirektor Sepp Barth schlug „Pfarreiengemeinschaft Kötztinger Land“ vor, „so heißen wir auch im Tourismus“.
Eine weitere Aufgabe, die der Generalvikar den Priestern auftrug, war es, sich darüber Gedanken zu machen, welche Immobilien in der künftigen Pfarreiengemeinschaft genutzt werden können und welche nicht. Zum Beispiel bräuchte man künftig nur noch einen Pfarrsaal. Oder, so Winderl: „Wo wohnt der Pfarrer? Das muss nicht zwangsläufig an dem Ort sein, an dem der Pfarrsitz ist.“ Entscheidend sei der Zustand eines Gebäudes. Was ist frisch renoviert, was sanierungsbedürftig? Thomas Winderl nannte das Beispiel Waldmünchen-Treffelstein, wo jetzt schon feststehe, dass zwar der Pfarrsitz in Waldmünchen ist, der Pfarrer aber im Treffelsteiner Pfarrhof wohnen werde. Für die Kötztinger Pfarrei geht Winderl davon aus, dass der Pfarrsitz in Bad Kötzting bleibe.
Kurz sprach der Pfarrer die Personalsituation in der Pfarrei an. „Wir haben keinen Pastoralreferenten mehr; und ob wir noch einmal einen Kaplan bekommen, wenn uns Alexander Ertl verlässt, wissen wir nicht.“
Zur Diskussion stellte Winderl die Frage, ob es künftig nur noch einen Sonntagsgottesdienst geben soll. Dieser Wunsch sei von Gläubigen geäußert worden, nachdem dies in den Ferien so praktiziert werde und dieser eine Gottesdienst stets besser besucht sei. Das sorge für ein schöneres Gemeinschaftsgefühl, eine bessere Stimmung als zwei Messen mit schlechter besetzen Kirchenstühlen. „Personell schaffen wir zwei Messen, das ist kein Problem.“ Nach einigen Wortmeldungen und Diskussionen um die mögliche Zeit eines einzigen Sonntagsgottesdienstes (10 Uhr) stimmten die Anwesenden Winderls Aussage zu: „Never change a running system – momentan bekommen wir das noch gut hin.“ Es bleibt bei zwei Sonntagsmessen.