Regensburger Bayernhafen ist Seismograph der aktuellen wirtschaftlichen Lage

Von Mittelbayerische Zeitung · 19. März 2024 um 10:00

Häfen sind immer auch Spiegelbild der wirtschaftlichen und konjunkturellen Entwicklung, daher macht sich die aktuelle Situation auch in den Umschlagszahlen bemerkbar. Im Bayernhafen Regensburg wurden laut Mitteilung der Bayernhafen GmbH & Co. KG 2023 per Schiff und Bahn 2,38 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen, das sind 7,5 Prozent weniger als im Vorjahr.

Rund 137500 Lkw-Fahrten wurden durch die Verlagerung von Langstreckenverkehren auf die Verkehrsträger Schiff und Bahn eingespart. Der Bahngüterumschlag 2023 betrug 1,36 Millionen Tonnen. Das ist ein Rückgang von 8,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Per Binnenschiff wurden in Regensburg, dem im Schiffsgüterumschlag in ganz Bayern führenden Hafen, 1,02 Millionen Tonnen umgeschlagen (5,7 Prozent weniger als im Vorjahr). Im Kombinierten Verkehr (KV) wurden 95675 TEU (Ein TEU entspricht einem 20-Fuß-Standardcontainer) umgeschlagen, 8,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Neben Containern im Seehafenhinterlandverkehr mit Hamburg und Bremerhaven gehören dazu Wechselbrücken und Sattelauflieger im kontinentalen Verkehr. Per Schiff und Bahn wurden z.B. Agrargüter, Baustoffe, Erze und Metalle, Nahrungsmittel, Brennstoffe, Recyclinggüter, Mineralien und Industriegüter wie Maschinen und Automotivteile sowie Schwergut wie Trafos transportiert.

Auswirkungen des Krieges

Die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine, die Energiewende und die spürbar abgekühlte Konjunktur spiegeln sich auch in den Umschlagszahlen im Hafen wider. „Ein Hafen zeigt wie ein Seismograph die wirtschaftliche Entwicklung an“, sagt Bayernhafen-Geschäftsführer Joachim Zimmermann, „im Hinblick auf Klimaschutz und Verkehrswende wird die Schnittstelle Hafen aber noch wichtiger werden. Für das Gelingen der Energiewende, einer verstärkten Kreislaufwirtschaft und nachhaltigen Schwerguttransporten spielen Binnenhäfen eine entscheidende Rolle. Voraussetzung bleibt eine funktionierende Infrastruktur, die eine effiziente Kombination von Schiff, Bahn und Lkw in der Logistikkette ermöglicht.“ Benötigt würden stabile Rahmenbedingungen, deutlich schnellere Genehmigungsprozesse und ein Schutz der Hafeninfrastruktur.

„Gemeinsam mit unseren Hafenkunden sorgen wir für eine zuverlässige Versorgung von Gesellschaft und Industrie mit Gütern. Wir investieren trotz aller Herausforderungen weiterhin langfristig in den Standort,“ sagt Carsten Conrad, Niederlassungsleiter Bayernhafen Regensburg. Rund 16 Millionen Euro beträgt das Investitionsvolumen von Bayernhafen in Regensburg. Dazu gehören über mehrere Jahre laufende Investitionen in die Vorbereitung von Flächen und in die Hafeninfrastruktur. Eines der Projekte ist die Gestaltung des Übergangs zum Hafengebiet an der Donaulände. Der östliche Bereich ist für die Nutzung im Umschlagsektor und der westliche für die Fahrgastkabinenschifffahrt bestimmt. Seit Anfang 2024 stehen an der Donaulände – im Bereich der Nibelungenbrücke donauabwärts – je zwei neue Energieterminals für Güterschiffe und für Flusskreuzfahrtschiffe zur Verfügung. Durch die Landstrom-Anlagen können Schiffe während ihrer Liegezeit umweltfreundlich Strom aus erneuerbaren Energien beziehen und bordeigene Dieselaggregate abschalten. Dies reduziert die Belastung von Schadstoffemissionen sowie Lärm und spart CO2 ein. Das Projekt wurde durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz und das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr gefördert.

Neue Verladung ohne Kran

Geplant ist auch die Fortführung der „Donaupromenade“ zwischen Österreicherstadel und Babostraße. Im Abschnitt Babostraße – Nibelungenbrücke wurde mit den Bauarbeiten Ende 2023 begonnen. Im Zuge der weiteren Baumaßnahmen kann es aus Sicherheitsgründen zeitweise zu Sperrungen des Uferwegs kommen. Ein weiterer Investitionsschwerpunkt ist die Modifizierung des Trailerports, einem Terminal speziell für den Umschlag von Wechselbrücken und Sattelaufliegern auf die Bahn, um eine neue Verbindung im Kombinierten Verkehr nach Ungarn zu ermöglichen. Bei der Verladung kommt die von der Helrom GmbH neu entwickelte und patentierte Technologie zur horizontalen Verladung, also ohne Kran oder Reachstacker, zum Einsatz. Die Innovation soll gemeinsam mit Bayernhafen etabliert werden. Das neue System kommt erstmals in Bayern und überhaupt erst auf einer zweiten Strecke zum Einsatz. Im April 2024 ist der Start der neuen täglichen Bahnverbindung zwischen Regensburg und Lébény geplant.

Das Bebauungsplanverfahren für den Westhafen / Ölhafen, in dessen Bereich auch das

Stadtlagerhaus liegt, läuft noch. Laut Bayernhafen sei erklärtes Ziel, aus der historisch gewachsenen Gemengelage Rechts- und Planungssicherheit für die Hafenkunden wie auch für die Nachbarn zu erreichen. Durch eine etwaige Umnutzung des Stadtlagerhauses in ein Kreativareal dürften für den Hafenbetrieb keinerlei Einschränkungen resultieren.

Hafen live erleben:

Einblick: Die Welt der Logistik stellen Bayernhafen und Hafenkunden gemeinsam allen interessierten Bürgern in Regensburg vor.

Hafenfest: Am 15. September lädt Bayernhafen dazu zu einem großen Hafenfest ein. Details zum Programm werden noch vorgestellt.