Inge Köglmeier kümmert sich seit Jahren um Kranke und Senioren

Die 76-Jährige ist eine von zwei Seniorenbeauftragten der Stadt Neutraubling. Zudem ist sie Hospizbegleiterin und besucht regelmäßig die Palliativ-Station der Barmherzigen Brüder in Regensburg. Die soziale Ader habe sie von ihrem Vater geerbt.
Sie hat schon viele Menschen auf den letzten Metern begleitet. Alte und Junge, Gläubige und Ungläubige, Schweigsame und Redebedürftige. Inge Köglmeier hat feine Antennen, wenn es um die Bedürfnisse von Kranken und ihren Angehörigen geht. Vor allem aber ist sie da. „Zeit haben und Zuhören, das ist das Wichtigste“, sagt die 76-Jährige. Seit mehr als 20 Jahren kümmert sie sich um Senioren in Neutraubling. Darüber hinaus ist sie Hospizbegleiterin und besucht regelmäßig die Palliativ-Station der Barmherzigen Brüder in Regensburg.
Die soziale Ader habe sie von ihrem Vater geerbt, erzählt Köglmeier, die 1947 in Gebelkofen geboren wurde. In die Seniorenarbeit sei sie zufällig hineingerutscht. Die frühere Leiterin des Seniorenkreises der Pfarrei Neutraubling habe Verstärkung gesucht. „Ich wollte nur im Hintergrund helfen.“ Doch dann sei ihre Vorgängerin schwer erkrankt und Köglmeier musste übernehmen.
Inzwischen leitet sie den Kreis schon mehr als zwei Jahrzehnte und organisiert zusammen mit einem fünfköpfigen Helferteam alle zwei Wochen einen geselligen Nachmittag im Pfarrheim mit Kaffee und Kuchen, Vorträgen und Musik. Auch gemeinsame Ausflüge gehören zum Programm. Die Aufgabe ist Köglmeier längst ans Herz gewachsen. „Mir macht das sehr viel Spaß.“
Besuche im Heim
Außerdem ist sie eine von zwei Seniorenbeauftragten der Stadt Neutraubling. „Da gibt es aber nur wenig Anfragen.“ Dafür ist ihr Einsatz im Seniorenheim umso mehr gefragt. Seit 24 Jahren gehört Inge Köglmeier zum Besucherkreis, mindestens zwei Stunden verbringt sie jede Woche im Heim. Auch die Krankenkommunion gehört dort zu ihren Aufgaben. „Im Heim sind viele Leute einsam .“ Wer im Bett liegen müsse, könne nicht an den gemeinsamen Mahlzeiten teilnehmen. Da sei es wichtig, Gesellschaft zu leisten. „Früher waren wir im Besucherkreis zu sechst, heute sind wir drei.“
Dabei bekomme man so viel Dankbarkeit zurück – sei es ein Lächeln oder ein Händedruck. „Die Leute freuen sich, das ist mein schönstes Geschenk.“ Sie könne andere nur dazu ermutigen, sich auch zu engagieren. Zeit und Geduld, mehr müsse man nicht mitbringen. „Wenn ich im Heim wäre, würde ich mich auch über Besuch freuen.“ Der Bedarf sei groß. „Ich könnte jeden Tag ins Heim gehen.“
Einmal im Monat verbringt Köglmeier überdies einen Nachmittag auf der Palliativstation im Krankenhaus bei den Barmherzigen Brüdern in Regensburg. Die Atmosphäre dort sei ruhig und herzlich. „Davor muss man keine Angst haben.“ Viele Gesprächspartner treffe sie oft nur einmal. „Die Sterbenden wissen meistens, was ihnen bevorsteht.“ Kürzlich habe sie dort ein junges Mädchen besucht, „das war schon schlimm“. Bei einem anderen Patienten sei sie darauf gefasst gewesen, dass er nicht mit ihr sprechen wolle. Die Pflegekraft habe sie vorgewarnt. Doch dann habe der Kranke sich sogar gefreut. Auch der hölzerne Handschmeichler in Kreuzform sei gut angekommen. „Den habe ich immer in der Handtasche, er funktioniert auch bei Nicht-Gläubigen.“ Bisher habe sie noch nie erlebt, dass ein Sterbender ihren Besuch abgelehnt hätte. Gesprochen werde dabei über alles Mögliche, nur selten auch über den Tod – „und nur, wenn Betroffene das von sich aus möchten“.
Freude an den Urenkeln
„Ich bin ein einfacher Mensch“, so beschreibt sich Köglmeier selbst. „Was ich mache, mache ich ohne viel Aufhebens.“ Unterstützt wird sie von ihrem Mann. Er fährt sie ins Hospiz nach Pentling oder ins Krankenhaus und hilft im Haushalt mit – sei es beim Kochen oder Einkaufen.
Priorität haben ansonsten nur ihre zwei Urenkeltöchter, die in den Ferien oft zu Besuch kommen. Dann sind die „Uris“ vor allem auf Spielplätzen anzutreffen. Ihren zwei erwachsenen Kindern möchte Kögl-meier später nicht zur Last fallen. Sie kann sich vorstellen, auch einmal ins Seniorenheim zu ziehen. Noch ist sie davon weit entfernt. Die Wohnung der Köglmeiers, in der das Paar schon ein halbes Jahrhundert lebt, liegt im dritten Stock – ohne Aufzug. „Das hält fit.“
2018 wurde Inge Köglmeier mit dem „Weißen Engel“ geehrt. Die Auszeichnung wird vom bayerischen Gesundheitsministerium für besonderes ehrenamtliches Engagement verliehen.
Schon seit Jahren ist Köglmeier für Senioren und Kranke da – im Regensburger Hospizverein, in Neutraubling als Seniorenbeauftragte, beim Besuchsdienst und im Seniorenkreis. Sie ist auch im Pfarrgemeinderat.