Polizeistatistik: 1269 Unfälle, drei Tote und viel Alkohol im Stadtbereich Cham

Von Johannes Schiedermeier · 12. März 2024 um 15:00

18 Unfälle unter Alkohol stellen den Ausreißerwert in der Unfallstatistik der Polizei Cham dar. Verkehrssachbearbeiter Denny Ihling hat sie gemeinsam mit dem Leiter der Polizeiinspektion Cham, Stefan Gürster vorgestellt. „Das trübt das Gesamtbild“, so Ihling. Auch im Stadtgebiet schlägt sich die vermehrte Nutzung von Rädern, Pedelecs und Scootern in erhöhten Unfallzahlen nieder.

In den letzten zehn Jahren lag die Zahl der Unfälle nur 2016 um drei höher als die 1269 Unfälle, die 2023 gezählt wurden. Die beiden schwersten Unfälle, bei denen drei Personen getötet wurden, ereigneten sich auf den umliegenden Bundesstraßen im Bereich der PI Cham.

Auf der falschen Straßenseite

Das neue Jahr war erst 14 Tage alt, als ein 63-Jähriger ums Leben kam. Er war auf der B 20 in Richtung Cham unterwegs, als er aus unbekannter Ursache auf die Gegenfahrbahn geriet und frontal mit seinem Wagen in ein entgegenkommendes Auto prallte. Am 9. Dezember starben ein 60-jähriger Mann und seine 54-jährige Frau auf der B 20, weil sie mit ihrem Wagen ebenfalls auf die falsche Straßenseite gerieten und frontal mit einem Auto kollidierten.

Auf den Bundesstraßen ereigneten sich aufgrund der hohen Geschwindigkeit zwar die schwersten Unfälle – insgesamt waren es 263. Die weitaus höchste Zahl der Zusammenstöße registriert die Statistik mit 273 aber auf den Gemeindestraßen, gefolgt von den Kreisstraßen (175) und den Staatsstraßen (78).

48 Schwerverletzte

Nach den „Sonstigen Unfallursachen wie Unaufmerksamkeit usw. (731) folgten 230 Fehler beim Abbiegen und Wenden, 174 Mal war mangelnder Sicherheitsabstand die Unfallursache und 91 Mal registrierte die Polizei eine falsche Straßenbenutzung oder Nichtbeachten der Regelungen. Fehler beim Überholen und Vorbeifahren gab es 23 und 18 Unfälle geschahen unter Alkoholeinfluss. 17 Mal was Fahrbahnglätte die Ursache für Zusammenstöße.

Die Folgen waren oft schwerwiegend: Neben den drei Toten gab es mit 48 Schwerverletzten einen weiteren Rekordwert in den letzten zehn Jahren. Mit insgesamt 216 Verletzten bewegt sich die Statistik dagegen auf einem Mittelwert.

Spitzenwert beim Alkohol

Den Spitzenwert von 18 alkoholbedingten Unfällen führt Ihling auf den breiten Alkoholgenuss in der Gesellschaft zurück, der die Risikobereitschaft grundsätzlich erhöhe. „Die meisten denken sich: Wird schon nichts passieren. Die Polizeiliche Erfahrung zeigt aber, dass Alkohol am Steuer oft zu schweren Unfällen führt. Deswegen werden wir den Kontrolldruck hoch halten.“ 7,9 Millionen Deutsche trinken laut Ihling in gesundheitlich bedenklicher Weise bis zu 24 Gramm reinen Alkohol am Tag. Ein Drittel der Alkoholunfälle in Cham haben sich an Samstagen ereignet. Allerdings waren nur elf Prozent der beteiligten junge Leute zwischen 18 und 24 Jahren. Das, so Ihling sei unter anderem auf die gezielte Präventionsarbeit in dieser Risikogruppe zurückzuführen. Allerdings verursachten sie 62 Prozent der 21 Geschwindigkeitsunfälle.

Mehr Unfälle bei Senioren ab 65 Jahren

Die Unfälle der Senioren ab 65 steigen seit 2020 kontinuierlich an. Auf deren Konto geht zwar kein einziger Geschwindigkeitsunfall, dafür sind sie zu 34 Prozent an den geklärten Unfallfluchten beteiligt. Diese bewegen sich seit Jahren auf gleichbleibend hohem Niveau von rund 200. Die Aufklärungsquote liegt bei 39 Prozent. Hier appelliert Ihling an die Zivilcourage der Bürger. Man sei auf Hinweise dringend angewiesen, insbesondere bei den zahlreichen Parkremplern auf vielbesuchten Parkplätzen der Verbrauchermärkte.

17 Prozent der Verletzten waren mit dem Rad unterwegs. Das ist auch die Folge der wachsenden Bedeutung der Zweiräder im Stadtverkehr. An elf Unfällen waren Pedelecs beteiligt. Sie unterstützen per akkubetriebenem Motor den Radler bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h. Wer schneller fahren will, hat ein E-Bike und braucht ein Kennzeichen. Auch de E-Scooter gewinnen an Bedeutung. Zwei Verletzte gab es, weil zwei dieser E-Scooter in Cham zusammengestoßen sind.

Rekord: 399 Wildunfälle

Mit 399 Wildunfällen hat sich 2023 deren Zahl im Vergleich der letzten zehn Jahre um 39 Prozent gesteigert. Ihling führt das unter anderem darauf zurück, dass Rehe und Wildschweine durch das ausgeweitete Freizeitverhalten immer öfter aufgestöbert werden und über die Straßen flüchten. Er fordert, dass insbesondere in Zeiten der Dämmerung langsamer gefahren wird. Schon bei 60 km/h entwickle ein Wildschwein ein Aufprallgewicht von 3,5 Tonnen.

Positiv: Es hat 2023 nur einen Schulwegunfall gegeben, bei der ein 14-jähriger Radfahrer auf dem Gehweg von einem abbiegenden Auto erfasst wurde. Das ist bei rund 5000 Schülern jeden Tag in der Schulstadt Cham ein erfreulicher Wert. Der Sachbearbeiter führt das auch auf die unermüdliche Präventionsarbeit und den Einsatz von 101 Schülerlotsen und neun Verkehrshelfern zurück.

Polizei Cham setzt auf Prävention

Die Polizei setzt im Stadtgebiet viel auf Prävention. Bei ihren Kontrollen verhinderten die Beamten 27 Trunkenheitsfahrten, sie erwischten 93 Betrunkene am Steuer, 13 Personen waren unter Drogen unterwegs. 19 Insassen trugen keinen Gurt, 102 Autofahrer telefonierten, obwohl das 100 Euro kostet. In 203 Messstunden mit dem Laser hat die PI Cham 348 Anzeigen, 63 Verwarnungen und 15 Fahrverbote ausgestellt.

Verkehrssachbearbeiter Denny Ihling links) stellte gemeinsam mit dem Chamer Polizei-Chef Stefan Gürster die Unfallstatistik 2023 für die Stadt Cham vor. Foto: Johannes Schiedermeier