Konzern trennt sich von Herstellung von Drähten und Litzen: Aus Leoni Draht wird Aerumtec

Schon von Außen ist seit wenigen Tagen sichtbar, dass sich etwas getan hat bei der Niederlassung von Leoni an der Pfingstreiterstraße in Bad Kötzting (Lkr. Cham).
Der bekannte dunkelblaue Schriftzug ist verschwunden und einem neuen, kupferfarbenen gewichen. Nicht mehr Leoni, sondern Aerumtec ist an der Fassade des traditionsreichen Werkes, das es seit mehr als fünf Jahrzehnten am Standort gibt, zu lesen. Welche Veränderungen das bedeutet, erklärten die neuen Geschäftsführer Bürgermeister Markus Hofmann am Freitagnachmittag.
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Dr. Harald Wieland ist der neue Vorstandsvorsitzende von Aerumtec und damit der Unternehmenssparte, von der sich Leoni Ende vergangenen Jahres getrennt hat. Mit fünf Standorten ist Aerumtec laut eigenen Angaben einer der führenden Unternehmen, wenn es um Kupferdrähte geht. Der Name der Firma, die bis vor kurzem noch Leoni Draht hieß, ist eine Zusammensetzung des lateinischen Wortes für Erz oder Kupfer (aerum) und Technik (tec).
Qualität weiter steigern
Der neue Name solle auch Ausdruck dafür sein, wo diese neue Firma mit ihrer Erfahrung und auch mit dem Standort in Bad Kötzting mit seinen rund 120 Mitarbeitern hin möchte, sagt Wieland. Künftig sollen am Standort in Bad Kötzting höherwertigere Produkte als bislang entwickelt werden, „und das soll der Name schon klarmachen“, sagt Wieland.
Zu dem (Namens-)Wechsel sei es gekommen, da sich Leoni selbst schwerpunktmäßig auf die Sparte Automotiv und Bordnetze verlegen wolle – da hätten die nun übernommenen Werke nicht mehr ins Konzept gepasst, zumal sie auch nicht profitabel gewesen seien. Noch nicht, wenn es nach der neuen Führung, zu der neben Günther Buchner als Finanzvorstand auch vor Ort Werkleiter Jürgen Maeckelburg gehört, geht. Zwei Dinge seien klar: Die Produktion in Bad Kötzting und auch an den weiteren Standorten sei in den vergangenen Jahren immer spezieller und aufwendiger und dadurch kostenintensiv geworden. „Die Vielfalt bringt uns um“, bringt es Maeckelburg auf den Punkt.
Gleichzeitig sei es der Leoni-Tochter in den vergangenen Jahren nicht möglich gewesen, mit ihrem Know-how selbst in Märkten zu agieren, wo sie profitabel hätten wirtschaften können, sagt Wieland. „Leoni ist auch heute noch einer unserer größten Kunden“, sagt er, aber eben nicht mehr der einzige.
Wie kommt der Wechsel?
Damit aus Leoni in Bad Kötzting Aerumtec werden konnte, habe es aber einen neuen Gesellschafter gebraucht, und der sei in der Deutschen Invest Mittelstand gefunden worden, einer Beteiligungsgesellschaft mit Sitz in München. Investoren würden sich natürlich auch irgendwann wieder einmal zurückziehen, sagt Geschäftsführer Wieland, und bis dahin gelte es, profitabel zu werden.
Allerdings meine er mit „Kosteneinsparung“ und „Prozessoptimierung“ nicht das, was viele seiner Kollegen darunter verstünden: Da nur der Gesellschafter (und auch der Name) gewechselt habe, bleibe das Unternehmen an sich dasselbe. Das bedeute, dass sich für die Mitarbeiter vor Ort überhaupt nichts ändern werde, außer dass sie künftig mehr mit der Konzernzentrale in Weißenburg zu tun hätten als bisher mit der Leoni-Zentrale in Nürnberg – und das in einem positiven Sinne, wie Wieland versichert.
Zu den ersten Maßnahmen werde darum nicht gehören, Mitarbeiter zu entlassen („Denn wer jetzt geht, den bekommen wir nicht mehr wieder“), sondern die so fortzubilden, dass die gesetzten Ziele auch erreicht werden können. „Wir wollen künftig Produkte anbieten, die nicht leicht nachgemacht werden können“, versichert der neue Geschäftsführer. Um die Mitarbeiter bis dahin halten zu können, werde derzeit in Kurzarbeit gearbeitet.
Vom Draht, der gerade einmal ein Drittel so dick ist wie ein Haar, bis hin zu den Verbindungskabeln, die ganze Zugwaggons zusammenhalten können, reiche die Palette dessen, was Aerumtec am Standort produzieren könne – so, wie das auch bislang der Fall gewesen sei. Durch die Abkoppelung vom Weltkonzern Leoni gebe es nun aber mehr Freiheiten, sich selbst auf dem Markt zu positionieren, so die neuen Geschäftsführer.
Ein Umstand, der auch den Bürgermeister freut. Es wäre „sehr schade“ gewesen, hätte die Trennung vom Mutterkonzern Ende vergangenen Jahres auch das Ende der traditionsreichen Niederlassung mit ihren über 100 Mitarbeitern in Bad Kötzting bedeutet, so Hofmann. Doch davon war an diesem Nachmittag keine Rede, während die neuen Geschäftsführer den Bürgermeister der Stadt durch die Produktion von Aerumtec führten.
