Vom Berg ins Bad: Unter dem neuen Pächter Harald Grauvogl braut sich was zusammen

Von Petra Schoplocher · 1. März 2024 um 11:00

Da hat Harald Grauvogl nicht schlecht gestaunt, an jenem Novembertag. Aus für ihn „heiterem Himmel“ hatte er den Tiefenbacher Bürgermeister an der Strippe. Ludwig Prögler wollte wissen, ob die Gaststätte am Waldbad vielleicht doch wieder interessant sein könnte. Wieder, denn schon einmal wurde der Name Grauvogl hoch gehandelt. Mittlerweile sind längst Taten geschaffen: Am heutigen Freitag öffnet das kleine Lokal unter Regie des 31-Jährigen und seiner Mama Elvira seine Pforten. Unter besonderen Vorzeichen.

2021 hatte sich Harald Grauvogl schon einmal um die Gastronomie der Tiefenbacher beworben, sich kurz vor Torschluss aber den Nachwirkungen der Corona-Pandemie gebeugt. Stichworte: Personalmangel, Unsicherheit. Grauvogl sagte der Gemeinde ab, „aus Vernunftgründen“.

Erster Anlauf scheiterte an Corona-Spätfolgen

Nun soll es im zweiten Anlauf klappen. Wovon der 31-Jährige überzeugt ist, zumal er mit seiner Mama den idealen Partner an der Seite hat. Seit Jahren ergänzen sie sich am Schwarzwihrberg, wissen genau, wie der andere (gastronomisch) tickt. Die Bergwirtschaft hat Grauvogl im August 2019 als Pächter übernommen, Mutter Elvira Grauvogl-Schwarz stets an seiner Seite. Gerade auch, als es nach einem Unfall schwierig wurde und der junge Gastronom auf Krücken versuchte, das Alltagsgeschäft am Rötzer Hausberg abzuwickeln. Was dank ihrer Hilfe, aber auch dem Zutun des Vereins gelang, betont Harald Grauvogl dankbar.

Nach der Besichtigung ging‘s schnell

Mutter und Sohn haben das Datum noch genau im Kopf: Am 2. Dezember haben sie sich das kleine Lokal (noch mal) angeschaut. Ein Gefühl dazu haben sie rasch entwickelt: Ja, das könnt‘ was sein... Nicht zu klein, nicht zu groß, dazu die Möglichkeit des Außer-Haus-Verkaufs.

Ein halbes Jahr Leerlauf

Grauvogl schildert die Situation vor seinem „Ja“ zu Tiefenbach: „Ein halbes Jahr hast du ein Wirtshaus, das andere halbe nicht.“ Zudem keine großartigen Möglichkeiten für Geburtstage, schon gar keine für Weihnachtsfeiern.

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Der Schwarzwihrberg sei nicht leicht, „da musst du schon viel Liebe mitbringen“. Mini-Küche, Riesenandrang bei gutem Wetter, Flaute bei schlechtem. Oft unkalkulierbar. Und bis dato x-tausend Prozent für seine Mitarbeiter und ihn im Sommer, während im Winter bisweilen gar Langeweile drohe.

Grauvogls lieben den Schwarzwihrberg

Dennoch ist ihm, der dort über Jahre als Mitspieler auf der Bühne gestanden hatte, und seiner Mama zur Herzensangelegenheit geworden. Und zwar derart, dass sogar die Öffnungstage in Tiefenbach darauf abgestimmt sind. Mittwochs ist (neben dienstags) Ruhetag. Um Ressourcen zu schonen, aber auch, um Elvira Grauvogl-Schwarz Stunden am Schwarzwihr zu ermöglichen. „Der Berg tät‘ mir sonst abgehen“, gibt die 55-Jährige zu.

Synergien nutzen

Es klingt vieles nach Glücksfall – nicht nur, weil das schnuckelige Lokal nun einen engagierten Wirt und der winterlichen Leere etwas entgegen setzen kann. Da ist der Synergieeffekt von zwei Wirtshäusern. Die Beschaffung werde einfacher, Ware und Personal könnten ausgetauscht werden, führt der 31-Jährige vor Augen.

Verträgliche Preise

Weiterer Vorteil vor anderem Hintergrund: Durch die Nähe zum Getränkehandel könnten die Preise für Bier (die Halbe für 3,20 Euro), Wasser (2,50) sowie Spezi und Co. (3,90) „im unteren, gesunden Mittelfeld“ gehalten werden. Die Pizzen beginnen unter zehn Euro, „wir wollen, dass sich das wirklich jeder (mal) leisten kann“.

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„Vollkommen durchgeknallte Ideen scheinen mein Markenzeichen zu werden“, grinst Grauvogl bis über beide Ohren. Erst im Herbst brachte der gelernte Einzelhandelskaufmann sein zweites Malz-Hopfen-Hefe-Produkt auf den Markt. Süffiger, stärker, ein Festbier namens Dragomir – eine Hommage an Treffelstein, seine Heimat, der er zuvor schon sein Helles gewidmet hatte.

Der dritte (Bier-)Streich

Letzteres habe sich bestens etabliert, wie der junge Tausendsassa mit Verweis auf ausgestoßene 750 Hektoliter im Jahr 2024 nicht ohne Stolz verweist. Der Dragomir (eine Anlehnung an den Drachen aus Eisenschrott, der über den Treffelsteiner Drachenturm wacht) schickt sich an, es ihm nachzutun...

Zwei Wochen „zu früh“

Und nun das Weißbier. Um zwei Wochen haut es nicht hin, dass der neueste Coup an Waldbad-Tag eins bereits ausschankbereit ist. Der erste Sud ist fertig, aber der Gärprozess nicht abgeschlossen. „Das hat mir das Genick gebrochen“, lächelt der 31-Jährige das „Missgeschick“ weg. Um dem Ganzen gleich was Positives abzugewinnen. So werde das Schwarzenburger-Weizen (so der Name) eben beim Saisonstart am Rötzer Hausberg Premiere feiern. Am Palmsonntag, sofern das Wetter mitspielt. Auf obergäriges Bier müssen dessen Freunde aber auch im Waldbad-Café nicht verzichten. Bis das eigene fertig ist, wird es ein anderes Weißbier geben, betont der Wirt.

Neues, helles Ambiente

Vor rund sechs Wochen hat das Mutter-Sohn-Gespann die Mission in Tiefenbach gestartet „und gefühlt vier Wochen lang geputzt“. Der Aufwand hat sich gelohnt: Das Ambiente für die rund 50 Plätze wirkt freundlich, die Dekoration stimmig. „Wir wollten das Dunkle, Drückende raus haben.“ Erreicht haben Grauvogls das unter anderem mit nun ausschließlich weißen Wänden.

Außenbereich wird neu gestaltet

Um im Außenbereich einzugreifen, ist das Frühjahr noch nicht weit genug. Die Gemeinde habe zugesagt, mit den Pflasterplatten zu helfen, auch jenseits der Terrasse mit derzeit und 40 Plätzen hinaus soll das grüne Kleinod die Handschrift von Elvira Grauvogl-Schwarz tragen.

Der Gast soll König sein

An den Start geht das Pächterduo mit einer relativ übersichtlichen Karte. Um die Qualität zu sichern, und um auszutarieren, was geht. Wobei er sich bei zwei Angeboten sicher ist: Pizza, seit langem das Waldbad-Steckenpferd, und Currywurst. Die gab es zuletzt nicht, „gehört aber zum Freibad-Feeling“, ist der Treffelsteiner überzeugt.

Vor allem auf das ist der 31-Jährige schon sehr gespannt. Klientel, Schwimmzeiten, Vorlieben... Neuland. Aber das war der Berg ja einst auch, wie das Bierbrauen. Nun das Bad, ein drittes B. Beste Vorzeichen.

DAS NEUE WALDBAD-CAFE

Vorfreude: Das Pächtergespann startet am 1. März mit den Winteröffnungszeiten. Diese sind: Montag, Donnerstag, Freitag und Samstag von 17 bis 22 Uhr, Sonn- und Feiertags 13 bis 22 Uhr.

Schwerpunkte: Nudeln (auchvegetarisch), Salate, Hot Dogs und Pizza: Die Speisekarte ist bewusst eng gehalten, um bestmögliche Frische zu garantieren und auf Gästewünsche reagieren zu können.

Weiße Wände, helles Ambiente samt Dragomir im Hintergrund: Die neue Inneneinrichtung trägt die Handschrift von Elvira Grauvogl-Schwarz. Auch der Außenbereich soll noch „aufgemöbelt“ werden.
Herzstück: Das Waldbad ist für seine Pizzen berühmt. Den Ofen hat Grauvogl übernommen.