Roding hat eine neue Notarin: Katharina Marchner (31) will wieder für Kontinuität sorgen

Das Notariat hat in den vergangenen sechs Jahren sechs verschiedene Leiter erlebt. Seitdem sich Urgestein Bruno Mayer 2018 in den Ruhestand verabschiedet hat, dreht sich das Personalkarussell in Roding ähnlich schnell wie bei den Trainerposten mancher Bundesligaklubs. An diesem Freitag tritt nun Katharina Marchner offiziell ihre Aufgabe als neue Notarin an – mit jeder Menge Vorfreude und dem Ziel, wieder für Kontinuität zu sorgen.
Die 31-Jährige, die auf dem Katzberg in Cham aufgewachsen ist, löst damit Yannick Skowronek ab, der nach dem Weggang von Notar Benjamin Weingarten vier Monate als Notariatsverwalter in Roding eingesetzt war. Für Katharina Marchner (geborene Schall) ist die Stelle in der Heimat „etwas Besonderes“. Darüber, dass es tatsächlich geklappt hat, ein Notariat im Landkreis zu übernehmen, ist sie sehr glücklich. Zumal es laut Landesnotarkammer derzeit nur Notarstellen an 202 Orten in Bayern gibt.
Studium in Passau
Berufswünsche hatte sie zunächst andere. Lehramt für Chemie und Latein, aber auch Pilotin standen ganz oben auf ihrer Liste. Ihr Großvater hat sie schließlich auf dieses Berufsfeld aufmerksam gemacht, erzählt Katharina Marchner. Mit ihrem hohen Gerechtigkeitssinn würde sie sich perfekt als Richterin oder Notarin eignen.
Und so beginnt sie nach dem Abitur, das sie 2011 mit der Traumnote von 1,0 am Robert-Schuman-Gymnasium in Cham abgeschlossen hat, mit dem Jura-Studium in Passau. Dort arbeitet sie nebenbei als Hilfskraft am Lehrstuhl für Internetrecht. Bereits nach acht Semestern legt sie dann das erste Staatsexamen ab. Weiter geht es von 2016 bis 2018 mit dem Referendariat, das sie unter anderem bei der Staatsanwaltschaft in Regensburg und am Amtsgericht in Cham absolviert. Des Weiteren ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin in einer Kanzlei in Regensburg sowie als Korrekturassistentin für Klausuren der Studenten tätig.
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Das zweite Staatsexamen meistert Marchner mit einem sehr guten Notenschnitt, so dass ihr tatsächlich alle Wege offenstehen. Sie entscheidet sich schließlich für den Beruf als Notarin. Gelangt der Fall zum Richter, „ist es oft schon zu spät“, meint sie. Das sei der große Gegensatz zum Notar, der im Vorfeld versucht, vorsorgende Verträge zu machen, dass es gar nicht soweit kommt. Das ist aus ihrer Sicht der „schönere Ansatz“, weshalb sie lieber Notarin als Richterin geworden ist.
Ihre erste Station führt sie als Notarassessorin für ein Jahr nach Bamberg, dann zurück nach Regensburg. Weiter geht es in Wörth an der Donau für einige Monate als Notariatsverwalterin. Zwischen der Geburt ihrer beiden Kinder Leo und Isabella ist sie in Deggendorf eingesetzt. Da die Bewerbung für Roding erfolgreich war, verkürzt die 31-Jährige jetzt sogar ihre Elternzeit. „Ich freue mich sehr auf diese Stelle in der Region“, betont sie.
Mitte Dezember kam die Zusage, am Montag nun hat sie den Eid abgelegt und die Ernennungsurkunde vom Präsidenten des Landgerichts Regensburg, Dr. Clemens Prokop, erhalten. Zudem hat sich die neue Notarin bereits bei den Bürgermeisterin in ihrem Zuständigkeitsgebiet mit den Kommunen Roding, Pösing, Stamsried, Walderbach, Zell, Falkenstein und Michelsneukirchen vorgestellt. Die Amtsübergabe mit Verwalter Yannick Skowronek wurde am Donnerstag vollzogen, ihr erster offizieller Arbeitstag ist an diesem Freitag.
Charme der alten Räume
Im Notariat in der Landgerichtsstraße, das weiter mit dem bewährten 13-köpfigen Team besetzt ist, wird noch umgebaut. Der Charme der alten Räume im denkmalgeschützten Gebäude gefalle ihr, ebenso die Aussicht, sagt sie.
Auf ihrem Tisch landen sämtliche Rechtsgebiete – von Familienrecht über Erbrecht und Grundstücksrecht bis hin zu Immobilienrecht und Gesellschaftsrecht. Das Spektrum sei auch in Roding sehr breit. Während es in Großstädten mehr internationale Bezüge gebe, seien es im ländlichen Raum mehr Hofübergaben, vergleicht die 31-Jährige. Gerade diese Vielfalt und der Kontakt zu allen Bevölkerungsschichten mache den Job so spannend. „Mir wird also nicht langweilig“, sagt sie und grinst.
Ihre freie Zeit verbringt sie mit ihrer Familie – ihr Mann ist Wirtschaftsinformatiker – und geht schwimmen oder wandern. Zudem läuft die Suche nach einem Haus oder Grundstück in Roding und Umgebung, da die räumlichen Verhältnisse bei den Schwiegereltern in Traitsching mit zwei Kindern mittlerweile etwas knapp sind. Der Arbeitsweg wäre somit kürzer – und die Aussicht auf Kontinuität im Notariat bestimmt größer.
