Als der „Kaiser“ mit seinen Bayern gegen den ASV Haselmühl kickte

„Er hat mich schwindelig gespielt“, erinnert sich Franz Baumann, in den Sechzigern „Dauerläufer“ beim ASV Haselmühl, an die Duelle auf dem Rasen mit seinem Namensvetter, dem großen Franz Beckenbauer. 1967 trat der FC Bayern München zur Stadioneinweihung des Haselmühler Sportvereins an. Die Erinnerungen sind bei vielen noch lebendig.
Wolfgang Roggenhofer, Amtsleiter im Kümmerbrucker Rathaus, hatte aus dem Fundus seines Großvaters Rudolf Knoll, einst Vorstandsmitglied beim ASV Haselmühl, ein besonderes „Erbstück“ ausgegraben: einen 30-minütigen Film über das Freundschaftsspiel des FC Bayern München gegen den ASV Haselmühl. Anlass war die Stadion-Einweihung am 13. August 1967.
Kürzlich konnten nun im Kümmersbrucker Rathaus-Saal Interessierte diese Zeitreise in die Vergangenheit antreten. Der erste optische Eindruck an diesem Abend sollte sich bestätigen. Viele Zeitzeugen waren gekommen, um dieses einmalige Ereignis in der heutigen Gemeinde Kümmersbruck noch einmal in Erinnerung zu rufen.
Zum Zuschauen kamen die Männer mit Anzug und Krawatte, die Frauen im Kostüm
„10.000 Zuschauer bei diesem Fußballspiel! Das muss man sich so vorstellen, dass die gesamte Großgemeinde Kümmersbruck mit ihren heute rund 10.000 Einwohnern auf dem Fußballplatz war. Alle Männer mit Anzug und Krawatte, die Frauen im Kostüm. Es war ein Volksfest“, kommentierte Roggenhofer die Filmszenen. Er selbst, Jahrgang 1969, war damals noch gar nicht auf der Welt.
Die gesamte Vilstalstraße, von Lengenfeld bis in das Amberger Stadtgebiet hinein, sei damals beidseitig zugeparkt gewesen. Parkplätze für die Autos der Zuschauer habe es gar keine gegeben.
Überhaupt würden heute Polizei und Sicherheitskräfte die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn sie die damaligen Verhältnisse sehen würden. So war zum Beispiel die Ersatzbank des FC Bayern mit dem ununterbrochen Pfeife rauchenden Trainer „Tschik“ Cajkovski während des gesamten Spiels dicht umlagert von Fans, die vor ihm auf dem Boden saßen.
Der 14-jährige Charly Senft aus Ensdorf holte sich die Autogramme im Gasthaus
Einer der Zeitzeugen ist Charly Senft aus Ensdorf, damals 14 Jahre alt, später auch Fußballer beim FC Amberg. Mit dem Rad ist er damals als Junge zum Spiel der Bayern nach Kümmersbruck gefahren, wollte unbedingt auch Autogramme von Stars. Doch nach dem Spiel war der Ansturm der Autogramm-Jäger viel zu groß, er hatte keine Chance an die Stars heranzukommen.
Da stieg er auf sein Fahrrad, radelte zum Gasthof zur Post und wartete, bis die Bayern-Stars mit dem Essen fertig waren. „Alle Spieler haben bereitwillig unterschrieben“, erzählt Senft und zeigt heute stolz die 13 Unterschriften.
Über den Zustand des Rasens schimpften die Bayern-Stars mächtig
Tatsächlich waren noch drei ehemalige ASV-Spieler von damals unter den Zuhörern im Rathaus-Saal: Ludwig Knaut, Norbert Augustin und Franz Baumann. Franz Baumann, damals der „Dauerläufer“ beim ASV, erinnert sich noch sehr gut an die Zweikämpfe mit Franz Beckenbauer im Mittelfeld. Obwohl eigentlich Libero, war dieser nie in der eigenen Abwehr zu finden. „Er hat mich schwindelig gespielt“, weiß Baumann.
Norbert Augustin, trotz seiner 78 Jahre heute immer noch regelmäßig auf dem Tennisplatz zu finden, war damals über viele Jahre quasi der „Matthäus“ des ASV Haselmühl, nicht nur wegen seiner Statur, sondern auch wegen seiner ausgefeilten Technik. Er hatte die erste Bekanntschaft der Profis mit dem Haselmühler Rasenplatz kurz nach der Ankunft verfolgt. „Was haben die Spieler über den schlechten Rasen geschimpft. Er war nämlich noch zu frisch, noch gar nicht verwurzelt, kurz: ein Acker. Cajkovski befahl beim Aufwärmen sofort einen Wechsel der Fußballschuhe.“
Einen Abdruck des Fußballs habe man im Übrigen an seinem Oberschenkel noch zwei Wochen nach dem Spiel gesehen, nach einem Schuss von Beckenbauer, berichtet Augustin. Dabei muss man wissen, dass damals Fußbälle noch aus echtem hartem Schweinsleder bestanden.
Das Gastspiel des FC Bayern München kostete damals 15.000 D-Mark
Das Rätsel, was der ASV Haselmühl letztendlich für das Gastspiel an die Bayern überweisen musste, konnte Augustin tatsächlich auch lösen. Deswegen, weil sein Vater der Vereinskassier war. 15.000 D-Mark habe man ausgehandelt, erinnert sich Augustin. „Mein Vater konnte aber nach Vertragsunterzeichnung tagelang nicht schlafen, weil er Angst hatte, der Verein würde sich verschulden“, sagt er. Doch wenige Tage nach Beginn des Vorverkaufs war das Geld schon wieder eingenommen, das Interesse am Spiel der Bayern war riesengroß.
Als dann vor dem Spiel Robert Schwan, damals Finanzvorstand beim FC Bayern, später Manager von Franz Beckenbauer, die vielen Zuschauer sah, forderte er einen Nachschlag. Vater Augustin versteckte vorsichtshalber noch schnell einen Teil der Bargeld-Einnahmen in seinem Haus. Am Ende blieb es bei der Zahlung von 15.000 D-Mark, die Einnahmen des ASV betrugen 32.000 D-Mark.
15 Tore schossen die Gäste – allein sieben der „Bomber der Nation“
Dass das Spiel letztlich 15:0 für den FC Bayern ausgegangen ist, interessierte auch an diesem Filmabend wenig. „Durchschnittlich hat es im ASV-Kasten alle sechs Minuten geklingelt“, hat Roggenhofer ausgerechnet. Torwart Sepp Maier ließ sich in der zweiten Halbzeit als Feldspieler einwechseln, weil er unbedingt auch ein Tor schießen wollte. Es gelang ihm aber nicht. Dafür traf Bomber Gerd Müller sieben Mal.

