Von Konzerten bis zum DFB-Stützpunkt: Neue Ideen für das Sepp-Simon-Stadion gesammelt

Von Philipp Breu · 25. Februar 2024 um 05:00

Am altehrwürdigen Sepp-Simon-Stadion in Schwandorf nagt der Zahn der Zeit. Große Sportveranstaltungen finden hier kaum mehr statt, auch bei der aktuellen Auslastung ist Luft nach oben. Bei einer Zukunftswerkstatt in der Oberpfalzhalle wurden nun Ideen gesammelt, wie man die Sportstätte wieder beleben könnte.

Auf Einladung des Stadtverbands für Sport versammelten sich kürzlich zahlreiche Vertreter von Vereinen, Verbänden, Schulen, Jugend, Verwaltung und Politik. Unter ihnen waren unter anderem Schwandorfs Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU), Jochen Schweitzer, Vizepräsident des Bayerischen Leichtathletik-Verbands (BLV), sowie Barbara Hernes, Bezirksvorsitzende im Bayerischen Landessportverband, der Bezirksvorsitzende des Bayerischen Fußballverbands (BFV), Thomas Graml, oder der langjährige BLV-Vorsitzende Hartmut Schweitzer. Letzterer dürfte vielen Schwandorfern nicht nur als Sportler, sondern auch als Gymnasiallehrer für die Fächer Chemie und Sport bekannt sein.

Geleitet und moderiert wurde die Zukunftswerkstatt von Julia Thurn, Geschäftsführerin des Instituts für Kooperative Planung und Sportentwicklung mit Sitz in Stuttgart. Sie sollte dabei helfen, dass mögliche anstehende Sanierungen am Stadion zielgerichtet erfolgen und sich am künftigen Bedarf orientierten.

Sepp-Simon-Stadion: Gute Lage, schlechter Zustand

Es galt also zunächst, grundsätzliche Fragen zu klären: Soll das Sepp-Simon-Stadion ein Leichtathletikstadion für den Vereins- und Schulsport bleiben, sich zu einem öffentlichen Sport- und Freizeitzentrum weiterentwickeln oder Standort für einen in Schwandorf fehlenden Kunstrasenplatz werden?

Den ganzen Abend über waren auch die Teilnehmer selbst gefordert. In Kleingruppen sollten sie beispielsweise herausarbeiten, welche Stärken und Schwächen die bestehende Sportstätte hat. Viele Parkplätze, die schöne Lage, die gute Infrastruktur oder die überdachte Tribüne standen unter anderem auf der positiven Seite. Kritik gab es beispielsweise an der maroden Tartanbahn, dem schlechten Zustand des Rasens, der hohen Nutzungsgebühren, der mangelnden Barrierefreiheit oder den fehlenden Möglichkeiten, Individualsport auszuüben.

Julia Thurn stellte anschließend einige Sportanlagen in anderen Städten und Ländern vor. Diese sollten als Anregung für die folgende Diskussion dienen. Wieder teilten sich die Teilnehmer in Kleingruppen auf, um erste Konzepte zu entwerfen. Bei der anschließenden Präsentation kristallisierte sich schnell vor allem eines heraus: Das Sepp-Simon-Stadion soll zwar saniert, aber im Kern als Leichtathletik-Stadion erhalten bleiben.

Von Freilufthalle bis Finnenbahn

Ob der Fußball auch weiterhin Einzug erhalten soll, daran schieden sich die Geister. Ein digitales Belegungsmanagement könnte mehr Struktur in die Nutzung bringen, und die Tartanbahn soll einen neuen Belag bekommen. Der Zugang zum Stadion soll barrierefrei gestaltet werden, ebenso die Sanitäranlagen.

Die Integration einer sogenannten Freilufthalle, in der verschiedene Sportarten zwar an der frischen Luft aber dennoch geschützt vom Regen ausgeübt werden könnten, stieß ebenso auf große Zustimmung, wie die Errichtung einer zentralen und sicheren Unterbringungsmöglichkeit für verschiedene Sportgeräte, die beispielsweise durch einen Zahlencode ausgeliehen werden könnten. Auch gab es Vorschläge, dass der große Rasenplatz in der Mitte, ähnlich wie im Olympiastadion, ab und an abgedeckt und als Fläche für Konzerte oder andere Veranstaltungen genutzt werden könnte. Eine Gruppe schwärmte gar von einem DFB-Stützpunkt, sobald das Stadion auf Vordermann gebracht wurde.

Gruppenübergreifend waren sich die Teilnehmer indes einig, dass es einen Kunstrasenplatz geben sollte. Nach ihren Vorstellungen müsste dieser aber nicht direkt im Stadion entstehen, sondern könnte auch daran anschließen. Ohnehin spielte auch das Umfeld der Sportstätte bei den Überlegungen eine große Rolle. Der Tenor: Es sei viel Platz vorhanden, den man vor allem zur Schaffung von Freizeitsportmöglichkeiten nutzen könnte.

Klettern, Laufen, Radeln – All das soll am oder im Stadion möglich sein

Ein sogenannter Calesthenics-Park, bei dem die Sportler mit eigenem Körpergewicht trainieren können, wäre nach Ansicht der Teilnehmer beispielsweise leicht umzusetzen – und sei in der Anschaffung günstig. Auch ein Boulderwürfel zum Klettern wäre schnell aufgestellt. Die Errichtung einer Finnenbahn, die zum Crosslauftraining sowie für Jogger gedacht ist und auch von Radfahrern genutzt werden kann, könnte ebenfalls Freizeitsportler anziehen.

Ob und welche der Ideen später umgesetzt werden, steht aber noch in den Sternen. Wie Karin Frankerl, Vorsitzende des Stadtverbands für Sport, zum Abschluss nochmals betonte, sei die Zukunftswerkstatt für eine erste Ideensammlung ins Leben gerufen worden. Sie sei sehr erleichtert, dass sich bereits jetzt herauskristallisiert habe, dass das Sepp-Simon-Stadion in seinem Kern erhalten bleiben soll.

Was sich in Zukunft innerhalb und außerhalb der Sportstätte tun kann, hinge letztendlich auch von Entscheidungen der Stadtpolitik ab. Ein großer Faktor werde neben den Finanzen beispielsweise auch sein, ob das geplante Mittelschulzentrum wirklich auf der grünen Wiese neben dem Stadion gebaut wird.

Details zum Sepp-Simon-Stadion

Baujahr: 1986

Plätze: Rund 5000 Steh- und 1000 überdachte Sitzplätze

Name: Namensgeber ist Sepp Simon (1910-1968). Er war ehemaliger Leichtathlet, langjähriger Sportfunktionär, Mitbegründer und erster Vorsitzender des Stadtverbands für Sport in Schwandorf.

Vor der Veranstaltung in der Oberpfalzhalle machten sich einige Teilnehmer ein Bild vor Ort. Fotos: Breu
Julia Thurn vom Institut für Kooperative Planung und Sportentwicklung bezog die Teilnehmer mit ein und brachte Kärtchen mit. Auf diese sollten die Anwesenden schreiben, was an der bestehenden Sportanlage positiv hervorzuheben ist, und wo es hakt.
In Kleingruppen fanden sich die Teilnehmer zusammen, um an Konzepten zu tüfteln: Hier diskutierten Jürgen Gantschir (TSV 1880 Schwandorf), Barbara Hernes (BLSV), Thomas Graml (BFV) sowie Jochen und Thomas Schweitzer vom BLV (v. l.).