„Mittagstisch mit Herz“: Gäste genießen das Essen in der Gesellschaft im Klostersaal

Von Heidi Bauer · 21. Februar 2024 um 19:00

Es duftet verführerisch nach Chili con Carne. Immer der Nase nach strömt kurz vor Mittag eine Vielzahl von Menschen in den Klostersaal des evangelischen Zentrums: zum Mittagstisch mit Herz – wie jeden Mittwoch seit Ende November. Im Gespräch erzählen sie, warum dieses Angebot für sie so wichtig geworden ist.

Schon kurz nach zwölf Uhr sind fast alle Tische und Stühle im Klostersaal belegt. Die Gäste unterhalten sich angeregt und genießen sichtlich das Essen in Gesellschaft: Das sind für den Großteil die Gründe, warum sie hierher kommen – nicht allein der günstige Preis, sagen sie. Denn das Angebot von Evangelischem Dekanat und Diakonie NAH ist nicht nur für Menschen mit schmalem Geldbeutel da.

Der Mittagstisch mit Herz sei ein voller Erfolg, sagt Elke Kaufmann, Vorstand und Geschäftsführerin der Diakonie NAH, „und so wie Dekanin Christine Murner und ich uns das gewünscht haben. Ich bin berührt davon, was für eine wunderschöne Gemeinschaft mit dem Mittagstisch entstanden ist und welche Vielfalt an Menschen sich hier trifft.“ Besonders schätze sie, dass die Gäste international seien, so Kaufmann.

Vom „Luxus“, nicht kochen zu müssen

„Ich bin froh, wenn ich einmal in der Woche nicht kochen muss“, lässt Hildegard Schneider aus Neumarkt wissen. Ähnlich geht es Ludwig Haubner aus Neumarkt: „Es schmeckt viel besser, als wenn ich selbst koche, und ich bin nicht alleine.“ Eine Rentnerin aus Pölling kommt immer mit dem Bus, „weil ich hier viele Bekannte treffe und es schmeckt ausgezeichnet.“

„Es ist ein Luxus, wenn ich nicht überlegen muss, was ich kochen soll“, findet Gisela Kraicher. Die Gesellschaft und die Qualität des Essens nennt auch Gisela Stadelmann als Beweggründe. Erna und Harry Frank aus Neumarkt sind zum ersten Mal hier, weil Bekannte sie eingeladen haben, „aber das nächste Mal kommen wir wieder“, lassen sie wissen. „Es ist interessant und daheim fehlt uns oft die Unterhaltung mit anderen Menschen.“

Gäste aus verschiedenen Ländern

„Ich bin vor allem hier, um mit Menschen zu diskutieren“, sagt Vitali Frieden. Neben ihm sitzt Liubov Polozhii, die erst vor kurzem aus der Ukraine nach Neumarkt kam und dankbar ist „für das köstliche Essen“. Shaghayegh und Pezhmann aus dem Iran kommen jede Woche in den Klostersaal, um hier Menschen aus Neumarkt kennenzulernen und zu treffen.

„70 Essen hatten wir heute“, bilanziert Gerlinde Pabst, die am Eingang die Bons einsammelt. Die Nachfrage sei von Woche zu Woche gestiegen. Hochgerechnet seien seit November etwa 700 Portionen serviert worden, rechnet Elke Kaufmann. Sie unterstreicht, das hätten nur die vielen Helfer möglich gemacht, die bei Vorbereitung, Aufbau und Ausgabe des Essens unterstützen.

„Weil es schön ist, Leuten zu helfen “

„Das gibt einem so viel“, findet Krista Mühlbauer, die eine Portion Chili nach der anderen in die Teller schöpft. Heike De Groote, die an der Kuchentheke steht, freut sich darüber, „zu sehen, wie die Leute sich freuen“. Aus dem selben Grund helfen Claudia und Gerald Weth. Auch die Schüler der achten Jahrgangsstufe der Mittelschule An der Weinbergerstraße packen jeden Mittwoch mit an, „weil es schön ist, Leuten zu helfen“, finden Benjamin und Valentin, die an diesem Mittwoch Spüldienst haben.

„Die Dankbarkeit trägt uns“, meint Judith Hierl. Der Mittagstisch trage dazu bei, dass sich Leute unterhalten, die sonst vielleicht nie miteinander ins Gespräch kämen. Mühlbauer ergänzt, so bekämen finanziell besser gestellte Menschen mehr Verständnis für die Sorgen weniger wohlhabender.

Günstiges Angebot für bedürftige Menschen

Insbesondere für letztere solle der Mittagstisch ein günstiges Angebot sein, erläutert Bernhard Hammerbacher, Vertrauensmann des Kirchenvorstands und Präsident des Lions-Clubs. Dank der Unterstützung des Lions Clubs konnte der Preis dafür bei vier Euro und für Kunden des Leb-mit-Ladens (Tafel) bei einem Euro bleiben.

Die Normalzahler machten inzwischen etwa zwei Drittel der Gäste aus, stellen Hammerbacher und Kaufmann fest. Wegen der großen Nachfrage gibt es den Mittagstisch nun bis Ende März.

Organisatoren bitten um Spenden und Anmeldung

Wenngleich sich viele Unternehmen mit Lebensmittelspenden beteiligen, sei das Projekt auf finanzielle Unterstützung angewiesen, betont Kaufmann. Wer helfen möchte, spendet unter dem Stichwort „Mittagstisch mit Herz“ auf das Konto DE71 7605 2080 0000 0002 40 bei der Sparkasse Neumarkt.

Eine dringende Bitte hat Kaufmann an alle Gäste: Wer zum Mittagstisch kommen möchte, muss sich im Vorfeld im evangelischen Pfarramt oder im Leb-Mit-Laden anmelden, damit das Team besser planen kann.