Unterwasser-Fotos des Steinbergers Manuel Gruber haben im Netz viele Fans

Von Philipp Breu · 19. Februar 2024 um 05:00

Wann immer es geht, taucht Manuel Gruber (42) ab. Die Welt unter Wasser scheint den Steinberger (Landkreis Schwandorf) magisch anzuziehen. Egal ob Murner-, Brückel- oder Klausensee: Er weiß, welche Geheimnisse sich in deren Tiefen verbergen. Sein treuer Begleiter ist dabei immer eine Spezialkamera. Mit dieser schießt er spektakuläre Fotos, die im Netz eine große Fangemeinde haben.

In der Garage brummt ein Kompressor vor sich hin. Längst füllt Manuel Gruber, der sein Geld als Schweißer im Maschinen- und Fahrzeugbau verdient, seine Sauerstoffflaschen selbst. 2009 hat er sich dafür einen 100-Liter-Kompressor gekauft und zwischenzeitlich auch mal eine kleine Füllstation betrieben. „Es gibt in der Gegend kaum Alternativen. Und wenn, dann sind diese nicht rund um die Uhr verfügbar“, erklärt Gruber.

Und er müsse schließlich immer die Möglichkeit haben, seine Flaschen zu füllen. Denn der 42-Jährige geht fast täglich tauchen – egal ob das Wasser an der Oberfläche 26 Grad hat oder kurz vor dem Zufrieren ist. 2007 hat Gruber mit seinem Hobby so richtig angefangen. „Davor war ich eigentlich immer nur schnorcheln“, erinnert er sich.

Kurz davor, aufzugeben

Die bunte Unterwasserwelt habe ihn schon immer fasziniert. Und schnell sei der Entschluss gereift, diese auch für die Ewigkeit festzuhalten. 2009 kaufte sich der Steinberger die erste Kamera samt Unterwassergehäuse. Gebraucht habe diese damals rund 500 Euro gekostet. „Da habe ich dann mit dem Knipsen angefangen und wollte schnell mehr“, sagt Gruber. Er schaffte sich eine bessere Kamera an – eine Sealife, die sei damals das „Non-Plus-Ultra“ gewesen. „2020 ist sie mir dann bei einem Tauchgang abgesoffen, weil das Gehäuse undicht war.“

Lesen Sie dazu auch: Apnoetauchen: So tief kann man sinken

Da sei er kurz davor gewesen, hinzuschmeißen. Doch ein Tauchkollege aus Regensburg habe ihn vom Gegenteil überzeugt. Gruber steckte nochmals Geld in neues Equipment, kaufte ein weiteres Gehäuse, Blitze und auch eine Lizenz für ein teures Bildbearbeitungsprogramm. „Dann ging es in die professionelle Schiene.“

Manuel Gruber will das Leben in den Seen dokumentieren

Geld mit seinen Fotos verdient Gruber nicht. Er lädt sie in den Sozialen Netzwerken hoch. Auch eine eigene Internetseite hat er mal betrieben, doch das sei ihm zu aufwendig gewesen. In Schwandorfer Facebook-Gruppen erfreuen sich regelmäßig zahlreiche Nutzer an seinen Schnappschüssen. Unter dem Namen „neptun_uwfotografie“ postet er seine Fotos auch regelmäßig auf Instagram.

„Ich möchte den Leuten im Umkreis zeigen, was es mit den Seen auf sich hat“, erklärt Gruber. Er wolle also nicht nur schöne Fotos präsentieren, sondern auch dokumentieren, wie viel Leben sich in ihnen befindet. Viele der Seen, in denen er taucht, stammten aus der Zeit des Braunkohle-Tagebaus. Zeitzeugen würden diese immer wieder als „tote Löcher“ bezeichnen, so Gruber. „Doch man glaubt gar nicht, wie viel Vegetation und auch wie viele Lebewesen es hier mittlerweile wieder gibt.“

Der Taucher erzählt von vielen spektakulären Begegnungen. Im Steinberger See sei ihm beispielsweise bei einem Nachttauchgang ein zweieinhalb Meter langer Wels an der Linse vorbeigeschwommen. Im Murner See treffe er immer wieder auf einheimische und nordamerikanische Krebse. Im Klausensee habe er vor einigen Jahren zahlreiche Wels-Eier entdeckt und fotografiert. Eines der Bilder sei auf der Titelseite eines renommierten Angelmagazins abgedruckt worden.

Ein Christbaum am Grund von Oberpfälzer Seen

Aber auch auch allerlei interessante, nicht-tierische Schätze schlummern in den Gewässern des Oberpfälzer Seenlands: Versunkene Bäume und teilweise sogar kleine Wälder gebe es ebenso zu entdecken, wie zurückgelassene Relikte aus der Zeit des Bergbaus. Und auch einige Taucher hätten ihre Mitbringsel am Grund versenkt: Spielzeuge, kleine Statuen und Figuren, sogar einen geschmückten Weihnachtsbaum, der durch eine spezielle Konstruktion eines Elektrotechnikers unter Wasser leuchtet.

Manuel Gruber hat die Motive alle schon fotografiert und er wisse auch ganz genau, wo diese versteckt sind. Bis zu zwei Stunden am Stück taucht er und bringt dabei bis zu 300 Bilder mit an Land. „Die meisten sind aber Schrott“, sagt der Fotograf unverblümt. Unter Wasser zu knipsen sei aber auch deutlich schwieriger als an Land. Vor allem die Lichtverhältnisse wechselten ständig. Der Einfallswinkel der Sonne müsse deshalb ebenso im Auge behalten werden, wie die Wasseroberfläche. Auch die Sicht sei ein Thema für sich. Mal sei das Wasser klar, mal sehe man keine drei Meter weit.

Von den 300 Fotos blieben etwa 50 bis 60 über. Diese sortiert der Steinberger weiter aus, bis es letztendlich nur noch etwa zehn bis 20 sind. Dann geht es ans Bearbeiten. Die persönlichen Favoriten werden schließlich ins Netz gejagt.

Der Traum vom Great Barrier Reef

Das ungewöhnliche Hobby ist für den 42-Jährigen längst zu einem unverzichtbaren Teil seines Alltags geworden. Damit einmal aufzuhören, könne er sich momentan überhaupt nicht vorstellen – auch wenn der Rücken berufsbedingt schmerzt und obwohl er jedes Jahr eine Tauglichkeitsprüfung über sich ergehen lassen müsse, die nicht billig sei und die auch kaum mehr ein Arzt im näheren Umkreis anbiete.

Gruber träumt davon, eines Tages noch das Great Barrier Reef in Australien erkunden zu können, aber auch das Höhlentauchen stünde auf seiner Bucketlist. „Vielleicht werde ich auch irgendwann einmal der älteste Unterwasserfotograf der Welt“, sagt er und grinst.

Um dieses Ziel zu erreichen, müsste er allerdings den Österreicher Hans Hass (94) überleben. Und der sei laut Gruber noch bis kurz vor seinem Tod mit Sauerstoffflasche und Kamera ins Wasser gestiegen.

Auch im Ausland ist Manuel Gruber auf Tauchgang. In Kroatien hat er diese Kompass-Qualle fotografiert.
Auf die sogenannten Marmorkrebse stößt der Steinberger immer wieder im Murner See.
Welse schwimmen ihm regelmäßig vor die Linse.