Staatssekretär lernt in Burglengenfeld, Blumen zu binden – Valentinstag im Zeichen der Politik

Selbst der Valentinstag beschäftigt Bayerns Wirtschaft-Staatssekretär. Am Sonntag besuchte Tobias Gotthardt (Freie Wähler) die Gärtnerei Fischer in Burglengenfeld. Er lernte, wie man einen richtigen Blumenstrauß bindet. Und hatte ein offenes Ohr für die Probleme des Handwerks.
Man trifft sich gleich im Laden, dann geht es nach einem kurzen Plausch auch schon zur Sache. Inhaber Bernd Fischer und seine Frau Ines begleiten den prominenten Gast durch den Verkaufsraum, um Blumen auszusuchen. Rosen sind natürlich Pflicht, soviel ist klar. Außerdem wählt Gotthardt noch weiße Iris, Schleierkraut, Asparagus, Eukalyptus und Johanniskraut aus. Das ergibt eine bunte Mischung aus Rot, Weiß und Grün.
Zuhause sind für den Politiker Blumen kein Fremdwort. In seinem eigenen Garten hat Gotthardt viel Lavendel und Schmetterlingsflieder, erzählt er. Jetzt im Frühjahr pflanzt er vor allem Krokusse. Doch in der Gärtnerei kann er beim Anrichten des Straußes noch einiges dazulernen. Ines Fischer erklärt dem Staatssekretär, wie er die Blumen zusammenstellen muss. In einer Spirale um die Rose in der Mitte werden die anderen Blumen angerichtet.
Tobias Gotthardt hört sich die Anliegen der Floristen vor Ort an
Während des Blumenbindens ist auch Gelegenheit für ein bisschen Politik. Bernd Fischer hat einiges auf dem Herzen, zum Beispiel die Öffnungszeiten von Gärtnereien am Muttertag. Dieser fällt immer auf den zweiten Sonntag im Mai. Doch die Öffnungszeiten an diesem umsatzstarken Tag sind für die Floristen nicht gesetzlich, sondern durch eine Sonderregelung festgelegt. „Jedes Jahr müssen die Fachverbände einen Brief ans Wirtschaftsministerium schicken und um drei Stunden Öffnungszeit am Muttertag bitten“, sagt der Inhaber. Er wünscht sich eine konkrete Verankerung im Gesetz, die den Gärtnereien diesen Aufwand erspart.
Auch den allgemeinen Fachkräftemangel in der Branche beklagt der Florist. Vor allem die Ausbildungszahlen seien zu niedrig, sagt Bernd Fischer: „Es gibt momentan keinen Trend zum grünen Beruf“. Auf lange Sicht ist er jedoch vorsichtig optimistisch. „Ich glaube, den Tiefpunkt haben wir vor drei, vier Jahren überschritten. Mittlerweile gibt es mehr Nachfrage.“
Das ist wichtig, denn bei Anlässen wie dem Valentinstag sind viele helfende Hände gefragt. Rosen sind, wie Fischer erzählt, das ganze Jahr über die gefragteste Blume in der Gärtnerei. Am Tag der Liebe steigt die Nachfrage noch einmal deutlich. „Der Valentinstag wird in der ganzen Welt gleichzeitig gefeiert. Und alle wollen Rosen“, erklärt Ines Fischer.
Bis die Blumen in einem Strauß landen, muss das Team der Gärtnerei Fischer sie vorbereiten. „Die meiste Arbeit passiert vor dem Strauß“, sagt Ines Fischer. Maximal zwei Tage sind Blumen in die Gärtnerei nach Burglengenfeld unterwegs. Die Rosen kommen aus Holland und im fairen Handel aus China und Ecuador. Wenn sie in der Gärtnerei angeliefert werden, müssen sie erst einmal „geputzt werden“, wie die Gärtner sagen, also gewässert und beschnitten. „Unterhalb der Bindestelle darf nichts sein“, erläutert die Blumenhändlerin. An jeder einzelnen Rose müssen also alle Dornen und Blätter per Hand entfernt werden.
Unterdessen ist der Strauß in Gotthardts Hand zu einer stattlichen Größe angewachsen. Das ist durchaus anstrengend, wie der Staatssekretär überrascht feststellt. Um das Ganze herum kommt noch eine Manschette aus verschiedenen Blättern, dann wird alles mit einer Schnur zusammengebunden.
Vierzig Minuten Arbeit stecken in Gotthardts Strauß – der Profi hätte dafür nur zehn gebraucht
Zehn bis fünfzehn Minuten dauert es für einen Profi, so einen Strauß zu binden – der Staatssekretär braucht etwa vierzig Minuten. Nur der bekannte Schrägschnitt fehlt noch, damit die Blumen länger halten. Dann noch Papier um alles herumgewickelt, einen Sticker der Gärtnerei darauf und fertig ist der Blumenstrauß. Gotthardt will ihn seiner Lebensgefährtin Regina Faltermeier schenken. Seit vier Jahren sind die beiden ein Paar.
Und was unternimmt eigentlich der Staatssekretär am Valentinstag? Da ist Tobias Gotthardt nach eigenen Worten schon ausgebucht, denn dieses Jahr fällt der Tag der Liebe zusammen mit dem Aschermittwoch. Also kein romantisches Abendessen zu zweit. „Wir werden wahrscheinlich gemeinsam ganz romantisch in Deggendorf beim Politischen Aschermittwoch sein“, scherzt Gotthardt. Die Gärtnerei Fischer bereitet sich währenddessen auf den Kundenansturm am umsatzstärksten Tag des Jahres vor.

