Martin Bauer bringt endlich Studentenbuden nach Cham

Von Tanja Fenzl · 12. Februar 2024 um 05:00

Seit Jahren ist der Chamer Campus am Wachsen. Doch in Sachen Studentenbuden ist Cham immer noch Diaspora. Ein Bauingenieur aus dem Nachbarlandkreis will jetzt Wohnungen für Hochschüler bauen.

Weit über 500 Studenten aus rund 30 Nationen studieren inzwischen in der Badstraße und in den ausgelagerten Räumen am Chamer Schulberg. Doch wohin mit den vielen jungen Leuten? Wohnraum ist knapp, gerade Einzimmerwohnungen sind fast nicht auf dem Markt zu finden. Die Wohnbörse auf der Webseite der TH Deggendorf, zu der der Chamer Campus gehört, gibt im Bereich Cham nichts her. Auch beim Studentenwerk Niederbayern/Oberpfalz sind keine verfügbaren Wohnungen in und um Cham gelistet.

Zehn Studenten sollen 2025 einziehen

Martin Bauer aus Konzell will hier Abhilfe schaffen und Studentenwohnungen im größeren Stil bauen. Die ersten zehn, elf Studenten sollen Anfang, Mitte nächsten Jahres in die Fuhrmannstraße einziehen. Doch das soll erst der Anfang sein.

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Seit Monaten befindet sich Bauer bereits in Verhandlungen mit Chamer Immobilien- und Grundstücksbesitzern. Ein Objekt in der Innenstadt, das abgerissen und neu aufgebaut werden müsste, und mehrere Grundstücke in Campusnähe hat er besonders im Blick. „Die Verkäufer und ich müssen uns nur noch einigen“, zwinkert Bauer, den Bürgermeister Martin Stoiber selbst nach Cham gebracht hat. Denn Bauer hat in Straubing geschafft, was in Cham fehlt: Ausreichend Wohnraum für junge Studenten aus aller Herren Länder.

Erfahrungen aus Straubing

Vor zwei Jahren hat Bauer ein Wohnheim mit knapp 150 Studentenwohnungen fertiggestellt. Derzeit baut er an weiteren 40 in der Gäubodenstadt, direkt in Campusnähe. „Ich brenne für das Thema, das interessiert mich einfach auch. Es ist spannend, so viele verschiedene Nationalitäten unter einen Hut zu bringen“, erzählt er. In Straubing sind Studenten aus 40 Nationen eingeschrieben, in Cham kommen die Studierenden aus 30 Ländern.

Doch in Cham müssen die Studenten auf der Suche nach Wohnraum den normalen Wohnungsmarkt durchstöbern. In Brunnendorf, wo Viktoria Dankerl ersten Überlegungen zufolge ebenfalls Studentenwohnungen schaffen möchte, ist mit einem Baustart der umfangreichen Renovierung in den nächsten Zeit noch nicht zu rechnen. In Gutmaning sind zwei Wohnungen als WG ausgeschrieben. Und das war es dann im großen und ganzen auch schon in Sachen Studenten-Wohnraum.

Auch Bürgermeister Stoiber sieht Bedarf

Dabei soll der Chamer Campus weiter wachsen, weitere grundständige Studiengänge sind in Planung, in den nächsten Jahren werden noch einmal ein paar hundert Studenten mehr erwartet. „Die Entwicklung der Anzahl der Studenten ist sehr positiv. Die Prognosen und Rückmeldungen der Campus-Verantwortlichen gehen von einem steigenden Bedarf aus. “, sagt auch Bürgermeister Martin Stoiber. Es werde von Studenten berichtet, die wegen fehlender Wohnungen außerhalb von Cham oder dem Landkreis eine Wohnung belegen. „Meiner Meinung nach ist das Angebot am örtlichen Wohnungsmarkt zur Zeit begrenzt“, bedauert der Bürgermeister. Auf der anderen Seite könnten die Kommunen den Wohnungsbau nicht alleine schultern, bei der Vielzahl anderer Aufgaben. „Es gibt in vielen Städten sehr gute Beispiele mit privaten Investoren.“ Cham selbst plane nicht, Studentenwohnungen selbst zu bauen.

„Cham braucht Studentenwohnungen. Die Räume in der Fuhrmannstraße sind nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“, betont Martin Bauer, der die Studentenbuden entweder an Investoren verkauft oder sie selbst verwaltet.

Wohn-Tutorials für Studenten

In jedem Fall müssen sich die Eigentümer mit keinem einzigen Aspekt rund um die Vermietung der Wohnungen befassen; eine befreundete Hausverwaltung kümmert sich um die Abwicklung der Vermietung und Folgevermietung. „Das ist in der Grundgebühr quasi enthalten.“

Dafür bekommen die künftigen Bewohner mit der Begrüßungsmail auch gleich ein paar Video-Tutorials mitgeschickt, wie das Leben in einer deutschen Wohnung funktioniert. „Man glaubt es erst nicht, aber was wir da schon erlebt haben“, lacht Bauer und nennt ein paar Beispiele. „Ein chinesischer Student hat auf einem Einweggrill am Boden mitten im Zimmer Fisch gebraten und sich gewundert, warum der Rauchmelder anging. Andere haben Konservendosen im Ganzen auf den Herd gestellt, ohne den Inhalt erst in einen Topf umzufüllen. Und viele wissen erst einmal nicht, wozu die Bürste neben der Toilette da ist.“ Viel Raum für Missverständnisse also, die Bauer von Anfang an aufklären will. Die Einzimmerappartements kommen mit Möbeln daher, das Bad ist eingebaut. Die Wände sind betoniert, um etwaige Schäden von vornherein zu vermeiden.

Zwei Jahre Bauzeit für Großprojekte

Die ersten Chamer Wohnungen sollen in einem Jahr bezugsfertig sein. Möglichst schnell will Bauer außerdem mit einem größeren Bauprojekt beginnen – „man muss ja auch zwei Jahre Bauzeit einplanen, wenn man in Richtung Studentenwohnheim plant“, sagt er. Er hofft, mit seinen Verhandlungspartnern bis in wenigen Wochen zu einem Abschluss zu kommen.

Blick von oben auf das Dietl-Haus (Mitte): im Hintergrund die blaue Brücke; in der Nähe ist der fußläufig erreichbare Campus. Foto: Bauer Architektur und Wohnungsbau
Ein Freisitz bietet eine tolle Aussicht über die Chamer Innenstadt und hinein ins Regental bis hin zum Campus. Martin Bauer will schnellstmöglich mit dem Umbau beginnen. Foto: Fenzl