Blumen, Hippies, Schlaghosen: Eine neue Stadtführung beschwört das Lebensgefühl der 70er

Ab März führen Ulrike Holzapfel und Agnes Englert durch ein Abensberg, das geprägt ist von der Ölkrise und wilden Nächten.
Flower Power, Batikhemden, Fototapeten: Ulrike Holzapfel erinnert sich noch gut an die „wilden“ 1970er Jahre. Was als Mythos auch Jahrzehnte danach Bestand hat, hat sie selbst als Jugendliche miterlebt. In ihrer neuen Führung „Abensberg in den kultigen 70ern“ können jetzt auch andere mit ihr auf Zeitreise in das Abensberg der 1970er-Jahre gehen.
Führung ist Herzensprojekt
Für Holzapfel ist die Führung auch ein Herzensprojekt. Ihr Buch „Abensberg in den 60er und 70er Jahren“ zeigt in vielen Bildern, wie es rund um den Stadtplatz damals aussah, aber die Führung geht viel weiter. „Die Führung ist ja wesentlich kultiger, da kann ich viel mehr erzählen als im Buch.“ Persönlichkeiten und Begebenheiten in der Stadt kommen auch in der Führung vor. Holzapfel wird zusammen mit Agnes Englert zurückblicken auf so manches Geschäft in Abensberg, auf so manche „Institution“. Und die eine oder andere Anekdote gibt es auch dazu. Weil sie aber auch für Jene, die nicht aus Abensberg sind, interessant sein soll, wird das Ganze mit bayerischer und deutscher Geschichte bereichert. „Sehr, sehr viel“ Arbeit und wahrscheinlich noch mehr Herzblut steckt in der neuen Führung. Eine erste Fassung orientierte sich am Buch. Beatrice Wichmann vom Stadtmuseum steuerte dann ein Konzept bei, lieferte Ideen, welche geschichtlich wichtigen Ereignisse in den 1970er-Jahren mit einfließen könnten.
„Wir haben auch selbst noch einmal nachrecherchiert“, sagt Holzapfel. „Ganze Tage“ hätten sie und Englert im Internet verbracht, um Fakten, aber vor allem auch das Lebensgefühl jener Zeit einzufangen. In einem letzten Feinschliff sind die beiden ambitionierten Stadtführerinnen dann noch einmal einzelne Stationen, die sie in der Führung ansteuern, durchgegangen.
Abensberg in den 1970ern war eine andere Stadt wie heute. Rund um den Stadtplatz gab es viele Geschäfte, ein guter Anlass, um mit alten Werbeslogans oder Klassiker wie die Prilblume das Konsumverhalten jener Zeit Revue passieren zu lassen. Der Urlaub nach Italien wurde Mode und wer nicht verreisen konnte, stillte sein Fernweh mit Fototapeten im Wohnzimmer. Es war die Zeit der Hippies, der Blumen im Haar, „Make love, not war“ hieß die Devise: Schlaghosen und Batikhemden hingen in vielen Schaufenstern, das Nickituch oder ein buntes Stirnband waren unverzichtbares Accessoires, wie sich Holzapfel noch gut erinnert. „Einiges habe ich noch bei mir im privaten Fundus.“ Logisch, dass sie und Englert sich auch modisch an die Zeit anpassen, „aber wir werden uns nicht verkleiden, sondern wollen uns authentisch anziehen“, sagt Holzapfel.
Die 1970er waren aber auch eine Zeit, in der es politisch hoch her ging, in der der damalige bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauss mit so manch markigem Spruch auffiel, in der die Ölkrise 1973 die Gesellschaft in Atem hielt – oder auch so mancher Streik. „Beim Druckerstreik Mitte der 1970er gab es keine Tageszeit und keine Illustrierte.“
Viel gefeiert
Gefeiert wurde aber, vielleicht gerade deshalb, viel und ausgiebig: „Der Fasching in den 1970ern in Abensberg, der war der Hammer“, erinnert sich Holzapfel. Als 1972 die erste Disco in Abensberg aufmachte, war das natürlich etwas ganz Besonderes.
Aber auch die Gesundheit rückte in den Fokus: Trimm-dich-Pfade hatten Hochkonjunktur.
Flower Power als Stadtführung:
Start: Am 22. März um 18.30 Uhr ist Premiere von „Abensberg in den kultigen 70ern“. Treffpunkt ist am Stadtplatz. Die Führung ist dann jeden letzten Freitag im Monat und auch für Gruppen buchbar.
Inhalt: Die Freundinnen Susi und Uschi führen durch ihr Abensberg der 70er Jahre. In kurzweiligen Geschichten erzählen sie von Flower-Power, Prilblumen, Plateaustiefeln und Schlaghosen und lassen den Zeitgeist auferleben.