Stadt Roding bei den Regionalwerken: Sieben Jahre zahlen – für was?

Von Christoph Klöckner · 6. Februar 2024 um 11:00

Passt es hier oder nicht? Im Herbst 2022 war der Stadtrat unterwegs, um sich Standorte für PV-Freiflächenanlagen von Investoren anzuschauen und festzulegen, ob es hier passen könne oder nicht. Passiert sei seitdem nichts – nur noch eine Anlage sei in Planung, so Bürgermeisterin Riedl. Foto: ck

Die Regionalwerke Cham haben sich 2023 formiert. Das langfristige und noch weit entfernte Ziel: Regionale, erschwingliche Energie erzeugen für die Wirtschaft im Landkreis Cham. Mit im Boot sind mittlerweile fast alle Kommunen – und die machen zunächst eines: zahlen. Auch die Stadt Roding, die hier per Stadtratsbeschluss mitrudert. Doch lohnt das, in Visionen zu investieren, wo die Stadtkasse doch sowieso leer ist?

Für Bürgermeisterin Alexandra Riedl ist die Frage offen, ob das Ziel je erreicht werden kann. Das sagt sie im Gespräch – möglich sei es, aber vielleicht auch nicht. Doch wenn es möglich sei, auf regionaler Ebene Strom zu erzeugen, um der hiesigen Wirtschaft günstig Energie zur Verfügung zu stellen, dann müsse Roding dabei sein. Solch eine Chance vorbeiziehen zu lassen, dafür habe die Stadt zu viel Unternehmen, die Strom brauchen würden – und das eher mehr als weniger.

Kein Aus für Investoren

Für sie bedeutet es jedoch nicht, dass keinerlei private Investoren im Stadtgebiet zum Zuge kommen – ob aus Roding selbst oder von außerhalb des Stadt- und Landkreisgebiets. Der Initiator der Regionalwerke-Idee, Landrat Franz Löffler, hat durchaus die Vorstellung, dass Windkraft und PV-Freiflächenanlagen nur so gebaut werden, dass die Regionalwerke und die Kommunen die Mehrheit innehaben.

Damit will er verhindern, dass regional erzeugter Strom nicht vor Ort, sondern dort verkauft wird, wo er am meisten bringt – etwa in Ballungsräumen, wie er bei der Neugründung der genossenschaftlich aufgestellten Regionalwerke betonte. Durch diese Vision der eigenen Stromerzeugung inklusive Verkauf vor Ort werde der Wirtschaftsstandort gesichert – denn Energie günstig zu liefern, sei der Standortfaktor der Zukunft.

Um die Regionalwerke ans Laufen zu bringen, etwa um Detailplanungen zu Energieprojekten baufertig zu machen, muss zunächst der Apparat aufgebaut werden. Und das kostet Geld, dass der Landkreis und die Kommunen nun aufbringen sollen. Pro Einwohner kostet die Mitgliedschaft drei Euro – für Rodung also gut 33000 Euro. Dieser Betrag wird dazu noch sechs Jahre in Folge fällig – insgesamt muss die Stadt also über 230000 Euro für die Regionalwerke aufbringen. Nur, um dabei zu sein.

Für eine Kommune wie Roding, deren Kasse leer, doch deren Hausaufgabenbuch dagegen voll ist, ist das ein nicht einfaches Unterfangen. Zumal es mit den 230000 Euro nicht getan ist. Denn haben sie eine Fläche im Stadtgebiet, die gut als Freifläche für Photovoltaik dienen kann, wird diese von den Regionalwerken überplant werden. Die fertigen Baupläne soll dann die Stadt Roding wiederum kaufen, um sie in einer eigenen GmbH mit den Regionalwerken gemeinsam zu verwirklichen. Dritte können da mitmachen, doch sollen sie höchstens 49 Prozent der Anlage besitzen dürfen. Das heißt, die Kommunen sollen die Anlagen bauen, deren Kosten sowohl bei PV wie Windkraft in die Millionen gehen.

Daher ist für Bürgermeisterin Riedl die Chance, dass die Stadt Roding einmal einen Windpark baut oder eine hektargroße PV-Anlage verwirklicht, aus ihrer Sicht mehr als gering. „Die Projekte selbst sind für uns eher zweitrangig!“, sagt sie auf Nachfrage. Es sei auch nicht klar, ob es aus Sicht der Regionalwerke Flächen im Stadtgebiet gebe, die interessant für eine Entwicklung seien. Jedoch sei eines klar, so Riedl: Strom werde gebraucht – und zwar mehr als heute. „Wir sind gut dabei“, meint sie den Energieverbrauch der in der Stadt ansässigen Firmen, der zunehmen wird – auch weil neue Unternehmen dazu kommen oder hiesige ausbauen.

Das bedeute im Umkehrschluss: „Der Strom reicht in Zukunft nicht.“ Daher wolle man den Weg über die Regionalwerke nutzen, um der Wirtschaft die Energie zur Verfügung zu stellen. Sicher gebe es keine Garantie, dass der Weg funktionieren werde, doch wolle man dabei sein, um gemeinsam den Versuch zu wagen.

Sie sieht keine zwingende Bindung an die Regionalwerke – es gebe durchaus Interessenten aus dem Stadtgebiet und von außerhalb, die hier vor allem in PV-Freiflächenanalgen investieren wollen. „Die Stadt hat jedoch die Planungshoheit“, so Riedl. Das bedeute, dass eine Anlage aus Sicht der Stadt dort, wo sie geplant werde, auch funktionieren müsse – vom Umfeld her genauso, wie etwa vom Anschluss. „Dabei geht es auch um den Punkt, was sagen die Nachbarn.“

„Es geht nichts vorwärts!“

Es sei jedoch nicht so, wie sie schon einmal von Investorenseite höre, dass die Stadt alles verhindern wolle. Man habe sich als Stadt immer bemüht, hier Wege zu finden – auch, weil etwa passieren müsse, um die Energiewende zu schaffen. So sei man als Stadtrat durch die Gegend getourt, um sich mögliche Standorte anzuschauen – und habe durchaus geeignete dabei gehabt und dies den möglichen Anlagenbauern auch mitgeteilt. „Aber es passiert nichts! Wir haben schon lange nichts mehr von den Interessenten gehört, ob es was wird oder nicht. Das stinkt uns dann schon“, so Alexandra Riedl.

Eine einzige laufe derzeit noch in den Planungen. Das Manko sei, dass die Stadt die erste Instanz sei, die über einen Standort befinden müsse. Da sei noch völlig unklar, ob sich der Standort etwa technisch oder wirtschaftlich eigne. Die Versorger würden Richtung Kommune und deren Aufstellungsbeschluss für Flächen verweisen, bevor sie planen und prüfen würden. „Wir sind da der Spielball“, meint die Bürgermeisterin. Das sei frustrierend, wenn nach viel Vorarbeit am Ende nichts passiere.

Regionale Energie

Standortfaktor: Die Vision für die Regionalwerke Cham, in der bis auf zwei Kommunen plus Landkreis zusammengeschlossen sind, steht: Mit dem Bau von PV- und Windkraftanlagen soll regional Energie erzeugt werden, der günstig an Bürger und Wirtschaft verkauft werden soll. Günstige Energie sei in Zukunft der Schlüsselfaktor, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein, so Landrat Franz Löffler. Die Regionalwerke sollen den liefern.