Online-Schulung: Ehrenamtliche Helfer für Menschen mit Alzheimer gesucht

Von Martina Groh-Schad · 5. Februar 2024 um 17:00

Demenzielle Erkrankungen begleiteten Irmgard Dammer schon in ihrer Jugend. Ihre beiden Großmütter waren betroffen, so dass die heute 65-Jährige bereits als Teenager erste Erfahrungen sammelte, was auf die Angehörigen zukommt. „Ich musste als 15-jähriges Mädchen oft auf eine meiner Großmütter aufpassen“, erinnert sie sich. „Das hat mir wenig gefallen, weil ich andere Sachen im Kopf hatte.“

Trotzdem wurde dabei der Grundstein dafür gelegt, dass sie heute anderen Familien eine große Stütze ist. Seit drei Jahren ist sie in Rente und kümmert sich um zwei Senioren, die demenziell erkrankt sind und unterstützt mit ihrem Engagement die Angehörigen, die oft keine freie Minute haben. „Die Wertschätzung für meine Arbeit ist groß“, sagt sie.

Alzheimer Gesellschaft Oberpfalz: Viel Betreuung nötig

Irmgard Dammer ist für den Helferkreis der Alzheimer Gesellschaft Oberpfalz im Einsatz. „Für die Familien ist es eine große Hilfe“, sagt Maria Kammermeier, Vorsitzende des Vereins. „Viele stoßen aufgrund der Dauerbelastung an ihre Grenzen.“ Menschen, die schwer demenziell erkrankt sind, wie zum Beispiel an Alzheimer, brauchen fast immer jemand um sich, der auf sie achtet. Es bleiben nicht nur die eigenen Bedürfnisse auf der Strecke. „Manchmal muss man außer Haus etwas erledigen“, sagt Dammer. Dann sind die Angehörigen wie auch die Betroffenen froh, wenn jemand kommt und da ist.

Insgesamt hat der Verein aktuell 16 Ehrenamtliche, die sich jeweils um bis zu drei Senioren kümmern. Neue ehrenamtliche Helfer werden dringend gesucht, weil die Zahl der Erkrankten zunimmt. Die Deutsche Alzheimergesellschaft geht davon aus, dass bis 2030 etwa zwei Millionen Menschen im Land an Demenz erkranken, Tendenz steigend. Um die Helfer gut vorzubereiten, müssen sie eine mehrtägige Schulung absolvieren, die der Verein anbietet. „Die Helfer sind oft allein mit den Erkrankten“, begründet Maria Kammermeier.

In den Schulungen erhalten sie ein Rüstzeug. Sie erfahren, wie sie in Krisen- und Notfallsituationen handeln können und sie erhalten eine Übersicht über die rechtlichen Rahmenbedingungen. Thematisiert werden auch die Haushaltsführung, die Hygiene und die Ernährung von Erkrankten. Die Ehrenamtlichen lernen, wie man mit den Erkrankten gut Gespräche führt und es werden Grundlagen vermittelt, um Strategien zur Konfliktlösung an der Hand zu haben. Die Schulung wird nun bereits seit 20 Jahren zwei Mal pro Jahr angeboten.

Gespräche im Regensburger Café

Für Irmgard Dammer war die Schulung schon in vielen Situationen hilfreich. „Mit einer betroffenen Dame gehe ich immer ins Café“, berichtet sie. Das Gespräch läuft dabei immer gleich ab und darauf war sie von Anfang an vorbereitet. „Man braucht Geduld“, sagt Dammer.

Zudem besucht sie einen älteren Mann, um seine Frau zu entlasten. Er ist nicht mobil, sitzt oder liegt im Bett. „An guten Tagen spielen wir Mensch-ärgere-Dich-nicht“, sagt sie. „Man muss es nehmen, wie es gerade ist.“

So wird man Helfer

Der nächste Helfer-Kurs läuft ab Freitag bis zum 1. März online. An vier Samstagen von 9 bis 16 Uhr erhalten Helfer ihre Ausbildung, die dem gesetzlichen Schulungskonzept entspricht. Die Kosten von 80 Euro bekommt erstattet, wer mindestens ein Jahr den Helferkreis der Alzheimer Gesellschaft Oberpfalz unterstützt. Für andere Interessenten kostet die Schulung 240 Euro. Im Herbst soll dann eine Schulung der Alzheimer Gesellschaft Oberpfalz in Präsenz angeboten werden. Weitere Informationen dazu gibt es im Internet unter www.oberpfalzheimer.de.