Nachfolger gesucht: Wie gut klappt es mit Übernahmen in der Regensburg Altstadt?

Von Marion Neumann · 5. Februar 2024 um 12:00

Gründe für Nachfolger-Suchen gibt es viele. Doch wie schwierig ist es, für Geschäfte oder Ladenflächen in der Regensburger Altstadt Interessenten zu finden? Inhaber und Vermieter erzählen.

Wenn Marion Fischer über das Traumland spricht, schwingt Nostalgie in ihrer Stimme mit. „Der Laden hat mich ganz viele Jahre glücklich gemacht“, sagt sie über das Kindermodengeschäft in der Fröhlichen-Türken-Straße, „deshalb liegt mir unheimlich viel daran, dass er in gute Hände kommt.“

Denn in diesem Jahr, tatsächlich zum 30-jährigen Jubiläum des Traumlands, will die Inhaberin Schluss machen. Fischer, die zudem den Donaustern in der Brückstraße betreibt, will sich zukünftig verstärkt auf den 2017 eröffneten Geschenkeladen konzentrieren. „Meine komplette Kraft soll da hinein fließen“, sagt sie, „zwei Läden werden mir auf Dauer einfach zu viel.“

Bis Mitte des Jahres hofft sie deshalb, einen Nachfolger zu finden, der das Traumland weiter betreibt. „Der Hauptlieferant bietet sehr gute Konditionen – und der Vermieter ist wirklich toll“, sagt sie. Ein weiterer Pluspunkt seien die Kunden, erklärt Fischer. Schwangere, Mütter und Omas würden hierherkommen, um für den Nachwuchs besondere Stücke auszusuchen. „Das Publikum hier ist sehr nett“, sagt sie, „und das ist nicht geschleimt.“

Traumland-Kunden sind bereits informiert

Einen schlechten Zeitpunkt für den Schritt in die Selbstständigkeit sieht sie für potenzielle Interessenten nicht. „Mut braucht es immer. Manchmal muss man einfach springen, ohne zu viel zu zerdenken“, sagt sie. Seit sie ihre Entscheidung Mitte Januar publik gemacht und auch Kunden informiert hatte, hätten sich bereits zwei Händlerkollegen und ein Interessent von außerhalb gemeldet. Was daraus wird, lässt sich noch nicht sagen.

„Ganz arg wäre es mir, wenn ich den Laden tatsächlich zusperre – und kurz darauf würde sich eine junge Mutti mit Begeisterung für das Thema melden, die Kapazitäten gehabt hätte“, sagt Fischer. Ein wenig Zeit gibt sie sich und dem Traumland auf alle Fälle noch. „Ich denke, dass ich jemanden finden werde“, sagt sie.

Suche bei Buchhandlung Dombrowsky wohl erfolgreich

Von einer höchstwahrscheinlich erfolgreichen Nachfolgersuche für seine Traditions-Buchhandlung kann Ulrich Dombrowsky berichten. Aktuell laufen die Gespräche zwischen der potenziellen Nachfolgerin mit der Bank und dem Vermieter. „Wenn alles klappt, kann sie im Mai starten“, sagt er.

Dass die Buchhandlung Dombrowsky nach 40 Jahren den Besitzer wechseln soll, ist längst kein Geheimnis mehr. Konkret seien die Pläne Anfang 2023 geworden. Im Sommer letzten Jahres machte Dombrowsky das Gesuch für seinen Laden am St.-Kassians-Platz öffentlich. „Warum ein Geheimnis daraus machen?“, fragt er. Anfang Dezember hätte sich dann schließlich die jetzige Interessentin gefunden. Den Laden aufgrund fehlender Nachfolge zuzusperren wäre für Dombrowsky keine Option gewesen. „Ich werde dieses Jahr 66“, sagt er, „aber die Geduld muss man mitbringen.“ Gründe, warum die Suche nach Interessenten nicht ganz einfach ist, sieht er unter anderem an einem „Überangebot“ im Buchhandel. „Viele Babyboomer kommen jetzt in ein Alter, in dem sie sich zur Ruhe setzen wollen“, sagt er.

Als Buchhändler mit nicht wenig Konkurrenz sei es wichtig, seine Nische zu finden. „Wir bieten zusätzlich viele Veranstaltungen an. Auch dafür muss der Nachfolger ein Händchen mitbringen.“ Nicht nur entsprechende Qualifikationen, sondern natürlich auch eine entsprechende Investitionssumme sei außerdem Voraussetzung. Bei der Buchhändlerin aus München, die nun übernehmen soll, hat Dombrowsky ein sehr gutes Gefühl. „Natürlich ist der Erwartungsdruck nach einem Wechsel hoch. Oftmals sind Kunden dann erst einmal skeptisch. In diesem Fall brauchen sie jedoch keine Bedenken zu haben.“

Mietersuche für leere Räume

Nicht nur einen Nachfolger für ein bestehendes Geschäft zu finden, braucht Geduld. Auch einen Mieter für leere Räume zu finden, kann dauern. Das sagt zumindest Henry Mosner. Der Verwalter aus München sucht Mieter für ein Objekt in der Königsstraße, Ecke Schäffnerstraße, das einem in der Schweiz lebenden Eigentümer gehört. Fündig geworden ist er in den letzten eineinhalb Jahren nicht. Auch davor gab es mit einem Mobilfunkanbieter und mehreren Pop-Up-Stores einige Wechsel. „Entweder ist der Laden zu groß oder zu klein“, sagt er über die 200 Quadratmeter große Fläche, die sich über zwei Etagen erstreckt, „für eine große Bekleidungskette ist das eher zu wenig Platz – und für einen kleinen, stationären Einzelhändler ist es zu viel.“

Derzeit weist ein handgeschriebenes Schild an der Eingangstüre auf den freien Laden hin. „Es sind auch Makler mit der Suche beauftragt. Die Immobilie stand auch schon auf ImmoScout, aber über die Plattform kamen wenig seriöse Anfragen rein“, sagt er.

Wichtiger als eine schnelle Vermietung ist Mosner eine langfristige Lösung. „Es geht nicht darum, das Maximum rauszuholen für drei Monate. Es muss einfach passen.“ Seiner Einschätzung nach würden sich nicht mehr viele Unternehmen trauen, sich langfristig zu binden. „Wäre es noch 2019, wäre der Laden wahrscheinlich schon längst vermietet. Aber es kommen auch wieder bessere Zeiten.“

Fündig geworden für seine Buchhandlung ist wohl Ulrich Dombrowsky. Foto: Florian Hammerich