Regensburg hat ein neues Museum: Das document Kepler ist eröffnet

Auf lebhaftes Interesse stieß der Festakt zur Eröffnung des document Kepler am Donnerstag. Schließlich bekommt Regensburg nicht jeden Tag ein – fast – neues Museum.
Nicht alle Gäste fanden einen Sitzplatz im Großen Runtingersaal. Eine berührende Rede hielt Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer. Sie wies darauf hin, dass der Astronom und Mathematiker Johannes Kepler eine europäische Figur war. Seine erstaunlichen Leistungen seien nur in diesem Rahmen möglich gewesen. „Wir wollen ihn nicht vereinnahmen, er gehört ganz Europa.“ Die OB betonte, die zwischenmenschliche Komponente des Staatenbundes sei vielleicht die Entscheidende. Auch ein kleines Museum könne hier große Wirkung entfalten.
Der Berliner Kurator und Ideengeber Pablo von Frankenberg führte die Gäste durch das document Kepler, das vom Leben und Wirken des Wissenschaftlers erzählt. Besucher erfahren beim Rundgang durch das wunderbar sanierte Patriziergebäude, dass Kepler in seinem Leben 25.000 Kilometer zurücklegte. Er pflegte Briefkontakt zu zahlreichen Kollegen auf dem Kontinent, und als seine Mutter als Hexe angeklagt wurde, erreichte der berühmte Sohn einen Freispruch.
Spektakulärer Südeingang
Das Museum hat einen zweiten, spektakulären Eingang im Süden zum Scheugässchen erhalten, der barrierefrei ist. Dafür wurde ein Anbau in Ellipsenform errichtet. Das zitiert Keplers Forschung. Nikolaus Kopernicus stellte die Theorie auf, dass die Erde die Sonne umkreist, nicht umgekehrt. Erst Kepler erkannte, dass sich die Planeten auf elliptischen Bahnen bewegen, nicht wie vorher angenommen, auf Kreisen. Damit vollendete er das moderne Weltbild mit der Sonne im Zentrum des Planetensystems.
Die Ausstellung unterhält, informiert und überrascht immer wieder. Die Besucher können per Audioguide hören, welche Fragen sich Kepler bei der Ankunft in Regensburg stellte: Warum bin ich so erschöpft? Warum kann das Leben nicht einfacher sein? In wessen Dienst werde ich stehen? In einem Raum kann man sich vom Liegestuhl aus mit Keplers Erkenntnissen zum Planetensystem auseinandersetzen. Laufschriften berichten von der Pest und dem Dreißigjährigen Krieg. Ein Science-Lab lädt zu Experimenten ein.
Wissenschaft braucht Freiheit
Walter Jonas, Regierungspräsident der Oberpfalz, betonte, entscheidend sei nicht, was man glaube, sondern, was man beweisen könne. Johannes Kepler habe die Gesetze des Himmels entdeckt. Jonas betonte, Wissenschaft könne nur im Klima von Demokratie und Freiheit Antworten finden.
Umbau und Neukonzeptionierung kosteten knappe fünf Millionen Euro. Dank der EU-Förderung muss die Stadt nicht mehr als drei Millionen Euro schultern. Die Kostensteigerung war enorm: 2016 war man von 750.000 Euro ausgegangen.
Der Berliner Kurator und Ideengeber Pablo von Frankenberg erinnerte, das Sterbehaus sei 1962 zum Museum geworden. Eingerichtet habe man es mit Möbeln aus Antiquitätengeschäften. „Nichts von dem, was Sie sehen, ist vollständig. Sie müssen mit Ihrer Phantasie die Lücken füllen.“
Die OB und Kulturreferent Wolfgang Dersch, der von Anfang an hinter dem Projekt stand, dankten Kulturamtsleiterin Maria Lang und dem Historiker Matthias Freitag von den städtischen Museen für ihr großes Engagement bei der Neuausrichtung. Die umstrittene Chefin der städtischen Museen, Doris Gerstl, die beim Festakt anwesend war und Gäste begrüßte, erwähnten sie mit keinem Wort.




