Ein Kunstwerk von Michael Schrattenthaler steht nun in Nürnberg – umgesetzt von Metallbau Gruber

Sie wirken ein wenig wie drei Jungs, denen ein Streich geglückt ist. Dabei sind Michael Schrattenthaler, Thomas Gruber und Thomas Rohrmüller allesamt gestandene Männer, müssen aber dennoch immer wieder grinsen, wenn sie in Wort und Bild von jenem 30. November erzählen. Dabei hatte das Husarenstück vor einer Nürnberger Schule viel mehr mit Können als mit Glück zu tun – und Kunst nicht nur in einem Sinn.
„Ein nasches, ein Riesending“, sind sie sich einig. „Am Plan hat es so klein ausgesehen“, schmunzelt Thomas Gruber, dessen Metallbaubetrieb das von Michael Schrattenthaler entworfene Kunst-am-Bau-Objekt namens Ahoi in die Tat umgesetzt hat. 25 Meter ist der goldfarbene Schiffsmast mit Krähenkorb hoch, der nun zwischen zwei Gebäuden der neuen Grund- und Mittelschule Maiacher Straße emporragt.
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Nachdem er 2018 mit seinem Entwurf (BRILLANT)für den Neubau des Landesamts für Ernährung und Lebensmittelsicherheit in Erlangen überzeugt hatte, ist „Ahoi“ innerhalb kurzer Zeit der zweite prestigeträchtige Wettbewerb, den der Kritzenaster in Franken gewonnen hat. „Das ist natürlich super“, freut er sich. Zumal im Vorfeld nicht nur eine intensive geistige Beschäftigung mit den Gegebenheiten gefragt ist, der 52-Jährige baut auch immer ein Modell.
Gedanken-Karussell
Im Fall der Nürnberger Schule gab es wenig Vorgaben, was es nicht unbedingt leichter macht. Erst nach vielen Gedanken war dem dreifachen Vater klar: Ich gehe mit meinem Objekt raus aus dem Gebäudeinneren (wo viele andere Beiträge angesiedelt waren), vor die Schule. Und irgendwann war da auch die Idee eines Schiffsmastes. Schließlich seien die Schüler gemeinsam unterwegs, würden suchen, entdecken, (sich) ausprobieren.
Werkstoff war schnell klar
Aufgrund der Höhe von 25 Metern und den strengen Anforderungen an Haltbarkeit sowie Sicherheit – Statik, Stürme, herunterfallendes Eis – war die Materialfrage im Grunde keine mehr, erzählt Michael Schrattenthaler. Also wurde er wieder bei Thomas Gruber vorstellig. Der reagierte begeistert, als er hörte „der Michael hat wieder was für uns“. Denn auch das LGL-Kunstwerk entstand in den Hallen des Fachbetriebs mit seinen aktuell 18 Mitarbeitern. Man könnte auch sagen, es hat sie zusammengeschweißt.
In sich gedreht
„Mann, was war ich naiv!“, schmunzelt Schrattenthaler, wenn er an dieses erste Metallbau-Großprojekt denkt. Für den Acht-Meter-Baum in Elangen hat der 52-Jährige eigens in München einen Schweißkurs absolviert, „inklusive Prüfung“. Aber „dennoch schnell gemerkt, dass das nicht hinhaut.“
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Über seine Frau Yvonne, ihres Zeichens Architektin und in der regionalen Firmenlandschaft bestens vernetzt, entstand der Kontakt nach Weiding/Pinzing. Metallbau Gruber hatte sämtliche neue Balkongeländer des Waldmünchner BRK-Heims gefertigt, dessen Sanierung die Fachfrau begleitet hatte.
Die Chemie stimmte sofort
„Es hat sofort gepasst“, erinnert sich Schrattenthaler an die Kontaktaufnahme. Zwischenmenschlich, und, weil Gruber und Projektleiter Rohrmüller seine Denke verstehen, diese umsetzen und nicht den eigenen Stil einfließen lassen wollen. Das habe er schon anders erlebt, anerkennt der gebürtige Tiroler dankbar, gleichsam mit einem vermeintlichen Vorurteil aufräumend: „Von wegen, da hinten an der Grenze, da geht nix.“
Drei neue Lehrlinge
Nach drei Jahren ohne Lehrling beginnen im Herbst gleich drei junge Leute in seiner 1995 gegründeten Firma, freut sich Thomas Gruber, der zugleich Innungsobermeister ist. Zu den Stärken seines Betriebs zählt er, dass er individuell und speziell auf Kundenwünsche eingehen kann. Und zwar, weil alles selber konstruiert werden kann und die entsprechende technische Ausstattung mit Laser, Presse, Fräse und Co. vorhanden sei. Hinzu komme die Kombination aus erfahrenen Mitarbeitern und jungem Wissen.
Ausgezeichneter Meister
Thomas Rohrmüller selbst sei das beste Beispiel, unterstreicht Thomas Gruber stolz. Der habe den besten Meisterabschluss in Niederbayern hingelegt und sich in das Nürnberger Projekt „mit allem, was er hat, reingehängt“. Das hatte durchaus Tücken. Nach der Prüfstatik musste der Untergrund verstärkt werden, die Stahlqualität wurde hochgestuft. Die goldfarbene Lackierung, die mit der Spritzpistole aufgebracht werden musste: herausfordernd. Die Schweißarbeiten mussten luftdicht sein, um Korrosion keine Angriffsfläche zu bieten.
Spannende Logistik
Eine Stahlsäule, praktisch der Mast, wurde zugekauft – was koordiniert werden musste. Nicht zu vergessen: Es galt, einen Transport zu organisieren, Straßensperrungen zu beantragen, entsprechende Schilder aufzustellen „und dann noch dafür zu bezahlen“. Aus einem Budget heraus, das für derartige Kunst-am-Bau-Objekte zu einem Zeitpunkt x zu Verfügung gestellt wird. „Einfach ist das oft nicht, und auch nicht nachvollziehbar“, formuliert Michael Schrattenthaler vorsichtig.
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Das Aufstellen selber hatte es ebenso in sich. Der Kran: 27 Meter, das Kunstwerk 25. Rechnet man die Schräge mit, kann man sich vorstellen, dass es eng wird. Zumal das Kunstwerk letztlich 1800 Kilogramm auf die Waage brachte. Folge: Gruber-Mitarbeiter und Jung-Meister Alexander Berg (der ein auf Tiktok zu findendes Video drehte) fuhr mit hinauf, um die Vereinigung der beiden bis dato separaten Korbteile zu verantworten.
„Ein gigantischer Moment“
„Das war ein gigantischer Moment“, gewährt Rohrmüller Einblick in sein Innenleben, als genau das in luftiger Höhe klappte. Thomas Gruber ordnet das gelungene Manöver ein: „Wenn unten zwei Millimeter fehlen, sind es in diesen Bereichen oben 20“.
Riesige Herausforderung
Dennoch: Das Nürnberger Objekt mutet beinahe wie ein Spaziergang an, wenn Gruber und Rohrmüller über die technische Umsetzung des Kunstwerks für das Landesamt Gesundheit und Lebensmittelsicherheit sprechen. „Da wussten wir so manches Mal nicht mehr weiter.“ Schließlich waren die Rohre des acht Meter hohen Objekts allesamt gedreht und sollten beim Zusammensetzen an Ort und Stelle passen (Schrattenthaler anerkennend: „unglaublich komplex“).
Letzte Mirakel bleiben
Das taten sie, wenngleich bis heute nicht klar ist, warum ein bestimmtes Teil allen Berechnungen zum Trotz 400 Millimeter länger „funktionierte“. Dann waren da Fragen wie: Wo montieren? Wobei schnell klar wurde, dass eine Endfertigung in Weiding samt Schwertransport als Folge nicht bezahlbar gewesen wäre.
Neue Dimensionen
Was Dimensionen angeht, scheint der Kritzenaster auf den Geschmack gekommen. Mit sieben, „richtig großen“, Objekten bestreitet er ab 24. Februar in der Oechsner Galerie die Ausstellung „Insight“. Auch in Nürnberg, ein offenbar gutes Schrattenthaler-Pflaster.
Die Jury des Schulbauprojekts hatte Schrattenthalers Entwurf in ihrer Entscheidungsbegründung herausragend genannt. Das ist es – seit es steht in der Tat und im übertragenen Sinne sowieso.

