Wenn ein Leben an Sekunden hängt: Mobile Retter überbrücken Zeit, bis der Notarzt kommt

Von Katja Birzer · 30. Januar 2024 um 15:00

Mit jeder Minute, die vergeht bis eine Herzdruckmassage zur Wiederbelebung stattfindet, sinkt die Anzahl der Überlebenden um fünf Prozent. Hier kommen die mobilen Retter in Spiel.

Bei jedem Wiederbelebungsversuch nach einem Herzstillstand gilt: Jede Sekunde zählt. Da Rettungsdienste im Durchschnitt neun Minuten bis zum Eintreffen bei einem Patienten mit Herzstillstand brauchen, verstreichen wertvolle Sekunden, die für die Betroffenen mitunter überlebenswichtig sind.

Die mobilen Retter sind qualifizierte Einsatzkräfte, die durch Schulungen oder andere medizinische Ausbildungen die nötigen Kenntnisse erhalten haben, um bis zum Eintreffen eines Rettungswagens eine Herzdruckmassage durchzuführen. Dadurch wird die Sauerstoffversorgung des Gehirns weiterhin sichergestellt, wenn das Herz diese Aufgabe nicht mehr übernehmen kann. Sinkt die Sauerstoffversorgung länger als ein paar Minuten, können bleibende Schäden im Gehirn auftreten und die Überlebenschancen der Betroffenen sinken.

Update in der Uni-Klinik

Wenn der Rettungsdienst alarmiert wird, werden gleichzeitig zwei mobile Retter in der Nachbarschaft per Smartphone-App benachrichtigt. Sie können den Einsatz schnell wahrnehmen und bei den Betroffenen eine Herzdruckmassage durchführen, bis der Rettungsdienst eintrifft. Dafür werden die Helfer nach Zusage in der App sofort zur Einsatzstelle gelotst. Dadurch stellen die mobilen Retter eine Verbesserung der Überlebenschancen und einen Zusatz zum Rettungswagen dar.

Das Projekt gibt es in ganz Deutschland, so auch in den Regionen Regensburg, Neumarkt und Cham. Für die mobilen Retter an diesen Standorten fand am Montag eine Infoveranstaltung im Universitätsklinikum statt. Einerseits war das 1. Mobile Retter App-Date als Auffrischungsveranstaltung, sprich als Update, für die bereits aktiven mobilen Retter gedacht.

Andererseits konnten sich auch neue Interessierte als mobile Retter zertifizieren und registrieren lassen. Dazu waren mehrere Stände von medizinischen und Rettungsdiensten vor dem Sitzungssaal aufgebaut, wo die alten und neuen mobilen Retter die Herzdruckmassage üben, auffrischen und unter Beweis stellen konnten. Wer von den Interessierten die lebensrettenden Maßnahmen erfolgreich durchführte, konnte sich im Anschluss als neuer mobiler Retter registrieren lassen.

Gegen Trauma wappnen

Daneben gab es auch zahlreiche Vorträge rund um das Thema „mobile Retter“. Neben Updates aus den verschiedenen Regionen, etwa zur Entwicklung der Retter-Anzahlen durch Prof. Carsten Jungbauer, informierte Julian Hupf die alten und neuen mobilen Retter über die neuesten Erkenntnissen aus Medizin und Wissenschaft zur Reanimation.

Außerdem klärte Diakon Reiner Fleischmann die Interessierten über die Bewältigung solcher möglicherweise traumatischen Erfahrungen wie einer Reanimation eines bekannten Menschen aus der Nachbarschaft auf. Dabei hatten die Zuhörer auch die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Die mobilen Retter suchen weiterhin auch nach Unterstützung. Dabei kann jeder zusätzliche Helfer Menschenleben retten. „Jede Sekunde zählt, jeder Retter zählt“, stellte Prof. Carsten Jungbauer unmissverständlich klar.

Prof. Dr. Carsten Jungbauer eröffnete den Abend mit einer kurzen Begrüßung. Foto: Katja Birzer