Ein Pilotprojekt zum Schnäppchenpreis: Stadt Rötz kauft Bürgersolaranlage für einen Euro

Am 19. September 2003 ging in Rötz eine Bürgersolaranlage in Betrieb, als erste ihrer Art im Landkreis Cham. Die 420 Quadratmeter große Anlage auf dem Dach der Volksschule mit einer Leistung von 54 KWp konnte innerhalb kürzester Zeit in Betrieb genommen werden, informiert die Stadt Rötz auf ihrer Homepage über die Anfänge des Projekts.
Für dieses wurde die „Erste Rötzer Bürgersolarkraftwerk GbR“ aus einem Interessenskreis von insgesamt 28 Gesellschaftern ins Leben gerufen, denen eigene Dachflächen fehlten, die sich aber trotzdem an der umweltfreundlichen Erzeugung von Solarstrom beteiligen wollten.
Zu 100 Prozent eingespeist
Geschäftsführer der GbR ist Josef Ruhland aus Rötz. Deren Mitglieder bekamen 20 Jahre lang die garantierte Einspeisevergütung für den auf dem Dach der Schule erzeugten Strom. Bei Anlagen, die später in Betrieb gegangen ist, gab es jeweils einen geringeren Betrag für den Strom – jedes Jahr sei dieser um einige Cent gesunken, so Ruhland, jedoch ebenfalls jeweils über den Zeitraum von 20 Jahren gleich geblieben.
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Mit der Förderung habe sich der Betrieb der Anlage für die Mitglieder der GbR gelohnt. Nach zwanzig Jahren ist die PV-Anlage nun zum 1. Januar 2024 aus dem Förderprogramm der Regierung herausgefallen. Mit dem Geld, das jetzt noch bezahlt werde, lohne sich die Konstellation so nun nicht mehr.
Bei Einfamilienhäusern beispielsweise würde das Ganze anders aussehen, erklärt Ruhland: Auch hier falle zwar die Förderung nach 20 Jahren weg, doch man habe die Möglichkeit, den Strom für den Eigenverbrauch zu nutzen und den Überschuss ins Netz einzuspeisen. Damit könne sich ein Weiterbetrieb der Anlage weiterhin lohnen. Im Fall der Bürgersolaranlage sehe das anders aus: „Der Strom wird zu 100 Prozent eingespeist“, und der Preis an der Leipziger Börse müsse akzeptiert werden.
Nun gab es drei Möglichkeiten laut Ruhland: Die Anlage wird abgebaut, da sie nicht mehr rentabel ist für die GbR, sie wird an die Stadt Rötz verkauft oder sie wird an Dritte veräußert. Die erste Lösung wäre die am wenigsten erstrebenswerte gewesen: Die PV-Anlage sei nicht kaputt und produziere weiterhin Strom, so der Geschäftsführer der GbR, wenngleich sich nach zwei Jahrzehnten Abnutzungserscheinungen zeigen würden. „Es wäre schade gewesen, wenn man sie abreißen und verschrotten müsste.“
Zumal es sich um ein Erfolgsmodell handelt: Das Pilotprojekt machte über die Stadtgrenzen hinweg Schule, heißt es von Seiten der Stadt Rötz. Und die Stadt ist es auch, die eine Weiternutzung der Bürgersolaranlage möglich macht: Zum 1. Januar 2024 hat sie diese übernommen. Wie Bürgermeister Dr. Stefan Spindler auf Anfrage informiert, ist das für den symbolischen Betrag von einem Euro erfolgt.
Vorzugsweise wolle man den produzierten Strom für die Schule selbst nutzen, derzeit werde geprüft, wie das technisch lösbar sei; der Überschuss soll ins Netz eingespeist werden.
Nicht nur landkreisweit, auch in Rötz selbst ist das Erfolgsmodell weitergeführt worden: Innerhalb kürzester Zeit folgte Mitte der 2000er Jahre mit der Nutzung der Dachflächen auf dem Erweiterungsbau der Schule und der Schulturnhalle die Gründung der zweiten und der dritten Rötzer Bürgersolarkraftwerk GdR mit 49 beziehungsweise 31 Mitgliedern.
Auch bei der zweiten und dritten Anlage läuft demnächst die Förderung aus. Was mit diesen beiden Anlagen passiert, müsse man sehen, so Ruhland. „Das wird dann Thema im Stadtrat sein, ob diese ebenfalls von der Stadt beziehungsweise von Dritten übernommen oder abgebaut werden.“
Die GbR wird aufgelöst
Für die zweite Anlage auf dem Erweiterungsbau, deren Förderung am 31. Dezember 2024 ausläuft, sei die Übernahme schon in Prüfung, bestätigt der Bürgermeister.
Die erste GbR jedenfalls wird in absehbarer Zeit aufgelöst, so Ruhland. Es gebe bereits Termine für letzte Besprechungen. Neue Bürgersolaranlagen in der Stadt seien derzeit nicht geplant.