Tschüss, Regie: Warum Christina Schmids Filmpremiere in Abensberg auch ein Abschied ist

Von Benjamin Neumaier · 26. Januar 2024 um 11:00

Nachwuchs-Regisseurin Christina Schmid (25) zeigt ihren Film „Fünf Jahre“ im Roxy-Kino – wegen Corona mit ein paar Jahren Verspätung. Ihre Zukunft sieht die Abensbergerin zwar in der Filmindustrie, aber nicht mehr als Regisseurin. Auch deshalb legt sie auf ihre Ausbildung noch ein Studium drauf.

Fünf Jahre, sieben Jahre, 18 Jahre. Was klingt wie eine sinnlose Aneinanderreihung, hat für Christina Schmid jeweils einen tieferen Hintergrund. „Fünf Jahre“ heißt ihr Kinofilm, den sie vor sieben Jahren gedreht hat – und damals war sie eben gerade mal 18 Jahre alt. Jetzt kommt der Film ins Kino, besser gesagt wieder ins Kino. Am Sonntag ist Premiere im Roxy in Abensberg im Landkreis Kelheim.

Eine erste Premiere von „Fünf Jahre“ gab es bereits 2019 in München. „Was auch toll war und mich wahnsinnig stolz gemacht hat“, sagt Schmid, aber ganz zufrieden war sie mit ihrem Machwerk dann doch nicht. „Ich habe den Film nochmal gekürzt, musste die Tonmischung und andere Dinge anpassen lassen. Das hat sich gezogen, und als mein Film so war, wie ich ihn haben wollte, hatten die Kinos plötzlich andere Sorgen, als sich um den Film einer Nachwuchs-Regisseurin zu kümmern.“ Dann kam nämlich Corona.

Nun aber will die mittlerweile 25-jährige Abensbergerin ihrem Film nochmal eine größere Plattform gönnen. „Vor allem weil alle Beteiligten, viele davon haben mir auf Zuruf und selbstlos immer wieder geholfen, wahnsinnig viel Herzblut reingesteckt haben. Sie haben die große Leinwand verdient“, sagt sie.

Es geht um Leben und Tod

Deshalb stellt sie zusammen mit Teilen ihres Casts und Teams den Film im Roxy persönlich vor. „Fünf Jahre“ dreht sich um die Journalistin Elisa Boehm und den renommierten Politiker Edgar Wolff. Zwölf Jahre lang hatte Elisa sich erfolgreich vor Edgar versteckt, nun ist er zurück. Ein gnadenloser Machtkampf beginnt. Es geht um Elisas Image und um das Leben ihres Sohnes.

Der Trailer zu „Fünf Jahre“:

Schmid verspricht einen aufregenden Film, „eine gar nicht mal so spektakuläre neue Idee, aber erzählerisch spannend umgesetzt. Auch wenn ich einiges heute anders machen würde“. Denn mittlerweile ist die 25-Jährige keine ambitionierte Amateur-Regisseurin „ohne Geld und mit wenig Know-how“ mehr, sondern ein Profi. Oder zumindest auf dem besten Weg dorthin.

Nach ihrem Abitur in Rohr machte sie Praktika bei TVA, Constantin Film und Dahoam is Dahoam und anschließend eine Ausbildung zur Mediengestalterin Bild und Ton bei der Bavaria Film GmbH – unter anderem als zweite Regieassistentin bei Rosenheim Cops oder im Produktionsbüro des Tatorts. Mittlerweile studiert die Abensbergerin Produktion und Medienwirtschaft an der Hochschule für Film in München – und klappt damit ihren Regiestuhl erstmal zu.

„Ich würde Regie für mich nicht ausschließen, aber ich sehe mich eher in der Stufe davor: In der Stoffentwicklung, Finanzierung und Produktion an sich“, sagt sie. Ihr gehe es darum, Geschichten zu finden, sie zusammen mit Drehbuchautorinnen und -autoren zu entwickeln und möglich zu machen. Inszenieren dürfen dann andere.

Riesiges Potenzial bei Netflix und Amazon

Ihre Geschichten soll das Publikum dann möglichst auf der großen Bühne sehen – im Kino. „Wobei man sich natürlich Streamingdiensten oder TV-Produktionen nicht verschließen kann. Man muss sich dem Markt in gewisser Weise beugen. Das Potenzial, das dort schlummert, ist riesig – und die finanziellen Möglichkeiten sind es auch“, sagt Schmid. Aber das Kino und damit ihr Lieblingsort um Filme zu sehen, leiden darunter. Und so wäre sie auch „stolzer, wenn ein gesellschaftskritischer Film von mir in kleinen Programmkinos läuft und 100.000 Zuschauer erreicht, die nach dem Film über den Inhalt nachdenken, als ein Blockbuster, bei dem sich das Netflix- oder Amazon-Prime-Publikum nur berieseln lässt“.

Grundsätzlich offen ist sie dafür aber schon. Denn auch hinter Blockbustern können die drei Dinge stecken, die Filme für Schmid zu guten Filmen machen: „Ein Thema mit gesellschaftlicher Relevanz. Einfache Geschichten, die im Kern aber viel aussagen. Ein Cast, der sitzt – das ist eh schon die halbe Miete.“ Wenn die 25-Jährige sich Letzteren aussuchen dürfte, würde Cate Blanchett die Hauptrolle bekommen, Noémie Merlant den Co-Star geben und Rachel Weisz in einer tragenden Nebenrolle auftreten. Umsetzbar sei das zeitnah nicht, bleibt Schmid realistisch.

Mehr Mut bei Film-Projekten

Gerade mit dem System der Filmförderung in Deutschland sei eine Finanzierung dieses Casts schwierig. Und auch die Stoffe, die sie anbieten möchte, sind „eher nicht so gefragt. Da würde ich mir mehr Mut wünschen.“ So auch bei ihrem aktuellen Projekt, das sie mit einer Drehbuchautorin bearbeitet. Es dreht sich um Selma Engler, eine deutsche Aktivistin und Autorin der weltweit ersten Lesbenbewegung zur Zeit der Weimarer Republik. „Ein Liebesdrama, das widerspiegelt, was mit Beziehungen passieren kann, wenn sich das politische Umfeld ändert“, sagt Schmid. „Zeitkritisch und doch auch aktuell.“

Im Vordergrund steht aber erst noch das Studium und ab Ende 2024 die Diplomarbeit. Erst danach könne sie ihre volle Motivation und Leidenschaft ihren Filmen widmen. Es heißt also noch ein bisschen warten, bis der nächste Film Marke Christina Schmid auf der großen Leinwand flimmert. Eines steht für die Abensbergerin aber fest. Sieben Jahre soll es nicht wieder dauern.

Termine: Der Film „Fünf Jahre“ wird im Roxy Kino an folgenden Sonntagen gezeigt: 28. Januar (Premiere), 4. Februar, 11. Februar. Einlass jeweils 17 Uhr, Filmbeginn 18 Uhr.

Bonus: Bei allen Terminen stellt Regisseurin Christina Schmid ihren Film vor. Bei der Premiere sind auch Teile des Teams dabei.

Reservierung: Das Roxy-Kino bittet um Vorreservierung unter www.roxy-kino.de

„Fünf Jahre“ läuft an drei Terminen im Roxy-Kino Abensberg. Foto: Schmid
Christina Schmid beim Dreh mit Kameramann Aviishek Shovakar. Foto: Schmid
Schmid begutachtet eine Szene von Hauptdarstellerin Philine Unrau am Monitor. Foto: Schmid