Fasching in Abensberg: Der Stopslerball ist zurück

Legendäre Einlagen und Mut zur Lächerlichkeit: Am kommenden Samstag steigt der Traditionsfaschingsball in seiner „alten Heimat“, dem Jungbräusaal.
Vor ein paar Jahren wäre es beinahe vorbei gewesen mit der großen Gaudi: Der Ball lief einfach schlecht, zwei Jahre lang war er ein Draufzahlgeschäft. Die Abstimmung im Verein verlief dann aber doch anders: Die Stopsler wollten an ihrer liebgewonnenen Tradition festhalten, der Faschingsball wurde nicht abgeschafft. „Spitz auf Knopf“ sei es damals gewesen, erinnert sich Johann Ertl Junior, zweiter Vorsitzender des Vereins. Zum Glück, denn der Stopslerball ist einer der letzten großen Faschingsbälle, die es in Abensberg noch gibt. Am kommenden Samstag, 27. Januar ab 19 Uhr wird der Stopslerfasching wiederbelebt, und zwar so richtig. Etwa 95 Prozent kämen maskiert, „eine Verkleidung ist fast Pflicht“, sagt Ertl und erinnert sich an so manch skandalträchtiges Kostüm.
2020 war der letzte Ball, dann kam Corona und wie überall stagnierte auch hier das Vereinsleben erst einmal. Im vergangenen Jahr wollten die Stopsler dann eigentlich faschingstechnisch wieder voll durchstarten, an die alten Zeiten anschließen, an Bälle mit 300 Leuten, etwa, als Erwin und die Heckflossen auf der Bühne standen. Allein: Ein Saal fehlte. Aber diese Sorge gehört der Vergangenheit an, denn mit der Wiedereröffnung des Jungbräu ist auch der Stopslerball wieder zurückgekehrt in seine „alte Heimat“.
Frotzeleien gehören dazu
Mit Easy X, einer Band, die vom Neustädter Volksfest bekannt ist, wollte das Orgateam mal eine neue Band ausprobieren. „Uns war eine Liveband wichtig, bei der alle Altersklassen auf ihre Kosten kommen, die Älteren zum Beispiel auch zur Musik tanzen wollen“, sagt Ertl, der durch seine Eltern quasi in den Stopselclub hineingewachsen ist. Seit fast 60 Jahren pflegen hier 1860er und BayernMünchen-Fans ein friedliches Miteinander, gelegentliche Frotzeleien gehören natürlich dazu.
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Der Faschingsball ist nur eines der Höhepunkte im Stopselkalender. Und Kenner wissen: Für die gute Stimmung sorgen nicht nur Band und Bar, sondern auch die Stopsler selbst mit ihren Einlagen. Weil es dafür natürlich Freiwillige braucht, sah es auch damit zuletzt etwas mau aus. Aber jetzt haben sich die Organisatoren wieder etwas Lustiges einfallen lassen. Was das ist, will Ertl im Vorfeld natürlich nicht verraten. Ein Blick in die Vergangenheit aber verrät, dass die Stopsler sehr kreativ sind und keine Mühen scheuen, wenn es darum geht, den Saal zum Lachen zu bringen. Musicals wie „Grease“ sind nur ein Beispiel: „Das war sehr aufwendig, was die Tänze und die Kostüme betrifft“, erinnert sich Ertl. Für ein „Wasserballett“ musste einmal ein „Pool“ her – freilich ohne Wasser. Bilder dazu dürften reihenweise Alben mit schönen Erinnerungen füllen. Ob hautenge Dressen oder übertriebene Schminke: Die Männer des Stopselclubs scheuten sich nie davor, sich lächerlich zu machen. Die Lacher des Publikums waren Lohn genug für die zahlreichen Stunden des Schwitzens, der Vorbereitung und des Lampenfiebers vor dem Auftritt. Denn freilich, so eine Einlage kostet Einiges an Zeit: „Schon vor Weihnachten haben wir geübt. Letzte und diese Woche auch, aber dann sollte es schon hinhauen“, gibt sich Ertl zuversichtlich.
Mit dem Ball ist der Fasching für die Stopsler im Übrigen noch nicht zu Ende. Wie im vergangenen Jahr wird der Stopselclub auch heuer wieder beim Faschingsgillamoos am Faschingsdienstag am Stadtplatz ausschenken. Danach besuchen die Stopsler die Fiera di Lonigo in Abensbergs Partnerstadt. „Da sind wir mit Getränken und bayerischen Spezialitäten vertreten.“
Und beim Sommerfest kehrt der Verein zu seinen Wurzeln zurück, dann ist Gelegenheit, spielerisch die alten Rivalitäten zwischen den 1860er- und den Bayernfans auszutragen – und zwar auf dem Spielfeld. Erst im vergangenen Jahr hatten sie die Tradition wiederbelebt. Derbys waren lange Zeit fester Programmpunkt im Jahresverlauf des Vereins.
Zurück zu den Wurzeln
„Wir wollen wieder da hin, wo wir als Verein hergekommen sind“, sagt Ertl. Dazu gehört auch eine Vereinsfahrt Anfang Herbst. Einmal flogen die Stopsler sogar bis nach Portugal. Die Fahrten sind jetzt etwas kürzer, viele haben kleine Kinder und wollen die nicht so lange alleinlassen. Vielleicht wird auch aus den Kindern eines Tages ein waschechter Stopsler? Nicht nur Ertl würde sich das wünschen.
Fast 60 Jahre:
Jubiläum: Aktuell hat der Verein etwa 100 Mitglieder, davon ist ein Drittel unter 40 Jahre alt. 2025 feiert der Verein sein 60-Jähriges.
Karten: Karten gibt es im Jungbräu unter Telefon (09443) 4083070 oder an der Abendkasse.


