AfD-Kreisräte planen Demo am Schwandorfer Marktplatz – Pfarrer will dem „Lärm“ entgegentreten

Der Schwandorfer Marktplatz wird morgen wieder ein Sammelpunkt für Menschen, die von der aktuellen Politik in Deutschland die Nase voll haben. 200 Protestler sind angemeldet. Die Veranstalter sind alte Bekannte, die Forderungen drastisch.
Sie rufen erneut zum Widerstand auf: die beiden AfD-Kreisräte Reinhard Mixl und Klaus Schuhmacher. Vielen Schwandorfern dürften beide durch die Corona-Demos bekannt sein, die sie 2021 und 2022 über Wochen immer dienstags organisiert hatten. Auch nach dem Wegfall der Corona-Maßnahmen riefen sie die Menschen im September 2022 erneut auf die Straße. Damals ging es unter dem Stichwort „Freiheit für Schwandorf“ vor allem um die Auswirkungen der Energiekrise und die durch die Inflation steigenden Lebenshaltungskosten.
Eine der Forderungen: Rücktritt der Regierung
Das Motto bleibt auch bei der neuesten Aktion gleich, wie Mixl schildert. Diesmal lauten die zentralen Forderungen, den „Raub am Mittelstand und der Bürger“ zu beenden, Steuern und Energiepreise zu senken, sofortige Friedensverhandlungen mit Russland zu tätigen und die „Migration in Sozialsysteme“ umgehend zu stoppen. Außerdem solle die Regierung sofort zurücktreten.
Zunächst findet morgen um 19 Uhr eine Kundgebung am Marktplatz statt. Zu dieser ist auch der AfD-nahe Bestsellerautor Markus Krall zu Gast, der nach Recherchen von Zeit Online Kontakt zur Reichsbürger-Szene um Heinrich XIII. Prinz Reuß hatte. Die Organisation, gegen deren Mitglieder unter anderem Anklage wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung erhoben wurde, habe ihn gar als Finanzminister für ihr Schattenkabinett anwerben wollen.
Wie bei den Demos zuvor, soll sich nach den Redebeiträgen wieder ein Protestzug durch die Innenstadt bewegen. Ausgehend vom Marktplatz macht sich der Zug laut Landratsamt über die Beer-Kreuzung und die Naabuferstraße in Richtung Bahnhof auf. Über die Friedrich-Ebert-Straße geht es dann zurück zum Marktplatz. Die Organisatoren rechnen mit 200Personen. Fahnen, Kerzen, Plakate und Trommeln sollen zum Einsatz kommen. Wie viele Menschen sich in Schwandorf tatsächlich versammeln werden, kann Mixl nur schwer vorhersagen. „Es ist sozusagen ein Neustart. Die letzte Demo ist schon über ein Jahr her“, sagt er. Die Witterung werde dabei sicherlich auch eine Rolle spielen.
Für Mixl sei die politische Gesinnung der Teilnehmer zweitrangig. „Solange sich keiner daneben benimmt, kann ich ihn nicht des Platzes verweisen“, so der AfD-Stadt- und Kreisrat.
OB: „Rechtes Spektrum hat in unserer Stadt nichts zu suchen.“
Die Stadtspitze blickt indes mit Sorge auf die bevorstehende Protestaktion. Schließlich hatte es bei den vergangenen Demonstrationen immer wieder Hinweise darauf gegeben, dass sich auch Anhänger der ultrarechten Szene unter die Menge gemischt hatten. Teilweise waren sie sogar als Ordner eingeteilt gewesen, mal marschierten sie beim Protestzug vorne weg. Sogar Organisator Klaus Schuhmacher hatte diese am Rande einer Veranstaltung als „NPD-Fritzen“ betitelt.
„Natürlich steht es jedem frei, seine Meinung zu äußern. Das rechte Spektrum hat in unserer Stadt aber nichts zu suchen“, sagt Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU). Zudem würde er sich wünschen, dass die Kundgebung nicht wie angekündigt am Unteren Marktplatz, sondern am Oberen stattfinden würde, um die Gastronomen nicht zu beeinträchtigen.
Stilles Gebet in der Pfarrkirche St. Jakob
Nur sorgenvoll auf das Geschehen vor seiner Kirchentür will Pfarrer Christian Kalis nicht blicken. Er möchte dem Lärm, der in der Stadt verbreitet werde, entgegentreten. Die von ihm organisierte alternative Veranstaltung trägt den Titel „AEG – Ausschalten – Einschalten – Geht“. Morgen um 19.15 Uhr lädt Kalis in die Pfarrkirche St.Jakob ein, um dort 15 Minuten in Stille zu verweilen.
Die Teilnehmer sollen sich die Zeit nehmen, um über das Leben nachzudenken, zu überlegen, was ihnen für ihr Leben wirklich wichtig und wesentlich ist oder sein sollte. Anschließend soll es noch ein gemeinsames Gebet geben. „Wir wollen keine Parolen rufen oder Reden halten, sondern einfach nur beten“, sagt Kalis.
Begleitet werden die von den AfD-Kreisräten angemeldete Kundgebung und der Protestzug von der Schwandorfer Polizei. Wie der stellvertretende Dienststellenleiter Florian Meier erklärt, werde man vor Ort Präsenz zeigen, absperren und den Verkehr regeln.