Schwandorfer Eisdiele in neuen Händen: Pellegrins ziehen Schlussstrich unter Familientradition

Nach Jahrzehnten geht in der Schwandorfer Innenstadt eine Familientradition zu Ende. Mauro De Pellegrin (62) hat die Eisdiele am Oberen Marktplatz in andere Hände übergeben. Im Februar ist Wiedereröffnung – unter demselben Namen, aber mit anderen Betreibern.
Die Eisdiele am Marktplatz ist seit Jahrzehnten eine Institution, aber das ist fast schon untertrieben. Sie gehört zur Innenstadt wie die Zwiebel der Jakobskirche, der Brunnen oder das Glockenspiel, die Wasserräder an der Naab.
Vom Kind bis zur Seniorin
Seit Mauros Vater im Jahr 1956 das Eis nach Schwandorf brachte, haben sich Generationen von Kunden bei den Pellegrins mit süßen Köstlichkeiten versorgt – erst an der Bahnhofstraße, dann am Unteren, seit 1993 schließlich am Oberen Marktplatz. Oft waren es auch alle Generationen auf einmal – vom Schulkind bis zur betagten Seniorin. Auf der Freifläche vor dem Café genossen sie alle die lauen Sommernächte. Selbst für die Stadträte war hier nach anstrengenden Debatten beim Mauro ein beliebter Treffpunkt – nach Fraktionen getrennt, versteht sich.
Und das soll jetzt alles zu Ende sein? „Nein. Es geht weiter“, sagt Mauro im Gespräch. Aber dass er sich persönlich aus dem Geschäft verabschiedet, ebenso seine Ehefrau Ingrid, ist ausgemacht. Nach Jahren zwischen Pinocchio-Eis und Stracciatella ziehen die Pellegrins einen Schlussstrich.
Töchter haben andere Pläne
„Mein Beruf macht mir wahnsinnig viel Spaß, auch wenn von einer 35-Stunden-Woche nicht die Rede sein kann“, erzählt Mauro. Und dann nimmt er Anleihen beim Familienleben: „Die Eisdiele war für mich wie ein drittes Kind. Ich habe es auf die Welt kommen sehen, habe Höhen und Tiefen erlebt“. Doch irgendwann, gibt der 62-Jährige zu verstehen, steht das Kind auf eigenen Beinen, macht sich selbstständig, und es ist Zeit geworden, loszulassen.
Dass es soweit kommen würde, hat sich wohl schon abgezeichnet. Denn die beiden Pellegrin-Töchter Michela und Laura verfolgen andere Pläne, streben beide eine Tätigkeit als Ärztinnen an. Eine Nachfolge innerhalb der Familie war also nicht in Sicht.
Dass die Betriebsübergabe gerade jetzt erfolgt, hat sich laut Mauro eher zufällig ergeben, „bei einem freundschaftlichen Gespräch mit einem Bekannten“ im Herbst. Der Mann gehört seit Jahren zur Zunft der Eis-Macher und stammt ebenfalls aus Italien. In Bayern und Baden-Württemberg betreibt er bereits mehrere Eisdielen und wird nun auch den Betrieb in Schwandorf übernehmen. Auch der Name bleibt, und alte Gutscheine behalten weiter ihre Gültigkeit.
Die Neuen sind seit Jahren in der Branche tätig
Das neue Geschäftsführer-Duo ist laut Mauro „ein Pärchen Mitte 30, beide seit zehn Jahren in der Branche. Auf mich persönlich haben sie einen guten Eindruck gemacht“. In der ersten Zeit wird ihnen De Pellegrin noch zur Seite stehen, sie in die Technik einweisen „und sie zur Kundschaft bringen“. Denn die Kunden sind das Kapital des Betriebs: „Sie haben uns bei allen Höhen und Tiefen unterstützt. Und dafür sind wir sehr dankbar“. Die Neueröffnung ist nach den Worten Mauros im Februar geplant, ein genauer Termin steht aber noch nicht fest.
„Ich übergebe den Betrieb mit gutem Gewissen. Auch in unserem Beruf müssen junge Leute die Chance haben, ihre Ideen umzusetzen“, sagt der 62-Jährige. Und davon gebe es bei den neuen Betreibern jede Menge – von der Einrichtung bis zur Eiskarte. Trotzdem schwingt bei den Worten auch ein Stück Wehmut mit, denn schließlich stand Mauro seit 47Jahren an der Eis-Theke.
Idee: Mit dreirädrigen Kleintransporter Eis verkaufen
Auch in Zukunft wird man ihn im Eiscafé antreffen, das seinen Namen trägt. Als Berater, aber auch als Kunde. Große Pläne für den Ruhestand hat er nicht, auch wenn ihn die hartnäckige Idee umtreibt, mit einem Piaggio Ape, dem bekannten dreirädrigen Kleintransporter, Eis zu verkaufen, zum Beispiel am Murnersee. Mit der Vespa möchte er einmal nach Sizilien fahren. Und die Dolomiten zwischen Pelmo und Civetta, durch die Mauro früher nur mit dem Auto gebraust ist, will er endlich auch zu Fuß kennenlernen, „mit Freunden oder mit der Frau“.
Sich in der Politik vor Ort zu engagieren, was ihm regelmäßig angetragen wird, ist Mauros Sache nicht. Aber die Familie wird auf jeden Fall in Schwandorf bleiben. Mauro: „Ich bin in Schwandorf geboren. Ich bin und bleibe ein Schwandorfer.“ Nur ganz selten, wenn Deutschland gegen Italien Fußball spielt, schlagen doch zwei Herzen in seiner Brust.