Schwandorf erlebte den wohl süßesten Bauern-Protest

Von Jan Lange, Martin Kellermeier, Dietmar Zwick · 21. Januar 2024 um 14:24

Protestierende Bauern gehören derzeit zum alltäglichen Bild. Frühmorgens blockieren sie gar Autobahnauffahrten, abends füllen sie die Plätze mit ihren Kundgebung. Meistens nicht dabei: die Kinder der Demonstranten. Das sollte sich am Samstagnachmittag in der Schwandorfer Innenstadt ändern.

Erdbeerbauer Johannes Rester (34) aus Grain und weitere Mitstreiter aus dem Landkreis Schwandorf hatten die Idee dazu. Mit ihren Tretbulldogs sollten die Kinder vom Wendelinplatz zum Marktplatz fahren. Mit bis zu 50 Teilnehmern rechneten die Organisatoren. Doch es waren letztlich mehr als 100 Kinder, die mit ihren stolzen Eltern kamen und begeistert bei der Sache waren.

Wie bei den Demos der erwachsenen Landwirte stattete der Nachwuchs seine Plastikschlepper mit selbst gebastelten Plakaten und orangenen Warnleuchten aus. „Mia san die Zukunft“, war zum Beispiel zu lesen. Oder: „Dorfkind und stolz drauf!“

Den Betrieb übergeben

Organisator Rester zeigte sich am Rande der Demonstration gelöst und stolz – und das nicht nur, weil an der Kundgebung erneut auch Handwerker und andere Berufsgruppen teilgenommen hatten. Der Landwirt, der neben seinem Erdbeerhof auch eine Pferdehaltung mit Ackerbau und einen Lohnbetrieb führt, arbeitet in neunter Generation. Gerne würde er den Betrieb an Tochter Luisa(1) oder Sohn Simon (5) übergeben.

Letzterer war auch bei der Kinderdemo dabei und fuhr mit seinem kleinen Steyr-Bulldog mit. „Er will mal Bulldog- und Baggerfahrer werden“, sagte Vater Johannes Rester über seinen Sohn. Schon heute bewirtschaften sie gemeinsam die 60 Hektar Fläche. Wenn Papa Johannes mit seinem Steyr Terrus samt 300 PS losfährt, gibt es für den Fünfjährigen meistens kein Halten mehr.

Erdbeerbauer Rester erklärte auch, wie es zu der speziellen Form des Protests mit den Kindern am Samstagnachmittag gekommen war. Weil die bisherigen Aktionen frühmorgens oder am späten Abend stattfanden, konnte der Nachwuchs nicht seine Eltern begleiten. Das sollte sich ändern – und die Idee einer Demo „für die Kinder mit den Kindern“ war geboren.

Bauern wollen zukunftsorientiert wirtschaften

Der Landwirt zeigte sich begeistert vom Zuspruch: „Als ich gesehen habe, wie viele Kinder da sind, hatte ich Tränen in den Augen.“ Durch den aktuellen Protest wolle man auch erreichen, dass der Nachwuchs einmal die Betriebe übernehmen kann. Dafür brauche es jedoch „eine Politik, die uns die Weichen stellt, damit wir zukunftsorientiert wirtschaften können“.

Stimmen, die von einer Instrumentalisierung des Nachwuchses sprechen, entgegnet Rester: „Wir gehen auf die Straße für die Zukunft unserer Kinder.“ Dass dann auch die Kleinen mitmachen, findet er nicht schlimm. Und sie hätten ja auch ihre Freude gehabt, sagt der Landwirt in Bezug auf die Verlosung, die im Rahmen der Kinderdemo stattfand.

Die Polizei und das Ordnungsamt der Stadt Schwandorf sorgten für einen sicheren Verlauf der Kinderdemo und sperrten die Straßen ab und geleiteten alle sicher vom Wendelinplatz zum Unteren Marktplatz. Dort fand dann noch eine abschließende Verlosung von acht Tretbulldogs und vier Hüpfkühen statt. Alle Kinder durften einen Zettel abgeben und so einen Preis für ihre Kindergärten gewinnen. Die beiden Glückskinder Ludwig Rester und Thomas Kummert losten aus.

Drei Bulldogs gingen direkt an die Universitäts-Kinderklinik in Regensburg. Die weiteren Schlepper sicherten sich Noak Hösling (Kindergarten Schmidmühlen), Lukas Troidl (Kiga St. Martin Neunburg), Marie Schießl (Kiga St. Michael Neukirchen-Balbini), Johannes Kaiser (Kiga Schwarzachtal Schwarzhofen), Emmi Guntow (Kiga am Kreuzberg Schwandorf), Anton Hubmann ( Waldkindergarten Kainsricht/Hahnbach), Paula Hofmann (Kiga Klardorf) und Johannes Rester (Don Bosco Burglengenfeld).

Die vier Hüpfkühe gingen an Pauline Dirmeier (Kiga Bodenwöhr), Katharina Schwab (Kiga St. Konrad Ettmannsdorf), Thomas Michl (Kiga St. Martin Schwarzenfeld) und Andreas Winderl (Theresa-Gerhardinger-Kiga Neunburg).

Die Sponsoren waren Landtechnik Igl, Schuierer, Rester, DOB, Birner, Lindner und Krämer sowie Fendt, Claas Nordostbayern und die Firma Lely.

Ferner galt der Dank von Organisator Rester dem Betreiber der Eisdiele Il Gelato Italiano an der Friedrich-Ebert-Straße. Aldo Raccanelli hatte die Teilnehmer spontan mit heißem Kakao versorgt.

Dass Frauen in der Landwirtschaft unverzichtbar sind, beweisen die drei Schwester Isabella (9), Melissa (6) und Madlen (4) Lang aus Irlaching (v. l.). Familie Lang hat Zuchtsauen und baut Kartoffeln an.
Organisator Johannes Rester und Sohn Simon (5) können aus dem Vollen schöpfen – zuhause haben sie fünf große Bulldogs
Georg Kummert aus Neukirchen, fünf Jahre, freute sich riesig, dass mehrere Freunde aus dem Kindergarten in Ettmannsdorf dabei waren.
Die Eltern von Luis Mulzer (5) aus Krumlengenfeld führen einen Feldbetrieb.
Weil die bisherigen Aktionen meist morgens oder abends stattfanden, konnte der Nachwuchs nicht teilnehmen. Deshalb wurde nun eine Demo für die Kinder mit den Kindern organisiert.