Oxfam-Auswertung zum Weltwirtschaftsforum: Zweifel an der Reichen-Studie

Gefühlte Wahrheiten werden in diesen schnelllebigen Tagen schnell zu Fakten: „Die fünf reichsten Männer der Welt haben ihr Vermögen seit 2020 verdoppelt, fast fünf Milliarden Menschen sind ärmer geworden“ lautete der Kernsatz aus einer Studie, die von der Organisation Oxfam pünktlich zum Weltwirtschaftsforum in Davos präsentiert wurde. Doch stimmt das so auch? Ein Experte widerspricht.
Demnach hätten sich die Vermögen der fünf reichsten Männer der Welt – allen voran Elon Musk, aber auch Amazon-Gründer Jeff Bezos zählt dazu – seit 2020 verdoppelt, während weltweit fast fünf Milliarden Menschen auf der Welt ärmer geworden seien. Die Schere zwischen Arm und Reich, so die Argumentation, sei so groß wie nie. Aber stimmt die Grundthese: Die Armen werden immer ärmer? Und die Reichen immer reicher?
These von Oxfam-Studie „stimmt nicht“
„Nein, sie stimmt nicht“, sagt Maximilian Stockhausen, zuständig für die Themen Soziale Sicherung und Verteilung beim Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln. Die Armut auf der Welt ist nämlich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten dramatisch zurückgegangen.
Knapp 1,2 Milliarden Menschen lebten weltweit im Jahr 2010 unter der absoluten Armutsgrenze. Sie haben weniger als 2,15 Dollar pro Tag zur Verfügung. Im Jahr 2023 liegt diese Zahl bei 690 Millionen und hat sich fast halbiert. „Tatsächlich gab es erstmals seit Jahren wieder eine Zunahme der absoluten Armut während der Corona-Pandemie“, so der Wirtschaftsexperte. „Doch schon 2023 waren wir wieder auf dem Niveau vor Corona.“
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Überhaupt würde Oxfam völlig außer Acht lassen, wie schwer sich Vermögen in unterschiedlichen Ländern vergleichen lassen. Für Deutschland könne Stockhausen aus den vorliegenden Daten jedenfalls nicht ablesen, dass die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer werden würde. „Maßgeblich ist aus unserer Sicht die Netto-Vermögensungleichheit“, sagte Stockhausen. Dieser Wert weist das Vermögen abzüglich der Schulden aus. „Wir sehen in diesen Zahlen, dass die oberen zehn Prozent ihr Vermögen in Immobilien investiert haben, aber auch große Teile ihres Kapitals in Betriebsvermögen.“ Zu Deutsch: Das Geld der Wohlhabenden steckt hierzulande in der deutschen Wirtschaft.
Wirtschaftsinstitut sieht Vermögenssteuer kritisch
Die von Oxfam ins Spiel gebrachte Vermögenssteuer sieht man bei dem Wirtschaftsinstitut dann auch sehr kritisch: „Ich würde sagen, es ist kein gutes wirtschaftliches Umfeld, zusätzliche Belastungen für diejenigen zu schaffen, die in unsere Wirtschaft investieren.“
Interessant ist dann aber auch der Blick auf die Mittelschicht. Auch hier würden die Zahlen für Deutschland ein wachsendes Vermögen ausweisen, das vor allem in Immobilien und damit in die Altersvorsorge vieler Bürger investiert wird. „Die steigenden Preise für Immobilien haben die Vermögen anwachsen lassen“, so Stockhausen. Doch selbst bei den wachsenden Vermögen der Superreichen wie Bill Gates will der Wirtschaftsvertreter nicht urteilen: „Dass Microsoft beispielsweise während der Pandemie mit Teams Gewinne machte, bedeutete doch auch, dass Menschen trotz der Situation miteinander kommunizieren konnten.“ Dort, wo Geld ist, ist eben häufig auch Erfindergeist.
Kommentar von Chefreporter Christian Eckl: Reichtum für alle
In einer idealen Welt wäre Armut ausgerottet. Alle hätten alles, es herrschte kein Mangel mehr. Ob in seiner solchen Welt auch Reichtum ausgerottet wäre? Wohl kaum. Wenn alle Menschen gleich wären, hätten womöglich alle gleich wenig. Düstere Bilder von leeren Lebensmittelläden und grauen Fassaden aus der Zeit des Kommunismus sprechen Bände.
Wahr ist: Die fünf reichsten Menschen der Welt besitzen zusammen 43 Prozent des weltweiten Finanzvermögens. Das Problem dabei ist: Diese Menschen zahlen zumeist viel weniger Steuern als beispielsweise der Mittelstandsunternehmer, der in Deutschland Arbeitsplätze schafft. Genau hier aber offenbart sich das große Problem solcher Studien, wie sie nun Oxfam vorgelegt hat: Sie suggerieren, dass man Reiche gründlich schröpfen sollte. Dabei wirft man Menschen wie Susanne Klatten, die ihr Vermögen in BMW und damit in einen der wichtigsten Arbeitgeber der Region investiert hat, in denselben Topf wie Elon Musk, dem elitäre Großstädter gerne einen Tesla abkaufen, dessen Verhalten oftmals aber eher an das russischer Oligarchen erinnert. Die zu besteuern, die in Deutschland riesige Umsätze generieren, hier aber kaum Steuern zahlen, würde auch den Ärmeren helfen. Dem soliden deutschen Mittelstands-Unternehmer das Leben schwer zu machen, indem man ihn mit den Superreichen in einen Topf wirft, wohl eher nicht.