Wirbel um geplante Asylunterkunft in Kelheim – Anwohner fühlen sich „überrumpelt“

Von Beate Weigert · 17. Januar 2024 um 19:00

Kommenden Montag (22. Januar) ist eine neue, dezentrale Flüchtlingsunterkunft Thema im Kelheimer Bauausschuss. Das und ein Infobrief der Stadt sorgen im Vorfeld für Aufregung bei Anwohnern. Sie fühlen sich „überrumpelt“.

Nach einem anonym veröffentlichten Aufruf zu einer Unterschriftenaktion auf Social Media reagierte die Stadt am Mittwochnachmittag „wegen der Brisanz des Themas“ mit einem öffentlichen Statement.

Diesen Montag bzw. Dienstag fanden Kelheimer im Bereich Kelheimwinzer Straße, Winzerweg oder Kastlacker ein Infoschreiben der Stadt im Briefkasten. Gegenüber unserer Zeitung äußern sich einige Anwohner besorgt und enttäuscht über die Vorgehensweise und das, was geplant ist. Seinen Namen will allerdings niemand in der Zeitung lesen.

Platz für 80 Geflüchtete

Per Amtsbote, sprich per Brief, wurden laut Bürgermeister Christian Schweiger am Montag 105 Anwohner – nicht nur direkte Nachbarn – „frühzeitig“ informiert. Konkret lasen diese in dem Schreiben, dass am Montag, 22. Januar, die Errichtung einer Asylunterkunft, auf zwei Grundstücken am Kastlacker Thema im Bauausschuss sein wird. Angedacht sei, „circa 60 Plätze“ in einem Modulbau zu schaffen sowie in einem „vorhandenen Bestandsobjekt“ an die 20 Personen unterzubringen. Die Unterkunft werde vom staatlichen Landratsamt betreut. Generell obliege die Information der Nachbarn über ein Bauvorhaben dem Antragsteller, so Schweiger auf Nachfrage.

Manch Anwohner fühlte sich indessen mit Verweis auf den Termin am Montag „überrumpelt“, sagen Betroffene. Man habe sich eine solche Info nicht per Brief gewünscht, sondern als persönliche Info bei einer Bürgerversammlung. Vom Verkauf des Areals auf dem sich ein Zweifamilienhaus aus den 1960ern findet, habe man gehört, dass „drei Wohnungen“ daraus werden sollten, jetzt sei von „Minimum 80 Asylbewerbern“ die Rede, sagt eine 49-Jährige aus der Nachbarschaft.

Vor allem „geplante Dimension“ besorgt die Nachbarn

Es sei vor allem „die geplante Dimension“, die sie sorge, sagt ein 60-jähriger Anwohner. „80 Leute, das ist eine Ghettoisierung“.

Aber auch, dass man nicht wisse, wer da komme und wie sich die zuständigen Behörden das konkret vorstellten, beschäftigt die Anwohner. Etwa in Sachen Freizeitraum der Untergebrachten. Auch wie „so viele Flüchtlinge“ integriert werden sollen, können sie sich nur schwer vorstellen, sagen sie.

Rein mit einer Belegung des bestehenden Wohnhauses hätten sie kein Problem, sagt ein Familienvater. Da habe man noch die Chance die neuen Nachbarn zum „Straßenfest“ einzuladen.

Alle, mit denen wir sprachen, beteuern, „liberal“ und keineswegs fremdenfeindlich zu sein und dass man durchaus persönliche Erfahrungen mit einzelnen Geflüchteten habe.

Am Donnerstag sollen Unterschriften gesammelt werden

Spontan sei Dienstagabend die Idee aufgekommen, Unterschriften zu sammeln, die man vor der Sitzung am Montag im Rathaus überreichen wolle. Was wiederum auf Social Media für neuen Wirbel sorgte, weil der Aufruf etwa bei „Du bist Kelheimer wenn...“ anonym gepostet worden war.

Ab dem frühen Nachmittag war die Kommentarfunktion ob der ausufernden Diskussion deaktiviert. Mancher mutmaßte hinter dem Post „politische Motivation“. Andere fanden es „dubios“ und fragten sich: „Wer macht bei einer Unterschriftenaktion mit, wenn der Organisator nicht bekannt ist?“ Diese ist für Donnerstabend in der Bauersiedlung geplant.

Der 60-jährige Anwohner findet die Information der Stadt „fair“. Dass die Sache mit der Unterschriftenaktion „solche Eigendynamik“ entwickelte, hätten er und die Nachbarn, mit denen wir sprachen, nicht gedacht. Wer den Post absetzte, wisse man nicht.

Bürgermeister Christian Schweiger äußert sich

Bürgermeister Schweiger wies am Mittwoch im Telefonat mit unserer Zeitung und wenig später per Pressemitteilung Vorwürfe einer „mangelhaften Kommunikation“ vehement zurück und warnte vor „falschen Infos“. Des Weiteren lud er alle Interessierten zur Sitzung am Montag ein, dort werde „sachlich und umfassend“ informiert. Bürger könnten die Diskussion des Sachverhalts verfolgen.

Hier lesen Sie das komplette Statement der Stadt Kelheim.

Im Nachgang könne er sich eine örtliche Begehung mit den Anwohnern vorstellen und auch eine Bürgerversammlung. „Es gibt kein Fristproblem.“

Aktuell gehe es um einen Bauantrag, über diesen werde in öffentlicher Sitzung am Montag beschieden. Die Stadt sei „ausschließlich für dessen bauplanungsrechtliche Prüfung“ zuständig. Andere Aspekte habe sie nicht zu bewerten.

Bauausschuss-Sitzung

Termin: Am Montag, 17 Uhr, ist im Deutschen Hof Bauausschuss-Sitzung.

Tagesordnung: Unter den 14 öffentlichen Punkten findet sich auch der „Antrag auf Baugenehmigung auf Errichtung einer dezentralen Unterkunft für Asylsuchende auf zwei Grundstücken Am Kastlacker.