Neumarkter Realschülerinnen berichten: iPad im Klassenzimmer – Fluch oder Segen?

Von Mittelbayerische Zeitung · 14. Januar 2024 um 09:08

Von Magdalena Schmid und Jana Karp, Klasse 8c Mädchenrealschule

Im Klassenzimmer der 8c der Mädchenrealschule in Neumarkt klingt Schreiben anders als früher. Kein Füller gleitet über das Papier. Stattdessen klappern die weißen Stifte, mit denen die Schülerinnen auf ihre Tabletbildschirme schreiben. An der Mädchenrealschule hat das iPad die traditionellen Schulbücher und Schulhefte verdrängt.

Zumindest in manchen Klassen. Seit diesem Schuljahr beteiligen sich die siebte und achte Jahrgangsstufe am Pilotprojekt „Digitale Schule der Zukunft“. Alle Schülerinnen mussten sich ein iPad anschaffen – mit jeweils 300 Euro vom Freistaat Bayern gefördert.

An der Umsetzung des Projekts in der Mädchenrealschule maßgeblich beteiligt ist unter anderem Lehrer Patrick Hubmann. Er hilft den Schülerinnen bei Fragen rund um das iPad. Für Lehrer habe das iPad sowohl Vor- als auch Nachteile, sagt er. „Man kann als Lehrer schnell ein Bild aus dem Internet zeigen, früher musste man dazu die entsprechenden Folien ausdrucken“, nennt Hubmann ein Beispiel. Jedoch mache es die Technik den Lehrern manchmal schwer.

Auswirkungen auf Lernerfolg?

Die Schulpsychologin der MRS, Elisabeth Zoch ist der Meinung, dass die iPads die Mädchen beim Lernen motivieren: „Für die Schülerinnen ist es schön, weil es etwas Neues ist. Ich glaube jedoch, dass es keinen Mehrwert für den Lernerfolg hat.“ Für die meisten Schülerinnen sei das iPad eine Erleichterung, weil ihnen das Büchertragen erspart bleibt. Schülerinnen lernten damit, alles leichter zu organisieren, als Lehrer habe man mehr Möglichkeiten, den Unterricht schöner zu gestalten.“

Allerdings sieht auch Zoch Nachteile: „Es lenkt die Mädchen ab. Außerdem kommt es häufig zu technischen Problemen und die Bildschirmzeiten der Schülerinnen sind sehr lang. Zudem kostet ein iPad viel Geld, was in manchen Familien zu finanziellen Problemen führen könnte.“

Auswirkungen auf die Gesundheit der Kinder sieht die Psychologin vor allem beim Spielen auf dem iPad zu Hause, weniger bei der Nutzung in der Schule. Das Gehirn werde durch die Spiele angesprochen, die Augen würden schlechter, die Körperhaltung schädige die Gesundheit, es komme immer öfter zu Bewegungsmangel. Zoch meint, dass es für die meisten Mädchen keinen Unterschied mache, ob sie in einem Heft oder am iPad schreiben. Außerdem ist sie der Meinung, dass die Schülerinnen dadurch keine schlechteren Noten bekommen.

Ein Blick in die Klassenzimmer während der Pausen zeigt, dass die iPads nicht nur im Unterricht zum Lernen und Schreiben, sondern auch in den Pausen zum Recherchieren genutzt werden. Eine Umfrage in den am Pilotprojekt beteiligten Klassen der siebten und achten Jahrgangsstufen ergab folgendes Bild:

In den siebten Klassen sind demzufolge ganze 138 der befragten 146 Schülerinnen mit der iPad-Nutzung sehr zufrieden. Nur zwei geben an, sie fänden es nicht so gut. 108 Schülerinnen sagen sogar, ihr Lernverhalten habe sich gebessert, 15 stellen keinen Unterschied zu vorher fest und 23 Mädchen geben zu, schlechter damit lernen zu können.

Das fehlt noch bei den iPads

Ähnlich ist das Ergebnis in den 8. Klassen. Auch hier sind 80 der befragten 89 Schülerinnen zufrieden und 72 Prozent geben an, ihr Lernverhalten habe sich seitdem gebessert. Dem gegenüber stehen 16 Prozent der Schülerinnen, die sich seit der Einführung der iPads schwerer mit dem Lernen tun. Bei der Umfrage stellte sich auch heraus, dass die iPads vor allem in Fächern wie Deutsch, Englisch, Mathematik, Geschichte und Geographie zum Einsatz kommen, eher selten dagegen in Kunst, Sport, Ernährung & Gesundheit und IT.

„Was wir uns noch viel mehr wünschen würden, wären noch mehr Lernspiele und die Ausarbeitung von Referaten auf dem iPad“, sagt zum Beispiel Magdalena aus der achten Jahrgangsstufe. Das sehen viele ihrer Mitschülerinnen genauso. Vor allem wollen sie möglichst alle Schulbücher als ebook auf ihren Geräten.

Insgesamt zeigt die Befragung, dass die Nutzung von iPads im Unterricht von Seiten der Schülerinnen als große Errungenschaft gesehen wird und ihnen das Lernen dadurch mehr Freude bereitet. Ob dadurch auch die Ergebnisse in der Abschlussprüfung in wenigen Jahren besser sein werden, wird sich zeigen. Dennoch wird man wohl in Zukunft auf die Digitalisierung im Unterricht nicht verzichten können.