Besonderes Revival für Kelheimer Faschingszug? Nicht für 2024 – das sind die Gründe

Von Beate Weigert · 13. Januar 2024 um 19:00

Christian Brünger wäre für einen Neustart beim Kelheimer Faschingszug. Er schrieb ein „innovatives Konzept“. Doch daraus wird nichts. So sehen es weitere (frühere) Akteure und die Stadt, so läuft es in anderen Orten im Landkreis.

Christian Brünger hätte Kelheim 2024 gerne wieder einen Faschingszug und ein Faschingstreiben in der Altstadt beschert. Er schrieb auf Anfrage der Stadt ein Konzept und stellte es im Rathaus vor. Dann hörte er erst wieder etwas, als es in seinen Augen „zu spät war“.

Der Stadtrat bekräftigte Ende November einhellig, dass die Stadt nicht als Veranstalter für einen Faschingszug zur Verfügung stehe. Jedoch eine Förderung gemäß Vereinsförderrichtlinie würde man gewähren, auch für Privatleute. Konkret 1000 Euro und die Hälfte der Bauhof-Kosten.

Kein Feedback zu neuer Idee

Vor Monaten präsentierte Brünger nach eigenem Bekunden im Rathaus, wie man Kelheims Fasching(-shöhepunkt) neu beleben könnte. Seine Ideen: ein Nachtfaschingszug mit abschließender Party am Ludwigsplatz (alle zwei Jahre) und ein neues, jährliches Faschingstreiben an Faschingsdienstag.

Bei zahlreichen möglichen Teilnehmern oder Sponsoren habe er vorab angeklopft bzw. welche im „Visier gehabt“, so Brünger. Allerdings hätte er bis Mitte Oktober grünes Licht gebraucht, damit das Wichtigste bis 11.11. gestanden hätte. Aber es kam nicht. Erst Ende November kam der allgemeinen Finanzentscheid – ohne dass die Stadträte sein Konzept kannten bzw. davon wussten, bedauert der 55-Jährige.

Brünger, der seit Jahren als bayerischer Landespräsident der Föderation europäischer Narren (FEN) aktiv ist, hatte früher bereits mit anderen Engagierten närrisches Treiben auf Kelheims Straßen gebracht.

Von Anfang der 1990er bis in die 2000er Jahre schlängelte sich ein Gaudiwurm durch Kelheim. Erst in kleinem „belächeltem“ Umfang, später mit vielen tausend Besuchern. Kelheim hatte einst mit die „erste Kindergarde Ostbayerns“, so Brünger. Und es gab Zeiten, in denen die Stadt zwei Faschingsgarden (Paradonia und Kelania) hatte.

Verschiedene Vereine zeichneten für den Faschingszug verantwortlich. Der Kelheimer Faschingszug e.V. (1997 bis 2004) war eigens dafür gegründet worden. Bis 2010 war die Kelania Organisator. Beide Vereine gibt es längst nicht mehr.

Darum hätte es für einen Neustart in Brüngers Augen – „zumindest im ersten Jahr“ (sprich für 2024) – die Stadt als Veranstalter gebraucht.

In zwei anderen Kommunen im Landkreis – in Langquaid und Neustadt – laufen die Fäden für die Faschingszüge bewusst und „gerne“ im Rathaus zusammen, sagen die Bürgermeister Herbert Blascheck und Thomas Memmel. Speziell beim Langquaider Faschingszug, der bei gutem Wetter an die 20.000 Besucher anlockt, wolle man „Vereine nicht zusätzlich mit Organisationsaufgaben belasten und keinem die gesamte Verantwortung aufbürden“, so Blascheck. 2005 war in Langquaid der Faschingszug nach langer Pause neu belebt worden. 2023 kostete er den Markt 16.000 Euro.

So läuft es andernorts

Warum man sich einst in Neustadt für die Konstellation entschied, kann Thomas Memmel (seit 2020 im Amt) nicht sagen. Derzeit dränge sich aber „keine andere Lösung auf“. Durchschnittlich kommen 10.000 Besucher zum Faschingszug. 2024 ist der 56. Gaudiwurm am Start. Wie viel er die Kommune kostet, will man nicht konkret beziffern. Die Stadt unterstütze den Zug mit Materialien und Süßigkeiten sowie in erster Linie durch „unsere Mitarbeiter und Ehrenamtlichen der Feuerwehren“. Für 2024 wurde das Budget erhöht. Neu ist, dass die Party danach vom Volksfest- zum Stadtplatz umzieht.

In Mainburg hatte die Verwaltung den Stadträten eigentlich abgeraten, freiwillige Leistungen zu tätigen. Die Kommunalpolitiker widersetzten sich dem Rat, weil in ihren Augen der Faschingszug „eine zu große Bedeutung für Stadt und Bürger“ habe. So gibt es auch 2024 7000 Euro Zuschuss für die Narhalla als Veranstalter sowie gut 8000 Euro für Bauhofkosten.

In Essing steht und fällt der Faschingszug mit dem „Riesen-Engagement und großem Herzblut vieler junger Essinger, die vor einigen Jahren eigens den Kultur- und Faschingsverein gründeten, um den Umzug weiterzuführen“, so Bürgermeister Jörg Nowy. Der Markt trägt die Bauhofkosten. Nach „schlimmen Unfällen“ hatten sich Essings Vereine zurückgezogen, weil sich die Vorstände um mögliche Haftungsrisiken sorgten.

Christian Brünger findet, ein neuer Faschingshöhepunkt in Kelheim müsse „ein Miteinander sein, einer allein kann das nicht, auch nicht mit Blick auf Verantwortung und Risiken“. So sieht es auch Robert Schweiger, der früher ebenfalls viele Jahre beim Kelheimer Faschingszug aktiv war. Er glaubt, es müssten sich „30 bis 40 Leute finden, die sagen, wir wollen das auf die Beine stellen“. Sonst werde das nichts. Das zeigten Züge in anderer Orten, so der niederbayerische Regionalpräsident des Bunds Deutscher Karneval, der er seit 2009 ist. Aber auch der Blick zurück: Denn der Grund, warum der von Vereinshand organisierte Faschingszug gestorben war, waren schlicht zu wenige Leute, die mitanpacken wollten. Insofern sieht Schweiger ein Faschingszug-„Comeback“ skeptisch.

Paradonia-Präsident Franz Schabmüller fände es „schön, wenn es wieder etwas Größeres gäbe“. Ob es ein Faschingszug sein müsse, sei die Frage. Auch er sieht die viele Arbeit und keine Freiwilligen, die sie tun wollten. Es reiche nicht, Vereine zu finden, die mitziehen. Vielleicht könne man mit einem Faschingstreiben neu starten. Der Antrieb müsse aber aus der Bürgerschaft kommen. Nur auf die Stadt zu schimpfen, sei falsch. Die könne nicht alles richten.

Bürgermeister Christian Schweiger betont auf Nachfrage, dass die Entscheidung im Stadtrat einstimmig gewesen sei. Brüngers Konzept an sich hatte man im Rathaus als „sehr innovativ und besonders“ gelobt. Allein man sah – abgesehen vom Stadtratsbeschluss – auch keine personellen Ressourcen bei der Verwaltung.

2024 ist gelaufen, sagt Christian Brünger. Er hofft, dass Stadt und Stadträte mit Blick auf 2025 ihre Meinung ändern und dass sich Mitstreiter auftun.

Unser Archivfoto zeigt den Andrang nach einem Kelheimer Faschingszug in den 1990er Jahren. In der Bildmitte ist Christian Brünger zu sehen. Foto: Manfred Forster
Von Anfang der 1990er Jahre bis in die 2000er gab es von Vereinen organisierte Faschingszüge in Kelheim.