Der Tod von Franz Beckenbauer trifft auch Chamer: Der „Kaiser“ bleibt vielen in guter Erinnerung

„Eilmeldung: Franz Beckenbauer mit 78 Jahren gestorben“ – diese Nachricht prangte am vergangenen Montag auf der Webseite der Mittelbayerischen Zeitung. Eine traurige Nachricht, die in Deutschland, ja sogar weltweit, Wellen schlug. Die Meldung bewegt seither auch Menschen in Cham. Einige von ihnen hatten persönlich mit dem „Kaiser“ zu tun und erzählen, welch ein Mensch Franz Beckenbauer war.
„Ich bin sehr betroffen. Ich habe ihn ja persönlich gekannt“, sagt Günther Lommer, ehemaliger Präsident des Bayerischen Landes-Sportverbandes und Mitglied des Chamer Stadtrats.
Der Kaiser zu Gast in Cham
Er erinnert sich im Gespräch mit unserem Medienhaus unter anderem an ein Foto, das ihn und Franz Beckenbauer beim Sensationsspiel in Cham zeigt. Am 27. Juli 1973 rückte der FC Bayern mit Gerd Müller, Sepp Maier, Georg Schwarzenbeck, dem Kaiser und Co. in der Kreisstadt an. Die ASV-Kicker mussten zwar damals vor rund 10.000 Zuschauern eine 13:2 Niederlage im Stadion an der Further Straße einstecken, doch das Ergebnis sei an diesem Tag sowieso nebensächlich gewesen. „Es war eine Sensation, dass der FC Bayern nach Cham kommt“, erinnert sich Lommer. „Auf dem Foto sieht man, wie Franz Beckenbauer schießt und ich zieh’ den Kopf ein“, sagt Lommer, der an dem Tag, ebenso wie Beckenbauer, als Libero auf dem Platz stand.
„Er war ein besonderer Mensch, auch abgesehen vom Fußball. Er war ein Phänomen, und ich habe ihn sehr geschätzt.“ Vor allem deshalb, weil Beckenbauer alle Menschen gleich behandelte, sagt Lommer. Den Kaiser beschreibt er als „gesprächigen“, „besonderen“, „immer lustigen“ und „nie langweiligen“ Menschen.
Beckenbauer habe er nicht nur beim Sensationsspiel erlebt, sondern beispielsweise auch im südafrikanischen Durban, um dort 2016 mit der deutschen Olympia-Delegation für die Spiele in München und Garmisch zu werben. „Wenn man Franz Beckenbauer getroffen hat, meinte man, man kennt ihn schon ewig. Er war ein absolut sympathischer Mensch“, sagt Lommer.
„Ein trauriger Tag“ für ehemaligen ASV-Torwart Sepp Altmann
Das bestätigt auch Sepp Altmann, der bei dem FC-Bayern-Gastspiel für den ASV im Tor stand. Dass Altmann den Kaiser damals kennenlernen durfte, bezeichnet er heute noch als „Glück“. „Er war ein nahbarer und netter Mensch“, sagt er. Am Montag dann die Nachricht über den Tod von Beckenbauer – „ein trauriger Tag“, sagt Altmann. „Nicht nur für den deutschen Fußball, sondern für das ganze Land.“
Dass es Beckenbauer nicht mehr so gut ginge, habe er mitbekommen, aber „dass es so schnell geht“, habe Altmann nicht gedacht. „Deutschland verliert damit nicht nur den besten Fußballer, sondern auch einen tollen Menschen.“
Ihm sei bewusst, dass nicht alle Menschen gut über den Kaiser denken und reden würden. Dennoch hält er an seiner Meinung über den ehemaligen Fußballprofi fest: „Von wegen arrogant. So, wie ich ihn hab’ kennenlernen dürfen, war er ein äußerst liebenswerter Mensch“, sagt der ehemalige ASV-Torwart. Auch er blickt gerne auf das Spiel im Sommer 1973 zurück. „Ich habe den Gerd Müller gekannt. Er hat später gefragt: ,Wo geh’ ma denn heut no hin?’ Ich meinte ,In’s Bierzelt’, weil zu der Zeit das Volksfest war.“ Doch Gerd Müller habe lieber wo hingehen wollen, wo ihn nicht so viele Menschen erkennen.
Gesagt, getan. Es ging laut Altmann in ein Chamer Lokal. „Und wer kommt als erster rein? Der Beckenbauer. Ich bin in Ehrfurcht erstarrt, weil ich nicht damit gerechnet habe, dass er da auftaucht.“ „So wie ich ihn in den paar Stunden kennenlernen durfte, ist er mir als Mensch wie du und ich in Erinnerung geblieben.“
Unternehmer Max Schierer sah Beckenbauer als „Vorbild“
Als „Vorbild“ wird Beckenbauer vom Chamer Unternehmer Max Schierer beschrieben, der sehr früh Mitglied beim FC Bayern wurde und deshalb mit dem Kaiser zu tun hatte. „Mit seiner leichtfüßigen Spielweise hat er mich beeindruckt. Er hat Fußball aussehen lassen, als wäre es das Leichteste der Welt“, sagt Schierer.
Sie hatten ein gutes Verhältnis
Die Meldung über den Tod des Kaisers habe den Chamer Unternehmer „gewaltig getroffen“. „Als ich es gehört habe, ist mir direkt eine Träne ins Auge gestiegen“, sagt er. Mit Beckenbauer habe er ein gutes Verhältnis gehabt, in den vergangenen Jahren habe jedoch kein Kontakt mehr zwischen den beiden bestanden. „Es hat mich betroffen gemacht, dass es jetzt so schnell ging“, so Schierer. Dass Beckenbauer die WM nach Deutschland geholt hat und im Zuge dessen Korruptionsvorwürfe im Raum standen, habe einen „faden Beigeschmack“, so Schierer. „Aber bewiesen ist nichts.“ Möglicherweise habe Beckenbauer das mit ins Grab genommen.



