2000 Bauern und ein Überraschungsgast bei der Kundgebung in Cham

Das Publikum war schon begeistert, bevor es losging und empfing den stellvertretenden Ministerpräsidenten Hubert Aiwanger mit „Hubsi, Hubsi“-Chören. Der Chamer Bauernverband hatte zunächst betont, dass er die Politik bei seinem krönenden Abschluss der Bauern-Demos am Montagabend nicht dabei haben wolle. Der Überraschungsbesuch des Wirtschaftsministers änderte dies jedoch.
Er hatte zunächst nur im Nachbarlandkreis Schwandorf sprechen sollen, und knackte dann auf Anfrage den nicht-politischen Status der BBV-Veranstaltung. „Ich kann ja nicht sagen, dass der stellvertretende Ministerpräsident nicht kommen darf“, zeigte sich Chams BBV-Kreisobmann Franz Holzapfel noch am Abend einigermaßen geplättet.
Aiwanger – ganz Landwirt
Angefeuert von den rund 2000 Kundgebungsteilnehmern aus dem ganzen Landkreis fand Aiwanger auch sofort den richtigen Draht, und hielt als Landwirt die komplette Rede im „Wir“. Kostprobe: „Auch wenn wir lieber auf dem Kanapee liegen würden als hier in der Kälte zu stehen... es braucht wieder Politik mit gesundem Menschenverstand und deshalb muss die Ampel weg!“ Frenetischer Beifall.
Offensichtlich wolle die Ampel die Bauern auf der Straße haben, wenn die den Agrardiesel zusammenstreiche. „Dann fahren wir eben nach Berlin“, so der Wirtschaftsminister. Die Zeit sei dafür zwar eigentlich zu schade, weil man sie dazu benötige, um die Bevölkerung zu ernähren, aber nun müsse endlich damit Schluss sein, dass die Bauern immer nur bekämen, was übrigbleibe. Aiwanger forderte, die Preise für Milch und Fleisch im Vorfeld festzulegen und appelliert an die großen Ketten, den Bauern faire Preise zu zahlen, dann brauche niemand eine Subvention. Sonst prophezeite er Landschaften ohne Bauern.
Es sei nie zu spät, umzukehren. Finanzminister Lindner, der den Bauern vorgeworfen hatte, sie hätten sich verrannt, forderte Aiwanger auf: „Lindner, Du alter Porschefahrer, geh raus und rede mit den Bauern!“
Aiwanger präsentierte auch die Lösung der Ampel-Geldprobleme: Statt die Bauern zu schröpfen solle man das Bürgergeld nur für Menschen in Notlagen verwenden. Er rechnete vor, dass der kleine Arbeiter unter dem Strich weniger verdiene wie der faule Bürgergeldempfänger: „Das ist ein Skandal!“ Frenetischer Beifall.
Laute Zustimmung erntete er auch für die Forderung, die Migration nicht mehr für „Hinz und Kunz“ zu ermöglichen und den Ukrainern, die arbeiten wollten, nicht mehr mit dem Bürgergeld hinterherzurennen. Indem sie dagegen die Bauern als fleißige Berufsgruppe immer mehr Lasten auferlege, sorge die Politik der Ampel für Wut und Unverständnis. „Im Vergleich zu dem, was Nancy Faesers Party-People in Berlin abziehen, ist das hier ein Festgottesdienst und keine Kundgebung“, so Aiwanger. – Stehende Ovationen.
Viele Forderungen
Der Wirtschaftsminister fand mit weiteren Forderungen großen Anklang: Abschaffung der Erbschaftssteuer für Wohnhäuser, Fortführung der Anbindehaltung, die Steuer für Agrardiesel völlig zurückerstatten, Biodiesel steuerfrei wieder einführen, die Gülle wieder mit dem Prallteller ausbringen dürfen, statt mit teueren Maschinen in den Boden zu spritzen. Das Ausbringen der Gülle solle sich nicht mehr nach den Ergebnissen der Grundwasser-Messstellen richten, sondern nach der Nährstoffbilanz des einzelnen Betriebs: „Weil man bei den Meldestellen nicht weiß, ob da nicht nur ein paar Ratzen ersoffen sind.“ Beifall und Gelächter.
In Berlin fordere man Kriegstüchtigkeit vom Volk und werde nicht einmal mit Kleinkram wie Wolf und Otter fertig. Aiwangers Lösung fand Anklang: „Wenn der Wolf Schaden anrichtet, dann knallt’s. Wenn der Otter an die Teiche geht, knallt’s auch. Im Naturschutzgebiet kann der Wolf dann meinetwegen mit dem Borkenkäfer um die Wette laufen...“
Die Ampel sei übrigens auch wie eine Borkenkäferplage, sie gehe vorbei. Und die Urgrünen seien immer noch die Landwirte. Die Grünen selbst seien nur ein Enkeltrick, befand Aiwanger und beendete seine Rede trotz „Zugabe, Zugabe“-Rufen.
