Bauer sucht Stau – Traktoren-Rudel auf Schleichfahrt sorgen rund um Cham für Aufsehen

Von Johannes Schiedermeier · 8. Januar 2024 um 17:58

Ab dem frühen Morgen rollten die Traktoren aus allen Richtungen auf die Kreisstadt zu. Unter dem ohrenbetäubenden Klang von Hörnern verlangsamten die Landwirte in Schleichfahrt die Republik – so beschreiben sie selbst ihre Aktion. Insbesondere der Schulverkehr kam am Morgen teilweise komplett zum Erliegen. Ansonsten hatten die Bürger reagiert. Die Chamer Innenstadt aber auch viele Zufahrtstraßen waren den ganzen Tag wie leer gefegt.

Die Landwirte hielten sich an ihre Zusicherungen und ließen Schulberg, Klinik und Rettungsdienst links liegen. Polizeirat Sven Buhl, als Dienststellenleiter in Furth im Wald zuständig für die Aktionen im Landkreis, zog ein positives Fazit: Es sei nicht blockiert worden und die Landwirte hätten sich bis auf Einzelfälle an die Absprachen gehalten. Diese sind problemlos aufgelöst worden. „Wir haben Traktorfahrer, die stehenbleiben wollten direkt angesprochen, oder die Organisatoren informiert“, so Buhl. Auch die Aufschriften, die er im Gegenverkehr gesehen habe, seien nicht zu beanstanden gewesen.

In ersten Stellungnahmen waren auch die Organisatoren zufrieden. Andreas Fischer aus Furth im Wald stellte fest, man habe sich an alle Auflagen gehalten. Rund 3000 bis 4000 Teilnehmer seien in etwa 1500 Fahrzeugen unterwegs gewesen, schätzte er. Die Aufstellung von zwei Ampelgalgen bei Wilting kommentierte er deutlich: „Unter so vielen Teilnehmern gibt es immer ein paar Idioten!“

„Man weiß nicht, wer kommt“

BBV Kreisgeschäftsführer Franz Kerscher war ebenfalls zufrieden. Es habe eine hervorragende Teilnahme gegeben und die Disziplin sei groß gewesen. „Ich weiß, dass irgendwann einmal ein Häcksler in Arnschwang quer gestanden ist. Das war aber schnell vorbei“, so Kerscher. Allerdings war im Hinblick auf die abendliche Kundgebung nicht ganz wohl: „Da weißt du halt nicht, was da kommt... Mal sehen. Wir stehen da aber in engem Kontakt mit der Polizei.“

Auf dem Chamer Volksfestplatz neben dem Landratsamt waren gegen 9 Uhr rund 200 Schlepper geparkt, dazu Begleitfahrzeuge mit orangefarbenem Blinklicht und einige Dutzend Lastwagen von Bauunternehmen und Speditionen mit Warnblinkanlage.

Auf der alten B 20 aus Richtung Furth traf es am Morgen den Schulverkehr. Auf der Strecke zwischen Arnschwang und der Käserei Goldsteig ging zeitweise zwischen 7.30 Uhr 8 Uhr nichts mehr. Uwe Mißlinger, Direktor des Fraunhofer-Gymnasiums meldete am späten Vormittag, dass von 932 Schülern 105 den Weg zur Schule nicht geschafft haben. Im Bereich Rötz habe ein Busfahrer im Angesicht der Schüler gewendet und diese stehen gelassen, so Mißlinger. Das sei für die größte Schule in Cham aber insgesamt ein recht positives Ergebnis. Befürchtungen hegte der Schulleiter allerdings für die Heimfahrt, weil die Aktion der Landwirte erst gegen 14 Uhr beendet werden solle.

Immer wieder fuhren im Laufe des Vormittags Pulks von Traktoren aus dem Festplatz hinaus auf die umliegenden Straßen, und umrundeten im Schritttempo die Stadt gegen 9.30 Uhr war die Strecke nach Chamerau und zurück dicht.

Der Parkplatz bei der Diskothek Rast bei Rötz war ein Start- und Sammelpunkt für die Fahrten auf die B22. Bis um 6.30 Uhr waren bereits etwa 400 Traktoren vor Ort, teilte einer der Organisatoren mit. Insgesamt haben rund 700 Traktoren den Parkplatz im Lauf des Vormittags angefahren, dazu etliche Lkw und Autos. „Das zeigt, dass wir alle an einem Strang ziehen“, so einer der Organisatoren. Insgesamt werden es rund 1000 Teilnehmer sein“, schätzt er. Um 6.30 Uhr rollten die ersten Traktoren auf die B22, teils in Richtung Cham, teils in Richtung Oberviechtach.

Manche Landwirte aus dem Altlandkreis Waldmünchen starteten morgens direkt von Waldmünchen, Schönthal oder Döfering aus nach Cham und treffen erst etwa um die Mittagszeit auf dem Rast-Parkplatz ein. Bratwurstsemmeln, Kaffee und Kuchen wurden zum Teil von örtlichen Metzgereien und Bäckereien gesponsert. Auch die Landfrauen und die Familien der Landwirte unterstützten dabei. Der Schulbetrieb sei durch die Proteste nicht beeinträchtigt, teilte die Grundschule Rötz mit.

Im Bereich Furth im Wald, Arnschwang und Weiding starteten mehrere Kolonnen von Traktoren, Erntemaschinen und Lastwagen, begleitet von zahllosen Privatfahrzeugen. Mit Hupen, Warnblinkern und Lichtsignalen. Auffällig war in den Morgenstunden, dass vor allem auf der Bundesstraße 20 und auf der alten B20 kaum Verkehr herrschte. Bis dann gegen 6.30 Uhr die Demonstration erkennbar wurde – dann aber mit großer Wucht! Auf der B20 bei Weiding rollte von 6.40 bis 7.15 Uhr in Richtung Cham eine dicht geschlossene Fahrzeugkolonne mit etwa 20 Stundenkilometern Richtung Kreisstadt. Aus den Seitenstraßen kam so gut wie kein Verkehr.

Bereits um 6 Uhr morgens zogen die ersten Landwirte mit ihren Traktoren von Bad Kötzting in Richtung Cham. Nach Berichten von Anwohnern, soll gegen 6.45 Uhr die Durchfahrt von Miltach „dicht“ gewesen sein. Ein Zustand, der sich in den Folgestunden aber entgegen vieler Befürchtungen deutlich entspannte. Die Organisatoren, die alle Teilnehmer aus dem Altlandkreis Kötzting auf den Jahnplatz beorderten, hatten sich sehr gut vorbereitet. So trafen sich die Teilnehmer zwar ab 6 Uhr auf dem großen Platz am Stadtrand, verließen ihn aber pünktlich um 7 Uhr wieder, damit die Schulbusse problemlos anfahren konnten.

Die Bürger waren vorbereitet

Bis auf einige wenige Schüler, die allerdings die vom Ministerium angebotene Möglichkeit in Anspruch genommen hatten, sich „krank“ zu melden, blieben die Fahrten der Landwirte folgenlos. Das galt auch für die Heimfahrt ab 13 Uhr. Die Route führte über die Staatsstraße 2140 über den Blaibacher See nach Miltach und von dort über die Bundesstraße 85 weiter nach Chamerau und von dort über die St 2132 über Lederdorn wieder zurück.

Vom Chamer Volksfestplatz fuhr auch eine Traktorkolonne zum Kreisverkehr hinter Altenkreith und zurück in die Kreisstadt. Zu größeren Behinderungen kam es dabei nicht. Auch durch Roding selbst fuhren die Bauern auf ihrem Protestweg. Die Reaktionen der Bevölkerung darauf waren fast durchgehend positiv.

Der Jahnplatz in Bad Kötzting war am Morgen Sammelpunkt für Akteure der Bauerndemo. Foto: Stefan Weber
Einzelner Problemfall: ein Ampelgalgen am Ortseingang Wilting, den die Polizei abbaute.
Ein großer Sammelpunkt im Landkreis war die Diskothek Rast bei Rötz. Foto: Stefanie Bauer
Am Morgen bei Furth: Die ersten Konvois starten Richtung Cham. Foto: Fred Wutz
Parolen auf Warngelb bei der Bauerndemo Foto: Stefanie Bauer