Nach Silvester-Randale vor dem Regensburger Hemingway’s: Ein Tatverdächtiger identifiziert

Die Regensburger Staatsanwaltschaft spricht von einem Verdächtigen, der in das Intensivtäter-Schema passt. Er wurde auf einem im Netz kursierenden Video erkannt. Dort kursieren allerdings auch Unwahrheiten – beispielsweise die Behauptung, dass ein Opfer schwer verletzt wurde und auf der Intensivstation liegt. Die Polizei dementiert das.
Der Vorfall vor dem Lokal Hemingway’s in der Oberen Bachgasse in der Silvesternacht beschäftigt weiterhin die Ermittler. Gleichzeitig gibt es Neuigkeiten: Wie der Sprecher der Regensburger Staatsanwaltschaft, Thomas Rauscher, auf Anfrage der MZ mitteilte, wurde ein Tatverdächtiger aus der Gruppe junger Männer identifiziert. Dabei handelt es sich um einen Tunesier. Polizei und Staatsanwaltschaft arbeiten aber weiterhin an der Aufklärung des Falls, der sich über ein Video rasant über Soziale Netzwerke und Messenger-Dienste wie WhatsApp und Telegram verbreitete. Behauptungen, die in der aufgeheizten Debatte im Netz aufgestellt werden, stellen sich nach Angaben der Behörden aber als unwahr heraus.
Auf einem Video ist zu sehen, wie eine Gruppe von vier jungen Männern mit Flaschen auf Personen und auf die Fensterscheibe des Lokals wirft. Dann ziehen sie sich zurück. Die zuständige Polizeiinspektion Süd hatte auf Anfrage mitgeteilt, dass sie um 2.30 Uhr am Neujahrstag über eine Schlägerei in der Oberen Bachgasse informiert wurde. Daraufhin sind mehrere Streifen an den Tatort zum Hemingway’s gefahren. Im Pressebericht über die Ereignisse in der Silvesternacht fehlte der Vorfall.
Das Geschehen habe sich aus Sicht der Polizei auch zunächst als sehr unübersichtlich dargestellt, weshalb man eine Vielzahl von Personen anhören will, um aufzuklären, was passiert ist. Teilweise ist das auch schon geschehen. „Die polizeilichen Ermittlungen dauern noch an“, sagte eine Sprecherin der PI Süd.
Staatsanwalt Rauscher sagte, dass der Leiter der „Ermittlungsgruppe Mehrfach- und Intensivtäter“ der Regensburger Polizei Kontakt aufgenommen hat mit dem dafür zuständigen Staatsanwalt. Zumindest ein Täter ist damit ermittelt. Hier wird der zuständige Staatsanwalt des neu geschaffenen Sonderreferats, Konstantin Voges, die Ermittlungen übernehmen. Wie berichtet, hat der Spezial-Staatsanwalt derzeit die Akten von 21 solcher Intensivtäter an sich gezogen. Gegen 20 hat das Amtsgericht Regensburg auch Haftbefehle erlassen. Der jetzt ermittelte und durch das Video identifizierte Mann ist nun der 22. Fall des Spezial-Staatsanwalts.
Ob das Video zur Fahndung verwendet und damit auch offiziell von den Ermittlern den Medien zur Verfügung gestellt wird, ist derweil noch offen. Das Problem sind auch die rechtlichen Hürden. Aus Sicht der Polizei würden „alle möglichen Maßnahmen zur Ergreifung der Täter geprüft“, so die Sprecherin. „Ob eine Öffentlichkeitsfahndung angezeigt ist, stellt sich aufgrund der hohen rechtlichen Hürden erst im Laufe der Ermittlungen heraus.“
Im Netz kursierten derweil Tatsachenbehauptungen, die einer Recherche der MZ nicht standhalten. So wurde am Wochenende ein Posting in den Sozialen Medien verbreitet, in dem behauptet wurde, dass ein Opfer auf der Intensivstation des Regensburger Uniklinikums liegen würde, weil ihm einer der Täter „eine zerbrochene Flasche in den Bauch rammte“. Die Polizei dementiert auf MZ-Nachfrage allerdings die Behauptung: „Dies trifft nach unserem aktuellen Kenntnisstand nicht zu“, sagte die Sprecherin der PI Süd. Ein Geschädigter wurde zwar laut Polizeisprecherin in ein Regensburger Krankenhaus eingeliefert und musste dort behandelt werden, „er kam aber auf keine Intensivstation“, hieß es weiter. Auch wurde er zwischenzeitlich bereits aus dem Krankenhaus entlassen, so die Polizei weiter.