So lief der Bauernprotest im Kreis Kelheim: Euphorie und 1800 Becher heißer Tee

Kelheims Landwirte demonstrierten „zweigleisig“ und freuen sich über „breite Solidarität“. Das sagen Polizei und BRK. So könnte es mit Protestaktionen weitergehen.
Mit einem „super Gefühl“ stieg BBV-Kreisobmann Martin Mittermeier mit 49 Mitstreitern gegen 14 Uhr in den Bus zurück in den Landkreis Kelheim. Sowohl die „breite Solidarität“ am Odeonsplatz in München, wie auch die der Verkehrsteilnehmer daheim auf den Straßen im Kreis Kelheim stimmten ihn positiv.
Auch Kreisbäuerin Rita Schultes war begeistert vom Andrang in München. „Wir stehen, wie die Heringe vor der Bühne“, schrieb sie vor der Großkundgebung.
Martin Mittermeier: „Gesehen, dass man miteinander kämpft“
Mittermeier freut’s, dass in der Landeshauptstadt, aber auch in der Region die Landwirte gesehen und gespürt hätten, „dass man miteinander kämpft“ und dass der Großteil der Bürger den Demonstrierenden positive Rückmeldungen gegeben hätte. „Viele haben den Bauern die Daumen nach oben entgegengestreckt.“
So erlebte die Polizei den Protesttag
Die Beamten beider Polizeiinspektionen hatten alle Hände voll zu tun, ob der zahlreichen Blockade-Punkte. Unterm Strich war bald klar: „Es gibt keine immensen Rückstaus, wie von vielen befürchtet", so Mainburgs stellvertretender Inspektionsleiter Michael Hörl.
Im Zuständigkeitsbereich der Kelheimer Polizei kam es zu drei Spontanversammlungen, die nachträglich genehmigt wurden. Laut PI-Vize Manuela Waltl handelte es sich um Landwirte, die nicht im BBV organisiert sind. „
Kurzzeitig“ beschäftigten Blockaden der Bundesstraßen-Kreisel in Mainburg und Siegenburg die Mainburger Polizei. Dies konnte aber schnell aufgelöst werden, hieß es. In einem Fall sei eine „Person mit Traktor“ von einem Versammlungsleiter ausgeschlossen worden, die Polizei habe dieser einen Platzverweis erteilt. Grund war laut Hörl, dass ein Schild inhaltlich nicht den Auflagen entsprach.
Auch eine unangemeldete Versammlung habe es im Gebiet der Mainburger Polizei gegeben sowie an der A93-Auffahrt Bachl eine Körperverletzung. Ein Autofahrer soll einen Landwirt mit einem Autospiegel leicht am Arm verletzt haben.
Zwei Korsofahrten und eine Komplett-Blockade bei Siegenburg
Eigentlich waren die Protestaktionen bis 12 Uhr genehmigt. Für die A93-Auffahrt Siegenburg wurde gegen Mittag eine Verlängerung der Sperr-Aktion beantragt. Dem gab das Landratsamt nicht statt. Noch Stunden später gab es daraufhin zwei Korsofahrten im südlichen Landkreis – laut Landratsamt „nicht initiiert vom Bauernverband“.
Sowie zwischen 16 und 17 Uhr eine Komplettblockade der B299 bei Siegenburg. Ebenfalls nicht von „angemeldeten Teilnehmern“.
Das BRK vermeldete keinerlei Beeinträchtigungen. 35 Ehrenamtliche waren im ganzen Landkreis im Einsatz. Bei der Kälte wurden 1800 Becher heißen Tees an Landwirte und Verkehrsteilnehmer ausgeschenkt.
Bauern-Protest: Wie geht es im Landkreis Kelheim weiter?
Noch in dieser Woche könnten laut BBV-Kreisobmann weitere spontane Versammlungen angemeldet werden. Ansonsten wolle man die Großdemo am Montag in Berlin abwarten. An das Ergebnis „angepasst“ könnten kommende Woche neue große Veranstaltungen im Landkreis folgen. BBV-Vorstandskollege und Versammlungsleiter Severin Pausinger bestätigt die Bereitschaft, weiter zu protestieren – „auf eine Weise, dass wir es uns nicht mit der Bevölkerung verscherzen. Von Chaoten distanzieren wir uns."
Zur Akzeptanz der Aktionen wird es künftig wohl auch darauf ankommen, dass keine “Demonstranten auf eigene Faust“ ihrem Berufsstand die Solidarität in der Bevölkerung kaputtmachen.
