Bauernproteste im Landkreis Schwandorf ernten viel Zuspruch

Auch im Landkreis Schwandorf haben sich zahlreiche Landwirte mobilisiert, um gegen die geplanten Subventionskürzungen zu protestieren. Bei einem Treffen mit der Bundestagsabgeordneten Marianne Schieder (SPD) am Schwandorfer Tierzuchtzentrum wurde es emotional. Für Nachmittag und Abend sind weitere Fahrten und Versammlungen angekündigt.
Konvois auf den Straßen, blockierte Auffahrten zu Autobahnen: Die Bauern machen ihrem Ärger im Landkreis Schwandorf gehörig Luft. Eine erste Wasserstandsmeldung zeigt, dass die Proteste aber weitgehend friedlich verlaufen. Der Rückhalt aus der Bevölkerung ist indes riesig. Man ernte deutlich mehr Daumen nach oben als Mittelfinger, wie die Landwirte süffisant berichten.
Bereits am frühen morgen haben sie sich aufgemacht, um gegen die Subventionskürzungen der Bundesregierung mobil zu machen – auch wenn die Pläne von der Ampel-Koalition abgemildert wurden. Rund 50 Fahrzeuge – vor allem Traktoren, aber auch Autos, Kleintransporter und Lastwagen – haben beispielsweise seit dem Montagmorgen die Auffahrten zur A93 in Schwandorf-Süd blockiert. Teils reisten die Landwirte aus benachbarten Landkreisen an, um an den Protesten in Schwandorf teilzunehmen. Die Sorgen wurden dabei mehr als deutlich kommuniziert. „Wir Bauern und Landwirte werden ständig mehr und mehr ausgebeutet. Wo soll das Essen in Zukunft herkommen? Wir sind mit dem Ausland nicht mehr konkurrenzfähig", sagte beispielsweise ein Teilnehmer aus Schmidmühlen im Landkreis Amberg-Sulzbach.
Demonstranten halten sich an die Auflagen
Die Demonstranten halten sich laut Polizei trotz allen Unmutes aber bisher an die Auflagen, alles läuft soweit friedlich. Ausfahrten werden freigehalten, um kein Chaos auf der Autobahn zu verursachen. Einige Fahrer nutzen die Ausfahrten auch als Auffahrten. Pendler nehmen Umwege in Kauf und äußern nur ganz vereinzelt Unmut über den Protest. Auch im Schwandorfer Stadtgebiet kam es nach ersten Erkenntnissen bisher zu keinen größeren Beeinträchtigungen.
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Über den Tag verteilt sind in der Großen Kreisstadt mehrere Aktionen angemeldet. So haben am Vormittag beispielsweise rund 150 Bauern an einem Gespräch mit der Bundestagsabgeordneten Marianne Schieder (SPD) im Schwandorfer Tierzuchtzentrum teilgenommen und ihre Positionen noch einmal deutlich gemacht. Zum Teil gab es emotionale Wortbeiträge. Schieder versprach, sich nach ihren Möglichkeiten für die Rücknahme aller Einsparungen einzusetzen. Um 18 Uhr ist zudem eine große Demonstration am Schwandorfer Marktplatz geplant. Dafür sind bis zu 500 Teilnehmer angemeldet, auch der stellvertretende bayerische Ministerpräsident sowie bayerischer Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) hat sein Kommen zugesichert.
300 Protestierende im Städtedreieck
Auch im Städtedreieck sind die Protestierenden seit den frühen Morgenstunden unterwegs. Mindestens 300 Traktor-, Lkw- und Transporterfahrer haben sich am bereits um 6 Uhr am Volksfestplatz zusammengefunden, um gemeinsam in den Aktionstag aufzubrechen. Die Organisatoren unter den Landwirten freuten sich über die Unterstützung diverser Berufsstände und „vieler Normalbürger“. Teilnehmer aus radikalen Lagern, von denen sich die Bauern offiziell klar distanzieren, will man nicht ausgemacht haben.
Die ersten Ziele waren nach einer Fahrt über Teublitz und Maxhütte-Haidhof die Autobahnanschlussstellen im Städtedreieck. Binnen weniger Minuten waren die Auffahrten zur Autobahn A93 in Ponholz und später auch bei Teublitz für beide Richtungen blockiert. Im Nu bildeten sich beachtliche Schlangen. Auswirkungen auf den ersten Unterricht nach den Weihnachtsferien hatten die Verkehrsbehinderungen aber nicht. Das Johann-Michael-Fischer-Gymnasium und die Realschule Burglengenfeld meldeten am Vormittag nur geringe Beeinträchtigungen des Unterrichtsgeschehens. Die Zahl der Schüler, die wegen der Verkehrssituation zu spät kamen, habe sich in Grenzen gehalten. Und spätestes gegen 8.20 Uhr hätten auch alle Nachzügler in den Klassenzimmern gesessen.
Gegen 13.30 Uhr endete der Zugmaschinen-Korso wieder auf dem Volksfestplatz. Die Teilnehmerzahl hatte sich nach sieben Stunden deutlich reduziert. Um 16 Uhr versammeln sich die Landwirte erneut, um gemeinsam durchs Städtedreieck zu fahren.
100 Landwirte versammelten sich in Nittenau
In Nittenau versammelten sich insgesamt etwa 100 Landwirte an sechs Stellen zu Protesten, und sie wechselten sich dabei stündlich untereinander ab. Blockaden wurden nicht errichtet, das sei auch nicht erlaubt, erklärte Leiter Hans Heimerl aus Nittenau. Die meisten vorbeifahrenden Autofahrer würden positiv auf ihre Aktion reagieren und sich solidarisch äußern, so Heimerl. „Daumen hoch zeigen viele.“
In der Stadtmitte von Nittenau fanden sich einige Fahrzeuge und Bauern friedlich am Straßenrand mit Bannern ein, darunter Wolfgang Reisinger. Der Nebenerwerbslandwirt baut Kartoffeln und Getreide an. „Sollten wir unerwartet doch keinen Erfolg haben, sehe ich mich gezwungen aufzuhören. Es ist ohnehin alles knapp.“ Die Nittenauer Landwirte haben noch die ganze Woche eine Genehmigung zu Protestaktionen, erklärt Heimerl. Wann man sie durchführen wird, werde noch entschieden.



