Trotz Long Covid: Regensburger Krankenpflegerin denkt nicht ans Aufgeben

Von Marion Neumann · 8. Januar 2024 um 12:00

Kürzlich erlebte Katrin Wartlsteiner ein trauriges Jubiläum: Zum fünften Mal infizierte sich die Regensburger Krankenpflegerin mit dem Coronavirus. Obwohl sie an Langzeitfolgen leidet, hat sie ihren Mut nicht verloren.

Was eine Corona-Infektion anrichten kann, bekam Katrin Wartlsteiner schon früh mit. Als Krankenpflegerin arbeitete sie im Jahr 2020 auf einer der ersten Covid-Intensivstationen in Deutschland. „Ich hatte zuvor schon viel Intensiv-Erfahrung. Aber die Arbeit dort war für mich tatsächlich traumatisierend“, sagt sie über die Tätigkeit am Klinikum Weiden, das zu diesem Zeitpunkt viele Patienten aus dem nahen Corona-Hotspot Tirschenreuth aufnahm.

Dass die Erkrankung sie auch persönlich für lange Zeit begleiten wird, ahnte Wartlsteiner zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Zunächst einmal traf die 42-Jährige nämlich eine ganz andere Diagnose: Burnout. Was folgte, war eine Krankschreibung – und bald darauf dann doch die erste eigene Corona-Infektion.

Geruchs- und Geschmackssinn verloren

Im Vergleich zu dem, was sie auf der Station gesehen hat, verlief die akute Infektion mild, erzählt sie. Allerdings verlor sie ihren Geruchs- und Geschmackssinn, der bis heute nicht zurückgekommen ist.

Im Januar 2021 kehrte sie schließlich ins Weidner Klinikum zurück, arbeitete aber im Büro statt in der Pflege. Kaum zwei Monate vergingen, als sie die zweite Corona-Infektion traf. „Ich habe gemerkt, dass ich nicht mehr so belastbar wie früher war.“ Direkt mit Corona brachte sie die Erschöpfung aber zunächst nicht in Verbindung. Wartlsteiner versuchte, weiter leistungsfähig sein – im Beruf wie im Privatleben. Mit ihren Kindern zog sie in den Landkreis Regensburg, begann wieder in der Pflege in der Klinik Donaustauf zu arbeiten.

Doch ihre Krankengeschichte ging weiter. Innerhalb eines halben Jahres infizierte sie sich zwei weitere Male mit Covid. Die vierte Infektion – die habe sie „richtig lahmgelegt“. Was folgte, war dann nicht nur die Vorstellung in der klinikeigenen Post Covid-Ambulanz, sondern einige Zeit später auch eine Therapie in einer Reha-Klinik. Ihre Erschöpfung lindern, konnten die Behandlungen jedoch nicht. „Post Covid-Patienten werden psychosomatisch behandelt. Auf meine Belastungsintoleranz wurde deshalb in der Reha nicht groß eingegangen“, sagt sie.

Einfach ist diese Zeit nicht. Ihren Kindern im Grundschulalter konnte Wartlsteiner nicht mehr bei den Hausaufgaben helfen. „Ich war vorher Intensivkrankenschwester und habe komplizierte Berechnungen für Medikamente erstellt. Plötzlich war ich an einem Punkt, an dem ich Rechenaufgaben aus der zweiten Klasse nicht mehr lösen konnte.“

Nur auf Therapien warten will sie nicht

Wartlsteiner vernetzte sich mit anderen „Nicht-Genesenen“ aus ganz Deutschland und besuchte zwischenzeitlich eine Selbsthilfegruppe in Regensburg. Hoffnung, dass es künftig bessere Therapien für Menschen mit Corona-Spätfolgen geben wird, hat sie bis heute. Doch darauf warten, wollte und will sie nicht. Nachdenklich gemacht haben sie auch die Diskussionen mit Rentenversicherung, Berufsunfähigkeitsversicherung und Krankenkasse. „Ich war viele Jahre Intensivpflegerin und habe viel gegeben für meine Patienten. Aber als ich selbst erkrankt bin, war da niemand.“

Um „aus dem Loch herauszukommen“, begann sie, sich tief in die Thematik einzulesen. Was ihr ein wenig half, waren schließlich Nahrungsergänzungsmittel. Vor allem aber ist es die positive Denkweise, die ihr bis heute guttut. „Ich darf mich nicht darauf konzentrieren, was mich ausbremst. Sondern auf das, was ich noch kann.“ Im Alltag heißt das zum Beispiel, spazieren zu gehen statt Fahrrad zu fahren. „Radfahren geht schlecht, weil ich dann starke Schmerzen in den Beinen bekomme. Aber spazieren gehen kann ich – und dabei die schönen Blumen am Wegrand anschauen.“

Fünfte Corona-Infektion folgte zum Jahresende

Heute lebt Wartlsteiner mit ihren Kindern in Regensburg. Nach einer Pause ist sie wieder eingegliedert, arbeitet in der Funktionsdiagnostik im Klinikum Donaustauf. Das Team und auch der Chefarzt haben sie auf ihrem Weg sehr unterstützt, betont sie.

Selbst eine weitere Covid-Infektion, mit der sie zum Jahresende zu kämpfen hatte, warf sie nicht aus der Bahn. „Es war schon so, dass ich zwei Tage lang geweint habe. Einfach, weil es so ein trauriges Jubiläum war, zum fünften Mal Corona zu haben“, sagt sie. Dennoch möchte sie Betroffenen Mut machen. „Man lernt auch aus solchen Erfahrungen. Ich achte jetzt mehr darauf, meine eigenen Grenzen wahrzunehmen.“ Wartlsteiner ist sich sicher: „Wenn man sich aufgibt – dann ist man auch nicht mehr empfänglich für Heilung.“