Susanna Herold betreibt Nittenaus „Stadtcafe“ weiter – und appelliert an die Bürger

Von Cornelia Lorenz · 3. Januar 2024 um 17:00

Im Sommer hatte Susanna Herold in der Nittenauer Gastroszene für Aufregung gesorgt: Die Betreiberin des „Stadtcafes“ gab bekannt, dass sie einen Nachpächter für ihr Lokal sucht. Doch nun hat sie eine Entscheidung getroffen – und richtet gleichzeitig einen eindringlichen Appell an die Bürger.

Seit Mai 2017 ist Herold Pächterin im „Stadtcafe Nittenau“, seit 2018 hauptberuflich. In der Gastronomie zu arbeiten habe ihr schon immer Spaß gemacht, sagt die ehemalige Stadträtin. 2017 habe sowohl beruflich als auch privat alles gepasst – und als Heike Schwarz, die langjährige Betreiberin des Lokals, ihren Pachtvertrag beendete, beschloss Herold einzusteigen.

In den vergangenen sechs Jahren hat sie mit ihrem Team einige Herausforderungen bewältigt – unter anderem die Corona-Krise, die viele Gastronomen im Land die Existenz kostete. Auch genug und gutes Personal zu finden sei oftmals schwierig gewesen und bleibe es immer noch, sagt sie. Spurlos ging diese Zeit an Herold nicht vorbei. Im Sommer 2023 habe sie sich richtig ausgebrannt gefühlt und dann auch ernsthaft mit dem Gedanken gespielt, sich vom Café zu trennen. Gespräche mit einigen Pacht-Interessenten habe sie ebenfalls geführt.

Urlaub brachte die Wende: Herold macht weiter

Doch zwei Wochen Urlaub brachten im Herbst die Wende. Sie habe festgestellt, dass sie sich in den Cafés auf Mallorca trotzdem noch interessiert umgeschaut und Inspirationen gesucht habe, sagt Herold. Und noch etwas gab ihr die Bestätigung, weiterzumachen: Viele Gäste hätten auf ihre Ankündigung, sich aus dem beliebten Lokal am Marktplatz zurückzuziehen, traurig reagiert. Herold hielt Rücksprache mit ihrer wichtigsten Servicekraft, Sandra Ernst, die seit 2017 dabei ist – und dann stand ihr Entschluss fest. „Ich habe gesagt: Es macht mir Spaß, ich ziehe das durch“, sagt sie.

Die Suche nach einem Pächter ist damit offiziell vorbei, doch Herold blickt trotz ihrer grundsätzlich optimistischen Haltung mit etwas Sorge ins neue Jahr. Denn: Gut drei Jahre lang galt für die Gastronomie in Deutschland auf Speisen der reduzierte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent – ab Januar ist damit Schluss und es sind wieder 19 Prozent fällig.

Preiserhöhungen auf der Speisekarte sind damit unumgänglich – doch in welcher Höhe kann man die steigenden Kosten auf die Gäste umlegen? Das ist eine Frage, die Herold im Moment beschäftigt. Wichtig ist ihr festzustellen, dass ihre Gäste im neuen Jahr beim Besuch im „Stadtcafe“ beim Blick auf die Speisekarte keine böse Überraschung erleben werden. Sie habe vor, sich erst einmal anzuschauen, wie sich die Situation entwickeln wird.

Abgesehen von der Mehrwertsteuererhöhung gibt es aber noch einige weitere Faktoren, die Herold Sorge bereiten. Der gesetzliche Mindestlohn steigt im neuen Jahr von zwölf Euro auf 12,41 Euro. Auch Änderungen bei der Lkw-Maut, steigende Kosten bei der Energie und der Abfallentsorgung sind etwas, das Herold und auch alle anderen Gastronomen auf dem Schirm haben müssen. Es seien viele Faktoren, die man als Gastwirt, der von seinem Betrieb auch im Jahr 2024 noch leben wolle, bedenken müsse – vor allem als Einzelkämpferin sei das eine Herausforderung.

Protest trifft die Falschen

Trotz aller Unsicherheiten wird Herold optimistisch ins neue Jahr starten. „Sonst könnte ich gleich zusperren“, sagt sie. Einen eindringlichen Appell richtet sie an die Bürger, die wegen steigender Preise kein Lokal mehr besuchen wollen. „Wer aus Protest die Gastronomie meidet, der tut nicht der Regierung weh, sondern denen, die die Gastronomie betreiben“, sagt sie.