Conti Regensburg: Drastische Kürzungen für die Belegschaft – Stellenabbau nicht ausgeschlossen

Von Christian Eckl · 2. Januar 2024 um 19:00

480 Mitarbeiter am Standort Regensburg sollen weniger arbeiten und bekommen weniger Geld. Eine Unternehmenssprecherin sagt, dafür soll auch das Arbeitspensum sinken. Ein Mitarbeiter kritisiert das Vorgehen, das mit einem drastischen Gehalts-Minus einhergeht – und läuft bei der IG Metall offene Türen ein.

Verschlankung und Vereinfachung von Prozessen: So hatte die Leitung des Continental-Konzerns noch Ende vergangenen Jahres kommuniziert, wie jährlich 400 Millionen Euro eingespart werden sollen. In Bayern rätselte man, ob Stellenstreichungen an den Standorten Regensburg, Nürnberg und Ingolstadt erwogen werden. Jetzt hat die Firmenleitung erste Maßnahmen ergriffen: Ab 1. April 2024 werden zahlreiche Mitarbeiter weniger arbeiten – dafür müssen sie erhebliche Gehaltseinbußen hinnehmen.

In einem Schreiben (liegt der Mediengruppe Bayern vor) wird der Schritt so angekündigt: „Wir alle arbeiten gemeinsam daran, den Automotive-Sektor wieder auf die Erfolgsspur zu bringen.“ Die Vereinfachung von Strukturen und Prozessen sowie die damit verbundene Reduzierung von Aufgaben, Tätigkeiten und Kosten seien wesentlich für die Stärkung unserer Wettbewerbsfähigkeit und für eine erfolgreiche Zukunft.

Nur noch 35 statt 40 Stunden

Und weiter: „Mit Wirkung zum 1. April 2024 werden die bestehenden Vereinbarungen, die über die tarifliche Arbeitszeit von 35 Stunden pro Woche hinausgehen, wieder auf 35 Stunden zurückgeführt.“ Diese Maßnahme sei eng mit der Zielsetzung verbunden, auch das Arbeitsaufkommen entsprechend zu reduzieren. Zahlreiche Mitarbeiter am Standort Regensburg haben einen Brief dazu erhalten.

Ein betroffener Mitarbeiter, der anonym bleiben möchte, ist entsetzt: „Die Aussage, dass sich damit ab dem 1. April 2024 das Arbeitspensum im gleichen Maße verringert, ist lächerlich.“ In vielen Bereichen sei man bei Conti seit Jahren „komplett Land unter und wir machen viele Überstunden zum Wohle der Firma“, so der Mitarbeiter.

Auf den ersten Blick könnte man denken, die Maßnahme hat etwas mit der rasanten Entwicklung auf dem Automobilmarkt und der Transformation von Verbrenner- hin zu Elektroantrieben zu tun. Bereits 2021 wurde dieser Entwicklung mit der Abspaltung der Sparte „Power Train“ Rechnung getragen: In der direkten Nachbarschaft des Regensburger Conti-Standorts wächst seither Vitesco, das auf Elektroantriebe spezialisiert ist. Das Unternehmen weckte allerdings umgehend Begehrlichkeiten: Die Schaeffler AG kündigte im Herbst des vergangenen Jahres an, Vitesco übernehmen zu wollen. Nach einem „freiwilligen öffentlichen Erwerbsangebot der Schaeffler AG an die Aktionäre der Vitesco Technologies“ hat der Konzern mittlerweile Zugriff auf knapp 80 Prozent der Aktien des Regensburger Unternehmens, sodass einer Übernahme wohl nichts mehr im Wege steht.

Doch zurück zu Conti: Entwickelt sich der Regensburger Standort mit 4500 Mitarbeitern zum Sorgenkind? In der Conti-Belegschaft glaubt man aber nicht daran, dass die Entwicklungen bei Verbrennern maßgeblich sind – die Dividende solle gesteigert werden, glauben betroffene Mitarbeiter.

Eine Sprecherin des Konzerns bestätigte auf Anfrage der Mediengruppe Bayern jedenfalls, dass am Standort Regensburg mit 480 Mitarbeitern mehr als zehn Prozent der Belegschaft betroffen sind. „Die Tarifverträge im Metall und Elektro-Bereich sehen die Möglichkeit vor, Vereinbarungen, die über die tarifliche Arbeitszeit von 35 Stunden pro Woche hinausgehen, mit einer Frist von drei Monaten zu kündigen“, so die Sprecherin. Die der Mediengruppe Bayern vorliegende Mail adressiere betroffene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Geschäfts- und Verwaltungsorganisation. Es seien nicht alle Mitarbeiter mit einem 40-Stunden-Vertrag am Standort betroffen. Die Sprecherin sagte, dass dies über eine Senkung des Arbeitspensums erfolgen soll.

Gewerkschaft übt Kritik

Damit ist allerdings nicht ausgeschlossen, dass es dennoch zu einem Stellenabbau am Standort kommen kann. „Die kommunizierte Kostenentlastung soll über ein Spektrum von Maßnahmen über alle Teile und Ebenen der Organisation erreicht werden“, heißt es von dem Unternehmen. „Wie viele Arbeitsplätze an den einzelnen Standorten genau betroffen sind, steht noch nicht abschließend fest.“

Rico Irmischer von der IG Metall kritisiert die Einsparungen bei den Mitarbeitern scharf. „Für die Beschäftigten bedeutet diese Maßnahme nicht unerhebliche finanzielle Einbußen“, so der Gewerkschafter. Auch der angekündigte Stellenabbau besorgt nicht nur die Gewerkschaft: „Den Beschäftigten am Standort Regensburg ist die direkte Betroffenheit auf die Regensburger Arbeitsplätze weiterhin nicht bekannt.“ Das führe zu Sorge und Verunsicherung in der Belegschaft, so Irmischer weiter.