Start Ups und Technologie-Campus: So läuft’s bei Kelheims Wasserstoff-Plänen

Von Beate Weigert · 2. Januar 2024 um 19:00

Noch wird viel hinter den Kulissen geplant, auch am Technologie-Campus im Hafen. Das passiert 2024.

Bei der Energiewende soll Wasserstoff eine zentrale Rolle spielen. Seit 2021 schreibt sich die Kreisstadt Kelheim auf die Fahnen, in dem Bereich Vorreiter werden zu wollen. Am früheren Südchemie-Gelände im Hafen sollen Start-Ups und Wissenschaftsprojekte den „H2Donau Hub“ mit Leben füllen. Doch was hat sich bisher getan?

• Wasserstoff produzieren: Laut Bürgermeister Christian Schweiger tut sich einiges bei Kelheims Wasserstoffplänen. Mithilfe eines Bundes- und eines Landes-Förderprojekts sollen im Hafen zwei Elektrolyse-Systeme entstehen. Zum einen (Bundes-Programm) soll mit Strom aus benachbarten Photovoltaikanlagen Wasserstoff erzeugt werden. Angedacht sei eine Ein-Megawatt-Anlage (Elektrolyseur), so Schweiger. Parallel dazu soll ein hydropneumatischer Energiespeicher entstehen, damit der Elektrolyseur dauerhaft betrieben werden könne.

Projektträger hier ist laut Schweiger das Forschungszentrum Jülich. Dieses setzt seit den 1970ern Forschungs- und Innovationsförderprogramme im Auftrag von Landes- und Bundesministerien um. Als Projektpartner sei das Start up Hypnetic GmbH aus Hannover dabei. Dass Fachgebiet Elektrische Energiespeichersysteme der Universität Hannover begleite das Projekt wissenschaftlich. Noch sind keine Fördermittel geflossen, die erste Begutachtung der Projektskizze in dem zweistufigen Verfahren sei aber positiv beschieden worden.

Mit Hilfe eines bayerischen Förderprogramms will laut Bürgermeister die Firma „Bavaria Hydro“ eine weitere Elektrolyse-Anlage realisieren. Stadträten klangen vor Jahresende derlei Informationen „verheißungsvoll“. Ob die aktuelle Haushaltskrise beim Bund Fördermittel obsolet macht oder verzögert, fragte sich jedoch auch mancher. Das muss sich zeigen.

• Autoflächen mit PV überdachen? Eine wichtige Säule um Elektrolyseure betreiben zu können, ist Solarstrom. Angedacht ist laut Schweiger, dass vorhandene Autoflächen im Hafen überdacht und mit PV-Modulen bestückt werden könnten. Man sei dabei ein Konzept zu schnüren, die Vertragspartner des Hafens müssten sich bis Jahresanfang einigen, so Schweiger auf Nachfrage. Dann müsse man sehen, dass man Baurecht für solche Anlagen schaffe.

• Kugeltanks bauen: Im September 2022 war der erste Name eines Start Ups gefallen, das sich am alten Südchemie-Gelände ansiedeln will. Die Hesphera GmbH will Kugeltanks bauen. Denn um den gasförmigen Wasserstoff speichern zu können, braucht es spezielle Behälter. Diese müssen deutlich höherem Druck standhalten als in klassischen Erdgasbereichen. Im Sommer 2023 sollte die Produktion eigentlich anlaufen. Nun geht man vom einem Start bis zum zweiten Quartal 2024 aus, so Schweiger. Bis dahin soll die Zertifizierung der Tanks, die länger dauere als ursprünglich gedacht, abgeschlossen sein.

• Technologietransfer- Zentrum: Seit April ist Kelheims Wasserstoff-Campus im Hafen offiziell am Start. In den vergangenen Monaten sei hinter den Kulissen viel vorbereitet worden, sagt Hans-Peter Rabl, der Leiter des Technologie-Transferzentrums (TTZ). Es gebe viel auf dem Papier, „in Kelheim ist derzeit aber noch nichts zu sehen“. So wurden vier neue Mitarbeiter eingestellt und eine Arbeitsgruppe „H2-Katalyse“ gebildet. Des Weiteren seien erste Beschaffungen getätigt. Ein Gasanalyse-System sei gekauft. Noch stehe das an der OTH in Regensburg. Mittelfristig soll ein Containerdorf beim früheren Südchemie-Gelände entstehen. Mehrere Versuchsanlagen in Containern sind laut Rabl geplant. Die seien allerdings nichts, „was es von der Stange gibt“. Es brauche einen Container als „Energiezentrale“, einen weiteren für das Bedienpersonal sowie einen für die Versuchsaufbauten (Labor-Container). Diese sollen auch „optisch ansprechend aufbereitet“ werden, so der Plan. Der Vorteil sei, dass man die Anlage relativ flexibel an das anpassen könne, was sonst noch passiert. Sprich etwa die Ansiedlung weiterer Start-ups. Im Grunde brauche die Anlage des TTZ „nur einen Strom- und Wasseranschluss“. Im Grunde sei man relativ weit. Rabl geht davon aus, dass „Mitte 2024“ aufgebaut werde. Die Versuche an sich könnten dann 2025 starten.

• Weitere Projekte: Aus dem OTH-Umfeld wolle sich die Oxy H2 GmbH ansiedeln. Dort beschäftigt man sich laut Rabl mit der Redox-Speicherung von Wasserstoff. Dabei dreht man ein lange bekanntes Verfahren aus der Eisenherstellung um, um H2 „indirekt“ zu speichern. Vorteil: Es brauche keine Druckbehälter. Die Grundlagenforschung an dem effizienten, umweltschonenden Speichersystem laufe an der OTH seit 2017.

Bürgermeister Schweiger kündigt an, dass noch „einiges mehr passieren“ wird. Da sei die Firma HiTes, die aus Biomasse, konkret aus Restholz, Wasserstoff herstellen will. Oder das „Joint Venture“ Hydrogood. Die Firma wolle aus Plastik Wasserstoff herstellen. Und auch salzbehafteten Kunststoff aus dem Ozean recycelbar machen.

Wasserstoffmoleküle Symbolbild: Zukunft Gas e.V./dpa